Structural Difference

So langsam trennt sich die Spreu vom Weizen in der zweiten Staffel von “My Little Pony: Friendship is Magic” – denn man erkennt, wer nur ein Hipster ist, sich an den Hype dranhängt und wer wirklich die Serie und die Charaktere mag. Denn da bekommt man jetzt immer häufiger mal Gemosere über dies oder das. Beispiel gefällig?

Zur Folge “May the Best Pet Win” gab es einen Kommentar, dass die zweite Staffel schlechter wäre als die erste, denn die Folgen würden nur daraus bestehen, dass die Ponies sich fürchterlich aufführen. Dabei war das schon immer das Grundkonzept der Serie: jemand benimmt sich merkwürdig und findet heraus, warum das falsch ist. Nur dass dies in der ersten Staffel fast immer die arme Twilight Sparkle war.

In der zweiten Staffel erwischt es nun auch immer einmal wieder eines der anderen Ponies. Das ist nicht schlimm und macht die Charaktere nicht weniger liebenswürdig – eigentlich im Gegenteil. Denn sie machen Fehler, richtig große teilweise sogar. Wenn man beispielsweise bedenkt, dass Rainbow Dash als Verkörperung des Elements “Loyalität” vergisst, dass ein Haustier in erster Linie eine Eigenschaft haben sollte: es muss loyal sein – nicht cool, nicht stark, nicht atemraubend. Das macht die Charaktere menschlicher, denn es sind keine perfekten Charaktere.

Dann gibt es die Beschwerden beispielsweise auch zu dieser Folge, dass sie so vorhersehbar war. Ja, und? Es ist eine Kinderserie trotz alledem. Wenn man ganz ehrlich ist, war jetzt auch die erste Staffel alles andere als wirklich überraschend. Das muss sie aber auch nicht sein. Wenn das den Leuten jetzt erst auffällt und ihnen die Serie “plötzlich” zu kindlich ist, dann frage ich mich, welche Serie sie die ganze Zeit gesehen haben.

Sogar als Kind habe ich bereits bei unterschiedlichen Disney-Serien gemerkt, dass die fast immer nach den gleichen Mustern abgelaufen sind. Bei der “Gummibärenbande” konnte ich zum Beispiel am Anfang einer Folge mit ziemlich guter Trefferquote schon den Ausgang und die Moral der Folge sagen – da müsste ich so ungefähr 12 gewesen sein, als mir das bewusst geworden war. Ähnliches natürlich auch bei “Duck Tales”, “Chip & Chap” und wie sie alle hießen. Das sind eigentlich selten wirklich überraschende Serien. Wieso auch? Sie sind für Kinder! Die müssen sich erst einmal die kulturellen Codes aneignen, sie müssen erst einmal die Klischees, die Archetypen kennenlernen.

Vermutlich ist es mir als Kind bereits aufgefallen, weil ich wirklich verdammt viel gesehen habe und vielleicht hatte ich bereits damals durchaus ein Talent, um Erzählstrukturen zu erkennen. Aber auch ich musste das erst einmal lernen – und es hat mir bis heute geholfen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, gibt es heutzutage kaum noch etwas, was mich wirklich überrascht. Wenn man genug Seh-/Leseerfahrung hat und das nicht ausstellen kann – wie ich -, dann wird man von fast nichts mehr überrascht. “Sixth Sense”? – Nach 20 Minuten wusste ich den Überraschungseffekt. “Fight Club”? – Die Szene, wo die Kamera von der Treppe hoch filmt; ich weiß nicht mehr, wann das ungefähr war, aber dürfte auch so um die erste halbe Stunde gewesen sein. “The Village”? – bereits beim Trailer.

Es ist eine Gabe und ein Fluch – ich habe es mittlerweile akzeptiert und ist sicherlich auch zu einem gewissen Teil meine eigene Schuld, weil ich es nicht abstellen kann. Ich will damit nur zeigen, dass “Überraschungseffekte” vollkommen überinterpretiert werden, denn ich kann trotzdem Spaß an diesen Filmen haben. Überraschungseffekte sind nicht alles.

Wieso erwartet man also bei einer Serie für junge Mädchen, dass es überraschende und unerwartete Plot-Entwicklungen gibt? Ist man da dann nicht bei irgendeinem Shyamalan besser aufgehoben? Oder bei “Lost”? Schaut man dann nicht die ganze Zeit das Falsche? Ich glaube schon. Wenn man dann nämlich auch noch von diesen Leuten hört, dass sie ja nur “Pony xyz” mögen, aber “Pony abc” total dämlich finden, dann merke ich, dass der Geist der Serie nicht bis zu ihnen durchgedrungen ist. Sie bezeichnen sich als Bronie, aber sie sind es nicht – und ganz ehrlich, das macht mich sauer. Ich konnte Hipster noch nie ausstehen.

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