Outtime

Im Vorfeld von “Star Wars: The Old Republic”, das sich scheinbar mal wieder verschiebt, habe ich mich mal wieder ein wenig umgesehen, was denn so die Rollenspieler treiben und vorbereiten und ich habe es gesehen: Schwachsinn. Denn ich bin über die Rollenspiel-Plattform dazu gestolpert und habe eigentlich keinen Thread gefunden, in dem ich kein irritiertes Kopfschütteln bekam, denn da spielen sich mal wieder ein paar als selbst ernannte Rollenspielsheriffs und Rollenspiel-Elite auf, die offensichtlich keinerlei Ahnung von Rollenspiel haben.

Dabei sei gesagt, dass es natürlich jedem frei steht, Rollenspiel anders zu erleben – genau da liegt übrigens der Knackpunkt. Das schreibe ich immerhin auch schon seit spätestens 2001, wie man in unserem damaligen DKWDDK-Regelwerk lesen kann: Es gibt mindestens 294988509,78 Arten zu rollenspielen – die Zahl variiert natürlich. Aber trotzdem stehe ich weiterhin dazu. Trotzdem habe ich selbstverständlich auch meine Art, was ich gut finde, wie ich finde, dass etwas gemacht werden sollte und so weiter. Ich würde diese Art aber niemandem dermaßen aufdrücken, wie ich es auf dieser RP-Plattform mal wieder sehe.

Worum geht es konkreter? Es ging darum, ob es störend ist, wenn jemand im Rollenspiel vom Computer weg muss und ob er dann sowas in den Say-Channel schreiben darf, wie: “((afk))”. Die Doppelklammern haben sich mittlerweile als Zeichen für “ooc” eingebürgert, daher ignoriere ich mal den unnötigen Vorschlag von: “((ooc:afk))”. Schon traten dann die ersten Rollenspieler auf, die sagten, dass sie solche Leute auf die Ignore-Liste werfen und sowas hat dort gar nichts verloren und das hat mit Rollenspiel nichts zu tun und so weiter.

Die Argumente in dem Fall sind bekannt. Manchmal hat man keine Zeit, ist es dringend oder wie auch immer. Trotzdem wird verlangt, dass man sowas dann entweder per Whisper löst oder es ic (in-character) umschreibt. Wenn das Telefon klingelt, dann habe ich aber besseres zu tun, als einen Satz zu schreiben, wie: “*bemerkt, dass sein Kommunikator klingelt, geht ran und ist daher kurz abwesend*”. Eine interessante Möglichkeit, das Problem zu umgehen, dass man keine Zeit hat, sowas zu tippen, ist ein Makro vorher zu erstellen. Trotzdem ist diese Herangehensweise eigentlich Murks. Wieso?

Wenn ich etwas iC schreibe, dann sollte man auch damit spielen können. Das Problem ist, dass dieser Satz allein ooc-motiviert (out-of-character) ist. Natürlich kann man dann später iC darauf eingehen, wenn der Spieler wieder da ist, aber auch das könnte Probleme geben, wenn es einfach nicht in die Situation gepasst hatte. Ich will meinen Charakter nur Dinge machen lassen, die er auch wirklich macht – und nicht Dinge, die ooc-motiviert sind.

Außerdem reißen solche Dinge viel mehr aus dem Rollenspiel heraus, denn ich muss mir Gedanken machen: “War das jetzt ic? Oder war das ein ic-verpackter Hinweis, dass derjenige kurz weg ist?” Mich bringt das raus – volle Kanne. Wenn ich hingegen ein kurzes, knappes: “((afk))” sehe, dann weiß ich – aha, ooc ist kurz weg. Die Situation reißt einen natürlich sowieso ein wenig aus der Rolle, weil  man bedenken muss, dass derjenige weg ist, aber ich brauche nicht den Interpretationsschritt dazwischen, ob das nun ic oder ooc war.

Schon im LARP fand ich es fürchterlich, wenn ein Flugzeug über dem Zeltplatz flog und gleich einer der anderen Spieler sagen musste: “Die Dämonenkutschen fliegen aber tief…” Nein! Das erwähnt man nicht! Man baut es nicht ins Spiel ein, denn es gehört dort nicht hin! Es wäre vielleicht möglich gewesen, dass jemand das Flugzeug gar nicht bemerkt hätte, weil er beispielsweise sowieso bei Frankfurt wohnt und daher Flugzeuggeräusche nicht mehr mitbekommt. Erst durch die in-character-Bemerkung aber wurde er darauf aufmerksam gemacht! Und dann hat die Suspension of Disbelief wieder gehörig Arbeit vor sich.

Außerdem: Wie soll das aussehen? Ruft der Paladin dann danach: “Ha! Eine Dämonenkutsche! Die müssen wir zerstören und die Dämonen darin vernichten!” Nein, Unsinn, denn das geht nicht, denn weder ist die Spielleitung darauf vorbereitet, noch kann man das irgendwie vernünftig darstellen – vermutlich. Vielleicht gibt es eine Ausnahme, aber auf einem normalen Con ist das keine Möglichkeit und man sollte es einfach ausblenden.

Diese Unart, die es früher bei LARPs gab (und bestimmt immer noch), ist dieser Unart sehr ähnlich, dass man solche Sachen wie ooc-Abwesenheit ic verbrämen soll. Es ist in Ordnung, wenn es jemand für sich macht und so schöner findet. Kann und werde ich nichts daran ändern und ich werde auch damit vernünftig spielen können. Da bin ich soweit tolerant, auch wenn ich es aus genannten Gründen Blödsinn finde. Wo meine Toleranz dann aber aufhört ist, wenn diese Leute das auch noch von anderen verlangen. Nein, niemals – könnt ihr knicken!

Wenn ich weg muss, dann schreibe ich “((afk))” hin. Dinge, die ooc sind, sollten ooc bleiben. Wo bleibt diese ominöse Trennung, von der sonst alle immer reden? Da, wo sie wichtig wäre, ist sie auf einmal unerwünscht? Dort, wo es wirklich um das “RL” geht, darf man das nicht kenntlich machen? Genau hier verwischen doch dann ic und ooc und wir haben plötzlich dieses panisch gefürchtete Vermischen – das meiner Ansicht nach sowieso immer statt findet. Man kann es nicht verhindern, aber man muss einfach lernen, damit umzugehen und zu wissen, wann was ist, dann klappt das auch. Darum geht es doch die ganze Zeit!

Aber das verstehen all diese Rollenspielsheriffs wohl nicht und das ist, wo das Verständnis über die Mechaniken von Rollenspiel ihnen fehlt. Da wird dann mit so und so vielen Jahren Rollenspielerfahrung gewedelt, aber man merkt nichts davon – nada. Soll ich dann auch immer mal wieder mit meiner Erfahrung wedeln? Die ist immerhin auch nicht gering, aber das brauche ich nicht und habe ich nicht nötig. Ich probiere es dann lieber mit Argumenten – aber egal, wie stichhaltig sie sind, sie werden dann ignoriert, denn angebliche Erfahrung scheint wichtiger zu sein als Argumente.

Wenn ihr also auf einem Rollenspielserver seid, irgendwo, in in irgendeinem Spiel, lasst euch nicht einreden, dass ihr eure Abwesenheit in-character verbrämen müsst. Es geht auch ein einfaches: “((afk))”. Wichtig ist nur, dass ihr darauf achtet, dass sowas nicht überhand nimmt und ihr braucht danach dann auch schon nicht mehr “((re))” zu schreiben, sondern spielt einfach weiter, denn euer Gegenüber sieht dann ja, dass ihr wieder da seid. Auch sollte man dann besser nicht in Doppelklammern erklären, warum man weg war. Das kann man immer noch im Whisper. Aber allein solche Sachen wie Abwesenheit, Computerprobleme, Gewittergefahr oder ähnliches… mein Tipp: Immer ooc im Say erklären. Denn dann weiß jeder was Sache ist und man kann an sich viel schöner daran vorbei rollenspielen.

Klare Abgrenzungen führen zu intensiverem Rollenspiel – nicht zum Gegenteil. Lasst euch also nicht einreden, dass ihr nicht “((afk))” schreiben dürft oder sollt – das ist Stuss. Wenn ich mir die RP-Plattform zu “Star Wars: Old Republic” so ansehe, werde ich demnächst noch viel mehr solcher Beiträge schreiben. Wieso? Weil ich es langsam aufgebe, in solche Foren zu schreiben. Es kostet mich nur Nerven und ich glaube, eine Parkuhr ist da zugänglicher als Diskussionspartner. Doch irgendwo muss ich mir Luft machen, muss ich diese Gedanken aufschreiben – in der Hoffnung, dass sie wenigstens hier auf fruchtbareren Boden fallen. Denn, wenn ich mir das dort so ansehe, dann sehe ich Dürre.

Es gab mal eine Zeit, da wollte ich auch solche Länder bewässern. Aber mir fehlt die Zeit und vor allen Dingen mittlerweile die Kraft dafür. Das klingt dramatisch und ist es auch irgendwie – denn es gefällt mir nicht. Es fühlt sich für mich ein wenig wie aufgeben an. Doch ich gebe nicht auf. Aber ich muss aufpassen, dass ich mich über der ganzen Sache mit meinem Idealismus nicht kaputt mache. Denn eines darf ich nicht vergessen: Es ist ein Kampf auf verlorenem Posten. Irgendeiner muss ihn führen und daher führe ich ihn weiter. Nur kann ich das nicht mehr, als ob ich gerade frisch eingestiegen wäre. Dafür habe ich schon zu viele solcher Kämpfe durchstehen müssen und das hinterlässt natürlich seine Spuren. Aber aufgeben? Niemals! Dann eben hier…

Wenn dich dieses Thema interessiert hat und du mehr dazu lesen willst, wie ich Rollenspiel verstehe, wie ich dazu stehe, was ich mir wünsche, was ich blöd finde, dann sieh doch einfach in meiner “Beginning Theory“-Kategorie nach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.