Schreib dich nicht ab

“Seit 3 Tagen heale ich mal wieder in einer Instanz…” – diesen “Satz” habe ich gestern im Rift-Forum gelesen und ich fragte mich einmal wieder: “Wieso schreibt man sowas?”

Es geht dabei nicht um den Inhalt, sondern um die Sprache. Wieso schreibt man nicht “Seit 3 Tagen heile ich mal wieder in einer Instanz…” Was ist daran so schwer und so unterschiedlich? Wieso benutzt man das englische Wort? Es klingt doch sogar gleich!

Ich möchte da nicht päpstlicher als der Papst erscheinen, denn auch ich benutze mal Fachausdrücke. Gerade wenn ich von Starcraft2 spreche, rede ich auch von “Magic Box” oder “Speedlings” oder ähnlichem. Ich benutze sowas auch, aber dennoch versuche ich, mich darauf bei Fachausdrücken zu beschränken.

Mag sein, dass nicht jeder etwas mit den Begriffen da oben anfangen kann, aber wer sich ein wenig mit SC2 auskennt, der wird bei “Magic Box” die perfekte Reichweite von Flugeinheiten verstehen, damit sie keinen “Splash Damage” (da haben wir wieder so ein Wort) abbekommen und der wird bei “Speedlingen” direkt wissen: Aha, die haben das Geschwindigkeitsupgrade – oder bei “Cracklingen”, aha, die haben auch die Angriffsgeschwindigkeitserhöhung. Das ist Fachsprache, um nicht jedes Mal das Konzept dahinter umständlich neu erklären zu müssen.

Aber ob ich jetzt sage “ich heile” oder “ich heale” hat nichts mit Fachsprache zu tun. Auch wenn ich sage “ich nehme Fast Expansion” (was ich durchaus mal sage), dann könnte ich auch besser sagen “ich mache eine schnelle neue Basis”. Auch mir passiert das also, aber ich fühle mich danach immer so ein wenig schmutzig.

Doch: Ich heale…? Oder noch schlimmer: Use mal den Heiltrank…? Was soll das? Vor allen Dingen tut es mir in der Seele weh, wenn das auch noch ganz normal konjugiert wird. Bei “Fast Expansion” wird wenigstens einfach ein englisches Wort genommen, aber wie sieht das bei “ich heale” aus?

Ich heale, du healst, er/sie/es healt, wir healen, ihr healt, sie healen?
Ich use, du used, er/sie/es used, wir usen, ihr used, sie usen?
Ich gette davon Schmerzen!

Ich gelobe Besserung, dass ich in Zukunft wieder bewusster meine Sprache benutzen will und mir andere Sachen ausdenke für “ich nehme eine Fast Expansion” oder “ich greife seine Second an”. Denn durch “ich heale” ist mir einfach wieder bewusst geworden, wie fürchterlich und vor allen Dingen unnötig das ist.

Wobei ich es verstehen kann, wenn jemand sagt “er tankt”, aber da muss es doch auch ein besseres Wort für geben! Blocken? “Ich blocke die Instanz” – nein, ist auch blöd. Was gibt es denn für Möglichkeiten?

Bitte seht es mir nach, wenn es in Zukunft immer mal wieder doch solche Wörter bei mir gibt, denn ich kann es sicherlich nicht von eben auf jetzt ausschalten; ich bemühe mich aber darum. Trotzdem werde ich auch in Zukunft von “Magic Box” reden, denn das gibt einfach kurz und bündig ein Konzept wieder, das man auch durch Google-Fu schnell nachschlagen kann, ebenso wie Speedlinge. Aber ich werde mich bemühen, nicht mehr zu “pushen”, sondern “anzugreifen”.

Gerade unter anderen Zockern fällt es einem schwer, von dieser Unart abzulassen, denn man ist es doch ziemlich gewohnt zu “nuken” oder zu “silencen” oder zu “sheepen”. Trotzdem: Macht ihr mit? Denn zumindest sehe ich in “ich heale…” keinen Vorzug gegenüber “ich heile…”.

16 thoughts on “Schreib dich nicht ab

  1. *wegbrech* “Ich blocke die Instanz”
    Wobei es sinngemäß ja richtig ist. :)
    Ich kann deinen Gedanken nur zustimmen, und bemerke es an mir selbst, egal in welchem Bereich, dass immer wieder diese Vermischung angewandt wird. Im täglichen Redefluss fällt das nicht mehr so auf, beim Schreiben, respektive nachlesen, umso mehr.

    LG Petra

    • Jap, das stimmt. Beim Reden fällt einem sowas noch weniger auf als beim Tippen – und beim Lesen sowieso.

      Ich merke das auch immer, wenn ich manchmal im Internet (Blogs oder besonders Foren) ein Kauderwelsch lese, wo ich mir denke: “Sind das eventuell auch so Leute, die tatsächlich auch ‘rofl’ sagen?”

      • Und ich leide bei allem davon Schmerzen ;) Tanken ist allerdings genauso ikonisch geworden wie googlen. Da wird es schwer ein anderes Wort zu finden, und unmöglich dies durchzusetzen. Man kann sich alle möglichen Arten von Umschreibungen ausdenken, aber dennoch bringts das igendwie nie auf den Punkt.

        Aber seltsamerweise hab ich das wort neimals gebraucht als ich es noch nicht kannte. Ich konnte immer anders ausdrücken das ich da vorne steh und auf die Omme krieg, während die anderen Schaden machen durften.

  2. Naja, “silencen”, sheepen (oder CCen) sind meiner Ansicht nach Fachbegriffe. Healen und heilen ist natürlich unnötig, aber spielspezifische Sprache finde ich gehört dazu.

    • Stimmt. Das habe ich ja auch zwischendurch gemeint, dass es schwierig wird, was anderes als “ich tanke” zu sagen. Vielleicht geht es auch bei manchen nicht. Aber bei “silencen” geht sicherlich “verstummen” und anstatt zu “sheepen” hat man wirklich bei uns “geschaft”. Wobei das natürlich auch neue Wortkreationen sind, die einem weh tun könnten.

      Ich denke nur, dass man sich einfach ein paar Gedanken mal insgesamt zu so Sprachumgang machen kann und sollte. Mir ist jedenfalls erst dadurch aufgefallen, was ich teilweise für wirklich merkwürdige Wörter ganz natürlich benutze.

      Sicherlich kann ich das auch nicht ganz ablegen, aber ich habe mir zumindest vorgenommen, in nächster Zeit ein wenig bewusster darauf zu achten. Mal schauen…

      • In dem Zusammenhang muss ich sagen freue ich mich immer wieder, dass ich nicht im englischsprachigen Raum lebe. Die müssen die dämlichen Texte der meisten Musik immer verstehen und halt auch solche Sachen wie sheepen mit ihrer Sprache machen lassen. Wie gesagt, ich “sheepe” lieber als dass ich “schafen” würde, das klingt für mich als Deutschen einfach weniger schlimm.

        • Stimmt, das ist durchaus ein Vorteil, den wir mit Deutsch als Muttersprache haben. Da läuft manche Kommunikation auf anderen Ebenen ab und es klingt nicht ganz so merkwürdig.

          Wobei ich persönlich sogar “schafen” schöner als “sheepen” finde. Klar, das ist ein ungewöhnliches Wort, aber die Handlung ist schließlich auch ungewöhnlich. Da finde ich es nicht verkehrt, die Sprache entsprechend weiter zu entwickeln.

          Zumindest gefällt mir das besser als die Verwendung eines englischen Begriffs – wenn ich ganz bewusst darüber nachdenke. Wenn ich einfach nur rede, stolpere ich leider häufiger auch in die englischen Begriffe.

  3. Aus Neugier, wegen des Konjugierens: Verursacht das Folgende auch Schmerzen?
    “Ich google, du googelst, er/sie/es googelt, wir googeln, ihr googelt, sie googeln.”
    (Wenn, dann hoffentlich nicht physisch, denn das will ich natürlich nicht.)

    Randbemerkend möchte ich auch die Verwendung von “Zocken” (bzw. “Zockern”) hinterfragen. Das ist zwar verbreitet, sogar im Duden, aber das muss doch auch besser gehen.

    • Da bringst du ein interessantes Beispiel, das ich tatsächlich selbst sogar benutze. Aber an sich ist das auch nicht “besser” als das, was ich da ankreide. Wobei es sich für mich trotzdem anders anfühlt… klar, sonst würde ich es vermutlich nicht benutzen bzw. es fühlt sich anders an, weil ich es selbst sage.

      Muss ich mal ein wenig drüber nachdenken. Danke für das Beispiel.

      Zocken finde ich übrigens überhaupt nicht schlimm. Aber ich bin definitiv offen dafür, wenn es einen passenderen Begriff dafür gibt. Wie kommst du denn auf “Zocken”, denn das ist zumindest noch nicht einmal Englisch.

      • Ob ein Wort aus einer Fremdsprache stammt oder nicht, ist ja nicht der entscheidende Faktor, der zwischen Akzeptanz und Ablehnung unterscheidet.

        Ich könnte mir ja einreden, dass ich rationale Gründe habe, lieber “spielen” oder (wenn es spezifischer sein soll) “Computer spielen” zu sagen, aber das wäre nur eine nachträgliche Rechtfertigung des schwachen, aber merkbaren Sprachekels, den “zocken” bei mir auslöst.

        Der eigentliche Grund ist wahrscheinlich ein anderer: Der Duden (so vorsichtig man ihn gebrauchen muss) stuft das Wort als “Jargon” ein; wahrscheinlich bin ich einfach nicht genug im deutschsprachigen Netz sozialisiert, um den Soziolekt verinnerlicht zu haben.

        Laut Duden ist “Game” übrigens sogar Teil der Standardsprache, was ich sehr kurios finde, da mich das Wort überhaupt nicht stört, während ich vermute, dass sich Deine Meinung dazu nicht geändert haben dürfte. Seltsamer Duden.

        tl;dr: Ich bin wohl zu verkrustet, um mit Bedeutungsverschiebungen umgehen zu können.

        • Wobei “zocken” sogar eigentlich noch nicht einmal aus dem Computerspielebereich, sondern aus dem Glücksspielebereich kommt, wenn ich mich richtig erinnere? Ok, in dem Sprachnetzwerk bist du vermutlich auch nicht stark genug sozialisiert. ;)

          Und ja, “Game” mag ich immer noch nicht so wirklich. Dass der Duden das aufgenommen hat – spannend. Muss ich mir mal genauer anschauen. Ändert trotzdem nichts an m einer Ablehnung, dieses Wort einfach in einen Text zu streuen.

          • Oh, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt: Gerade weil ich “zocken” in seiner ‘alten’ Bedeutung (also für Glücksspiele) kenne, stört es mich in der erweiterten/verschobenen Bedeutung.

            Ich fände es auch ziemlich beängstigend, wenn sich Dein Sprachgefühl einfach vom Duden umschreiben ließe.

            Übrigens, weil wir gerade dabei sind: Der Duden behauptet sogar, dass “Game” häufiger sei als “googeln/googlen”, was ich zumindest so nicht erwartet hätte. Ich wüsste gerne, wie genau sich das Dudenkorpus zusammensetzt, irgendwas ist da seltsam.

          • @Erdferkel (sicherheitshalber, da wir leider mal wieder die maximale Antwort-Ebene erreicht haben): Ah, dann habe ich dich falsch verstanden, sorry. Ok, so ist das definitiv nachvollziehbar. Mir wird auch gerade bewusst, warum ich vermutlich kein Problem damit habe: Die Glücksspiel-Szene ist mir vollkommen fremd irgendwie. Vermutlich bin _ich_ da dann nicht entsprechend stark genug da sozialisiert, dass es bei mir Unbehagen auslöst. Das klingt sogar extrem plausibel, wenn ich genauer darüber nachdenke. Jetzt verstehe ich auch endlich wie du es meinst und es macht vollkommen Sinn! :)

            Aber ja: Das mit dem Duden ist für mich immer so… gnaaaarf… klar, er ist wichtig, schon allein für meine Arbeit, aber es ist ja immer noch ein Unterschied zwischen dem, wie ich schreiben muss und dem, wie ich schreiben will.

            Ich hätte jetzt auch vermutet, dass “googlen” häufiger wäre – denn das Wort lässt sich wirklich schwerer ersetzen als “Game”.

    • Naja, aber “googeln” steht doch auch im Duden. Von daher passt es nicht ganz so….

      http://www.duden.de/rechtschreibung/googeln

      • Wobei ich Duden nicht als ultimatives Argument in so Sachen ranziehen würde. Das Wort ist trotzdem… nicht schön. Wobei “schön” natürlich wieder recht subjektiv ist.

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