How could you not see it?

Die dritte Staffel von “Fringe” ist genau so, wie ich sie haben wollte! Ich bin so ungeheuer gefesselt und mitgerissen und sie geht mir so nahe. Wir sind jetzt bei der dritten DVD und haben noch die Hälfte vor uns und meine Frau meinte eben zu mir nach der Folge: “Ich sehe, wie du mitleidest.” Ja, und wie ich das tue! Denn es ist so verdammt gut gemacht!

Spoiler-Cut! 

Ich bin immer noch fest davon überzeugt, dass es bei “Fringe” nicht um den Plot geht, sondern um die Charaktere. Während beispielsweise bei “Akte X” die Charaktere nur Beilage sind und hauptsächlich der Plot (und der Meta-Plot) transportiert werden sollen, ist es bei “Fringe” genau umgekehrt. Die Charaktere sind das Wichtigste und der Plot ist nur das Beiwerk, um das zu transportieren. Eigentlich nicht verwunderlich, denn so hat auch “Lost” wunderbar funktioniert.

Man kann das sehr schön daran  merken, dass der jeweile Plot der Episode häufig gegen 30 Minuten oder fünf Minuten später aufgelöst wird, dann aber noch wirklich viel passiert – Dialoge, mehrere Charakterszenen und so weiter. Denn es geht eigentlich nicht darum, den Plot aufzulösen, einen Krimi-Mystery-Fall zu lösen oder ähnliches. Es geht darum, die Charaktere zu skizzieren. Denn bei “Fringe” dreht sich alles um die Entwicklung der Charaktere, um ihre Empfindungen, um ihre Probleme, um deren moralisches Dilemma, um ihre Beziehungen.

Eigentlich kann man das sehr schön vergleichen, wenn man zwei Klassiker der Sci-Fi-Serien vergleicht: “Star Trek” (wahlweise die Classic-Serie oder The Next Generation) und “Babylon 5”.   Bei “Star Trek” entwickelt sich sehr wenig bei den Charakteren.  Bei TNG noch am meisten bei Picard, aber an sich dreht sich die Serie nicht darum. Ihr geht es um den Plot. “Babylon 5” ist da wieder ganz anders, denn der Plot ist zwar da und auch wichtig, aber er transportiert die Charaktere, die sogar fast noch wichtiger sind.  Diese beiden Serien verhalten sich zueinander, wie “Akte X” zu “Fringe”.

Das ist es, wofür ich “Fringe” liebe und was sie gerade auch wieder perfekt machen. Ganz davon ab, dass ich die schauspielerischen Leistungen großartig finde. Das wird leider bei der deutschen Synchronisationen wieder vollkommen kaputt gemacht, aber im Original merkt man diese Leistung. Ich mag den “Walter” sowieso, aber es ist faszinierend, wie der gleiche Schauspieler auch “Walternate” spielt. Noch viel faszinierender finde ich jedoch Anna Torv als Olivia Dunham. Denn während Walter und Walternate wirklich unterschiedliche Charaktere sind, sind beide Olivias sich doch recht ähnlich und gerade das Verwechslungsspiel in den ersten Episoden ist so großartig gemacht und über solche Feinheiten gezeigt, dass ich ganz begeistert bin. Das reduziert sich natürlich nicht nur auf Anna Torv, denn auch beim Schauspieler von Walter ist das gut gelungen, wenn auch vermutlich einfacher. Ebenso ist es natürlich auch bei den anderen Spiegelbildversionen.

Ich  kann daher nur sagen: Ich liebe “Fringe” und die dritte Staffel enttäuscht mich bisher nicht – ganz im Gegenteil. Sie reißt mich mit, so dass ich am liebsten alles in einem Rutsch schauen würde, weil es mich so packt und ich das so verdammt gut gemacht finde. Meine Hochachtung an sowohl Abrams, aber auch die Schreiber und Schauspieler und überhaupt. Das ist verdammt gute Unterhaltung auf extrem hohem Niveau, auch wenn ich befürchte, dass viele das nicht erkennen oder Anderes erwarten. Ich sitze staunend und begeistert und mitleidend davor und kann kaum die nächsten Folgen erwarten.

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