In Memoriam: Horst Göttmann

Es ist jetzt schon drei Jahre her, dass mein Vater gestorben ist – und je länger es her ist, desto weniger wirklich scheint es mir. Gerade letztens, als ich wieder einmal über dem fehlenden Kampfgeist der MMO-Spieler verzweifelt bin, musste ich wieder an meinen Vater denken, von dem ich so viel mitgenommen habe, was Kampf- und Sportsgeist betrifft.

Er war leidenschaftlicher Fußballer. Keine Ahnung, wie lang er spielte, aber ich kenne ihn eigentlich gar nicht anders, dass er immer irgendwie Fußball geschaut hatte, aber noch viel lieber hat er es selbst gespielt. Lange Zeit hatte er unsere Jugendmannschaft sogar trainiert.

Ich sehe es noch bildlich vor mir, wie er mit seiner üblichen Trainingsjacke am Spielfeldrand stand und dann rief: “Attacke!” Zwar konnte mein Vater auch mal recht verbissen sein, was den Gegner betrifft und manche konnte er wirklich nicht leiden. Trotzdem war es für ihn und auch für mich am wichtigsten, mit erhobenem Kopf vom Platz zu gehen, zu kämpfen und eine tolle Partie abzuliefern.

Letztens war ich ein wenig erstaunt, als ich mich mit jemandem über Fußball unterhielt, der das wohl ernsthafter gespielt hatte. Fußball war für mich ja wirklich immer nur ein Hobby, aber für denjenigen wohl nicht. Und ich erzählte von dem Trainer, den wir damals nach meinem Vater hatten, der uns beibringen wollte, wie man foult, wie man den Gegner so am Trikot zieht, dass es der Schiedsrichter nicht sieht und den Gegner so provoziert, dass er irgendetwas macht, für das er dann vom Platz gestellt wurde.

“Das gehört dazu”, war die Antwort von demjenigen und ich finde nicht, dass es dazu gehört. “Wenn man oben mitspielen will, dann muss man das machen und das macht ja jeder.” Erklärt es vielleicht, macht es aber noch lange nicht besser. Egal, wie profihaft man Fußball spielt, man spielt doch dann keinen Fußball mehr, wenn man sich auf solche Spielchen einlässt. Wo bleibt da der Sportsgeist?

Ich finde, dass das wenig mit Fußball zu tun hat. Denn mein Vater war vielleicht kein Profifußballer, aber er war Fußballer mit Leib und Seele. Vielleicht hat er auch mal eine Schwalbe gemacht, aber er legte es nicht darauf an. Ihm ging es um das Spiel, um den Ball, um das Kämpfen, um die Taktik – nicht um möglichst geschickt foulen oder möglichst clever den Gegner dem Schiedsrichter ausliefern.

Das habe ich mitgenommen von meinem Vater. Das ist und bleibt immer bei mir drinnen und ich finde es gut so. Ich glaube, das war eine Sache, die meinem Vater sehr wichtig war – ebenso wichtig ist sie mir. Denn man spielt, um zu spielen – nicht um zu gewinnen. Und wenn man verliert, dann verliert man als Sportsmann.