Two households both alike in dignity

Ich liebe Shakespeare – manchem dürfte das bereits bekannt sein. Wie sehr ich ihn doch liebe, wurde mir bewusst, als ich letztens überrascht feststellte, dass „Love Story“ von Taylor Swift sich an Romeo & Juliet anlehnt. Da war ich ganz fasziniert, als ich zum ersten Mal richtig bei diesem Lied zuhörte, das ich schon ein paar Mal hörte, aber bisher noch nie so richtig auf den Text geachtet hatte.

Rome & Juliet … da könnte ich ewig drüber schreiben. Meiner Ansicht nach ein zu unrecht häufig argwöhnisch betrachtetes Shakespeare-Stück – und das vermutlich nur, weil viele meinen, es zu kennen und es als Kitsch abtun. Dabei ist es eine ganz großartige Tragödie.

Noch gut erinnere ich mich, wie ich in der Schule in meinem Englisch-Grundkurs saß und unsere Lehrerin verkündete: „Ihr seid zwar ein Grundkurs, aber auf dem Lehrplan steht Shakespeare und das werden wir machen – aber keine Angst.“ Ich hatte auch keine Angst, denn es war eine der großartigsten Lehreinheiten, die ich in der Schule hatte. Wobei das sicherlich auch an dieser herausragenden Englisch-Lehrerin lag.

An sich waren nämlich Romeo & Juliet und der Enthusiasmus und die Begeisterung dieser Lehrerin der Grund für mein Amerikanistik- und Anglistik-Studium. Denn was der Deutsch-Unterricht an der Schule in mir zerstört hatte in Liebe zur Literatur, den baute diese Frau wieder auf. Zugegeben, vorrangig für englischsprachige Literatur – aber auf lange Sicht auch wieder auf Literatur im Allgemeinen. Auch wenn ich immer noch bis heute dank des Deutsch-Unterrichts und vieler Methoden und Eigenarten der Germanistik ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zur deutschen Literatur habe.

Meine Englischlehrerin zeigte mir, wie genial Klassiker sein können und wie viel Spaß sie machen können. Wir haben tolle Dinge gemacht und viel gelernt. Beispielsweise haben wir Teile davon nicht nur vorgelesen, sondern wirklich mit viel Schauspielbemühungen versucht. Ebenso haben wir eigene Texte verfasst, die wir dann Romeo oder Julia oder einem anderen Charakter in den Mund legen durften – natürlich auf Englisch. Das war so ungeheuer motivierend, kreativ und hat uns tiefer in dieses geniale Stück gebracht.

Natürlich waren wir dann auch in der Neuverfilmung mit Leonardo di Caprio und Claire Danes – die kam zu jener Zeit nämlich frisch raus. Meiner Ansicht nach ist dieser Film auch sehr verkannt und eine ganz hervorragende Verfilmung. Trotz der Übertragung in eine moderne Zeit hält sich nämlich alles ungeheuer nahe an den Text und vieles ist wirklich wunderbar umgesetzt – auch wenn ich gestehen muss, dass ich damals so meine Probleme mit der Darstellung meiner Lieblingscharakters des Stückes, Mercutio, so meine Probleme hatte.

Aber trotz dieses ganzen Spaßes habe ich so viel auch mitgenommen aus dieser Zeit. Nicht nur, dass manche Zitate aus dem Zusammenhang gerissen sind und nicht die Bedeutung haben, wie man denken würde. So ist schließlich eines der bekanntesten Zitate aus Romeo & Juliet „Es war die Nachtigall und nicht die Lerche“, dabei ist das an sich so unwichtig! Ich möchte es nicht herunterspielen, aber an sich ist es nur eine Zeitangabe, dass der Morgen anbricht. Und sowas wird immer wieder und wieder zitiert, obwohl es viel prominentere und gewichtigere Zitate des Stückes gibt, wie beispielsweise „I defy you stars!“ – da ist auch deutlich mehr Lyrik und Hintergrund drin. Das sollte aus dem Stück zitiert werden und nicht Nachtigall und Lerche.

Ihr merkt, ich könnte noch ewig über Romeo & Juliet schreiben und ich liebe es, wenn es in Musik aufgegriffen wird, weil mich die vielen verschiedenen Interpretationen so faszinieren und interessieren – besonders wenn da so etwas ganz Anderes dann daraus wird, wie bei Taylor Swift, die ich wirklich gerne höre.

Ist euch eigentlich schon einmal aufgefallen, wie viele Parallelen es zwischen Romeo & Juliet und Much Ado About Nothing gibt? MAAN ist so kurz davor, ebenso tragisch zu enden wie R&J und zwischendrin ist es auch ähnlich dramatisch. Sogar die ganze Sache am Ende mit dem Priester ist gar nicht unähnlich. Aber dann gibt es den Moment, in dem Romeo & Juliet zu dieser herausragenden Tragödie wird, aber Much Ado About Nothing zu meiner absoluten Lieblingskomödie.

Erstaunlich, wie nah diese beiden Stücke doch miteinander sind und doch so grundverschieden. „Love Story“ von Taylor Swift ist für mich so ein wenig die MAAN-Variante von Romeo & Juliet.

In Romeo & Juliet steckt so viel mehr, als das, was viele kennen und ich finde es schade, dass es häufig als eines der uninteressanteren Stücke von Shakespeare abgetan wird – nur weil viele denken, es zu kennen oder gleich einen Beißreflex bei einer Liebesgeschichte bekommen.

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