Von Mäusen und Moderatoren

Die Moderationskultur in deutschen Foren ist größtenteils fragwürdig. Wieso? Weil da ein Selbstverständnis herrscht, das ich teilweise noch aus Vereinen kennen, aber dann noch die Anonymität des Internets zu einer Selbstverliebtheit und einem gewissen Größenwahnsinn aufsteigt, das ich selbst von dort nicht kenne. Lange genug habe ich es in Vereinen bei ehrenamtlichen Tätigkeiten erlebt, lange genug musste ich es mittlerweile in Internetforen ertragen.

Dass ich kein Freund von Internetforen und vor allen Dingen Forenmoderation bin, sollte ein offenes Geheimnis sein. Trotzdem ist für mich leider in vielerlei Hinsicht kein Weg drumherum möglich. Die heutige Internetkultur versammelt sich zu stark in Foren, als wenn man Community-Arbeit in manchen Bereichen leisten möchte, noch ausweichen kann. Für mich gilt ein Satz, den ich mal in einem verhältnismäßig guten Forum gelesen habe: “Eine gute Forenmoderation ist da, bemerkt man aber nicht.” Gerade am letzten Punkt scheitern viele.

Da kommt dann vermutlich das zum Tragen, was man auch in Vereinen hat, wenn Leute sich in bestimmte Vorstandspositionen wählen lassen: ein wenig denken sie, es würde sich alles um sie drehen. Auch da denken viele, da sie es ja ehrenamtlich machen, dass sie machen können, was und wie sie wollen. Trotzdem entbindet das nicht von einer fairen und vernünftigen Bekleidung eines solchen Amtes.

Das habe ich stets in solchen Positionen versucht und ich denke, mir ist das auch größtenteils gelungen. Ansonsten wäre ich vermutlich nicht während meiner gesamten Jugendzeit immer wieder erneut zum Jugendsprecher der Schachjugend Rheinhessen gewählt worden, ansonsten hätten mich nicht auch danach viele gebeten, diesen oder jenen Delegierten-Posten zu übernehmen. Wieso? Weil die Leute wussten: Ich mache das nicht, um wichtig zu sein, ich mache das, weil mir das Thema am Herzen liegt und ich zwar durchaus direkt und kritisch, aber auch fair bin – jedoch genauso dann schießen kann, wenn es jemand darauf anlegt.

Was mir aber nie in den Sinn gekommen ist, wirklich nie, ist der Gedanke, den ich so häufig von Moderatoren und Administratoren in Foren lese: “Jetzt stellt euch nicht so an und seid zufrieden – ich mache das in meiner Freizeit und damit habt ihr zu leben.” Diese Grundhaltung ist verkehrt. Nicht, weil sie nicht stimmt, sondern weil sie ein Selbstverständnis des Moderators schafft, das ihn von denjenigen Leuten, die er moderiert entfernt – es löst ihn von der Community und zwar zu sehr. Er ist nicht mehr für die Community da, er ist nur noch da. Das war etwas, was ich nie gut geheißen habe und nie gutheißen werde.

Wenn man ein ehrenamtliches Amt bekleidet, dann hat man es vernünftig zu machen. Das ist kein Beruf, ja, aber dennoch sollte man es genauso ernsthaft ausüben, als ob es einer wäre. Der Vorteil, den man übrigens hat, dass es kein Beruf ist, zeigt sich nämlich nicht darin, dass alles egal ist und dass man dieses wunderbare Totschlagargument hat, der Vorteil ist, dass man ein wenig offener, ehrlicher und persönlicher handeln kann. Denn wenn man offen sagt: “Da kann ich mich gerade nicht drum kümmern, weil mein Hamster gestorben ist”, dann wird das für gewöhnlich tatsächlich auch so angenommen. Aber dazu muss man den Mund aufmachen. Denn man ist näher an der Community – oder am Verein, wenn man das ganze noch einmal auf eine solche “reale” Ebene hebt.

Es ist nur eine Ausrede, um eine Aufgabe schlampig oder nur halbherzig zu erfüllen. Aber gerade in solchen ehrenamtlichen Positionen sollte man stets mit drin sein und weder trotzig, noch selbstgefällig werden – gerade, wenn man etwas für Andere macht! Natürlich darf man da auch Mensch sein, klar. Aber Mensch sein heißt nicht, dass man alles genau so machen darf und sollte, wie es einem passt. Das vergessen viele Moderatoren und Administratoren – noch mehr, als es zu meiner Vereinszeit häufig vergessen wurde. Wobei wir da auch schon einige Kandidaten hatten, die echt übel waren – wie mein “Lehrmeister” im Schachvorstand, der dann doch enttäuscht war, als sein ausgewählter “Lieblingsnachfolger” eben doch mehr den menschlichen Weg gegangen ist und nicht den fiesen und egozentrischen.

Das ist nicht so, dass mir das keinen Ärger eingebracht hat – in der Freizeit wohl gemerkt. Im Gegenteil. Das hat ziemlich viel Stress, Nerven und solche Dinge gekostet bei einem Job, den ich ehrenamtlich für Andere gemacht habe. Trotzdem habe ich mich nie von diesem Weg abbringen lassen – weder damals beim Schachverein, noch während meiner Schulzeit in der Oberstufe beim Organisieren diverser Aktivitäten, noch dann zu meiner LARP-Zeit oder bei meinen Tätigkeiten für Pegasus und auch nicht bei al den unzähligen Online-Projekten, bei denen ich mitgearbeitet habe. Denn es ist einfach richtig, es so zu machen.

Ehrenamtliche Positionen bekleiden ist keine einfache Sache. Sie kostet Freizeit. Aber jeder sollte sich bewusst sein, was er da sich auflädt. Und wenn man weder die Zeit noch die Muße dafür hat, dann sollte man dafür offen sein, das Szepter weiterzureichen und auch dabei immer fair und menschlich bleiben. Aber dieses Selbstverständnis gibt es in heutigen Online-Foren kaum noch. Die Zentrierung auf einzelne Mods und Admins wirkt manchmal wie ein Personenkult, der dann mit dem Totschlagargument gegründet wird: “Aber jetzt seid doch endlich mal zufrieden und dankbar! Das ist immerhin in der Freizeit gemacht!”

Nein, selbst wenn es in der Freizeit gemacht ist: Beschissene Arbeit ist beschissene Arbeit. Auch – oder vielleicht gerade – bei Freizeitaktivitäten sollte man eine Sache richtig machen – oder gar nicht. Ich bin dankbar, wenn jemand etwas in seiner Freizeit für mich macht, ja. Aber immunisiert von Kritik ist derjenige dann trotzdem nicht. Dass diese Kritik dann auch fair sein sollte, steht außer Frage. Auch hier ist es aber ebenso häufig: “Wie es in den Wald reinruft, so schallt es wieder heraus.”

Oder um es mit den Worten des großartigen Wil Wheatons zu sagen: “Don’t be a dick!”

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