Not to men like you

Meine Angst, dass mir “Avengers” nicht gefallen könnte, war vollkommen unbegründet. Aber ich war unsicher, ob nicht sogar mein großes Idol Joss Whedon an diesem Film scheitern könnte. Wieso? Weil es bisher fast immer so war, dass wenn viele interessante Charaktere in einem Film waren, das irgendwie “Määääääh!” wurde. Mein Lieblingsbeispiel für eine vollkommen versiebte Sache in der Hinsicht ist “X-Men 3” und auch wenn ich “Spider-Man 3” durchaus auch ganz gerne noch sehe, zählt er auch genau zu den Filmen, die daran scheiterten

Meine Hoffnung war: So wenig Plot wie nötig, so viel Charakterinteraktion wie möglich. Das ist auch die Formel, die Joss Whedon für den Film genommen hat und das hat dem Film so ungeheuer gut getan. Denn die Handlung? Die lässt sich sehr schnell umreißen, aber darum geht es nicht.Denn die ist nur die Bühne für einen ganzen Film voller Charakterentwicklung, Dialoge, moralischer und philosophischer Wettstreite. Wen interessiert da die Handlung? Mich jedenfalls nicht und ich bin froh, dass Joss Whedon das genauso sieht, denn gerade dadurch ist “Avengers” einfach herausragend geworden.

Die deutschen Stimmen sind teilweise leider ungeheuer schlecht besetzt. Das merkt man vor allen Dingen bei Loki, dessen deutsche Synchronstimme bei weitem nicht das schlängelnde Charisma des Originals hat. Da ist absolut an der Vorlage vorbei besetzt worden und ist sehr traurig, da das dem Film so einiges nimmt. Wer Loki einmal auf Englisch gehört hat und das mit der deutschen Synchronstimme vergleicht, wird verstehen, was ich meine. Auch Thor kommt in der Synchronisation deutlich farbloser weg, was ungeheuer traurig ist, weil die Schauspieler da so viel Charakter in die Stimme legen, dass das einfach Spaß macht zuzuhören. Aber um so mehr freue ich mich auf den DVD-Release, wenn ich dann endlich auf Englisch mit Untertiteln sehen kann.

Es passt einfach alles bei diesem Film und nicht zuletzt die Musik und dieses grandios heldenhafte Thema:

Joss Whedon hat einmal wieder bewiesen, was für ein grandioser Künstler er ist und wie sehr er doch das alles verstanden hat. Wenn ihr einen X-Men-Film wieder machen lasst, lasst ihn Joss Whedon machen – bitte. Dann müssen wir nicht diese schreckliche letzte Hälfte von “X-Men 3” ertragen, denn er kann es so viel besser!

Dieser Film hat es gezeigt und ich finde, das ist ein solcher Schlag mitten in das Gesicht von Fox, dass sie ihm zwei (!) Serien abgesetzt haben, die unglaublich stark hätten einschlagen können, wenn sie zu Ende gesendet worden wären.

Joss Whedon is my master now!

Wollt ihr meine Lieblingsszene des Films wissen? Nach dem Spoiler-Cut.

Spoiler-Cut!

Ich fand es sehr versöhnlich, als Loki in Deutschland (in Stuttgart) das Opernhaus angriff. Wieso? Das war insgesamt eine sehr beeindruckende Szene und dann lässt Loki alle Bürger vor sich niederknien und hält eine Rede über Herrschen und die Beherrschten, dass die Menschen sich nach jemandem sehnen, zu dem sie aufblicken können und der sie führt – denn sie seien nur Diener, nur Duckmäuser. Sie sollen ihren Blick senken und gehorchen, denn das ist, was sie wirklich wollen.

Wieso ist das versöhnlich? Gerade diese Szene in Deutschland ist natürlich brisant, denn dank der deutschen Vergangenheit ist das einfach ein Thema, das aufwühlt und riskant ist.

Loki steht dort und sagt: “In the end you will always kneel!”

Aber ein Mann steht auf und sagt: “Not to men like you.”

Da steht ein einfacher Mensch auf, kein Superheld, und trotzt und widerspricht einem Gott und sagt, dass er sich nicht beherrschen lässt – egal, was dieser macht. Das ist heldenhaft und das zeigt, dass Joss Whedon genau die Essenz des Genres “Superhelden” verstanden hat. Es geht nämlich in diesem Genre nicht um Superhelden, sondern immer um Menschlichkeit und Moral auf ganz unterschiedliche Weise. Das zeigt diese Szene so wunderschön.

Das fand ich als Geste sehr schön, dass ausgerechnet ein Deutscher da den Schneid hat aufzustehen und fand ich eine schöne Geste in einem amerikanischen Film. Ja, sicherlich könnte man jetzt anführen, dass der dann auch noch ausgerechnet von Captain America gerettet werden muss und das dann wieder zu patriotisch ist – mir zeigt das eher, dass da etwas ist, das nicht nur amerikanisch ist, sondern ein Freiheitsbestreben, das alle Menschen verbindet und dass es ungeachtet des Landes gut ist, Gutes zu tun.

Das ist, was ich an dieser Szene so mag. Meine persönliche Lieblingsszene von vielen, vielen richtig genialen Szenen.

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