Warum redest du nicht?

Ich gehöre auch zu den Leuten, die erst in “The Artist” gegangen sind, nachdem er den Oskar hatte. Vorher hatte ich den Film gar nicht auf dem Schirm. Aber nachdem ich darauf aufmerksam gemacht wurde und den Trailer gesehen habe, dachte ich mir: “Könnte interessant sein.”

Könnte aber natürlich auch langweilig und fürchterlich pseudo-intellektuell sein. Das war zumindest meine Befürchtung, dass der Film sich nur selbst zelebriert. Das machte er auch – aber auf eine für mich eher sympathische Weise.

Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt und auch wenn es zwischendurch mal die ein oder andere Länge gab, so hat der Film sich schön selbst-reflektiv verhalten. Sowas mag ich. An sich also ein deutlich postmoderner Film, der mir als Post-Strukturalisten gerade deswegen auch Spaß gemacht hat. Ob Andere daran auch gefallen finden, bin ich mir nicht so sicher.

Vermutlich würde ich ihn mir auch kein zweites Mal ansehen – höchstens, um ihn meiner Frau mal zu zeigen. Denn interessant ist er und ich bin schon froh, ihn gesehen zu haben. Aber es ist meiner Ansicht nach kein Film, den man ständig und immer wieder sieht.

Man kann natürlich darüber streiten, ob er jetzt wirklich den Oskar verdient hat. Aber ich finde, er hat ihn zumindest nicht “nicht verdient”. Da gab es schon ganz andere Filme und da ist er vielleicht nicht absolut angebracht, aber auch nicht verkehrt. Der Film ist jetzt nicht die Offenbarung und er ist auch kein hochgeistiges Geschenk, aber er funktioniert.

Denn zumindest mir als normalem Kinogänger ohne Filmwissenschaftsstudium hat er ein paar neue Anstöße, die ganz interessant sind – die man vermutlich sowieso bereits kennt oder weiß, wenn man regelmäßiger Stummfilme schaut. Aber ich denke, das hat der Film ganz geschickt und amüsant auch für ein breiteres Publikum jetzt serviert, das eigentlich in erster Linie unterhalten werden will.

Die Geschichte ist nicht neu. Sie ist nicht überraschend. Sie ist häufig auch mit dem Holzhammer erzählt. Andererseits auch nur eine andere Art von melodramatischer Darstellung – ob jetzt ausufernde Gestern oder ausufernde Zaunpfähle, ist doch an sich gleich. Die Geschichte ist einfach nett inszeniert und bringt zumindest mir neue Impulse, über die ich ganz dankbar bin.

Ich habe hin und wieder sowas gelesen wie: “Der Oskar zelebriert, das Publikum gähnt” – kann ich so nicht unterschreiben. Ich habe bis auf die paar kleineren Längen mich wirklich nicht gelangweilt und war überrascht, wie schnell die Zeit doch um war und dass der Film “schon” zu Ende war. Da wollten sich manche Medien – meiner Ansicht nach – eher profilieren, indem sie mal ausnahmsweise nicht intellektuell posen, sondern dagegen sind.

Witzig: Häufig finde ich Sachen pseudo-intellektuell, die der Großteil hochgradig intellektuell findet, während ich die Sachen ganz interessant finde, die manche pseudo-intellektuell finden. Vielleicht hatte der John recht und ich bin doch auf meine eigene Weise ein kleiner Punker – auch wenn ich nicht viel an sich vom Punk-Sein habe. Bis auf eben dieses Ausbrechen.