Die Mauer muss weg!

Einer meiner Schulalbträume erfährt Verfilmung: Die Wand! Für mich steht das Buch für all das, was in der Germanistik schief läuft und warum ich mich für ein Amerikanistik- und Anglistikstudium entschieden hatte und nicht wie ursprünglich geplant ein Germanistikstudium.

Ich erinnere mich noch zu gut an dieses Buch. Schullektüre liest man in diesem Alter sowieso nicht gerne. Doch es gab auch im Deutsch-Unterricht einige Dinge, die mir Spaß gemacht hatten, obwohl sie auf dem Lehrplan standen: Nathan der Weise gehörte dazu, ebenso wie der Besuch der alten Dame, Homo Faber und Andorra und noch einiges mehr. Aber dieses Buch?

Häufig schläft man über der Schullektüre ein, aber Die Wand macht es einem besonders einfach – denn es passiert nichts. Es ist an sich wie I am Legend – nur ohne Zombies, Entschuldigung, Vampire. Und das auch noch in langweilig. Während bei I am Legend schon allein der Schreibstil mitreißt auf seine eigene Weise, ist Die Wand eine Ansammlung von alltäglichen Arbeiten vollkommen langweilig erzählt.

Da ist es mir auch egal, wie hoch gelobt dieses Buch sein soll. Ich las es. Irgendwann bekam ich das Gefühl, dass immer die gleichen Dinge passierten. Die Frau steht auf, melkt die Kuh, geht mit dem Hund hinaus, geht durch die Welt, kommt zurück, legt sich schlafen – hier und da ein wenig Variation und Erkundung. Und das auf 300 Seiten gestrafft. Der Anfang ist ganz interessant, am Schluss wird es auch wieder interessanter. Aber die Mitte? Oh je!

Der Deutschunterricht dazu war ähnlich schlimm. Es ist ja in Ordnung, wenn unser Lehrer uns vermitteln wollte, dass dies a) ein emanzipierter Frauenroman und b) ein Anti-Atomwaffenroman sein soll. Aber muss er das wirklich jede Stunde sagen? Über drei Wochen hinweg? Was war ich froh, als diese Unterrichtseinheit vorbei war!

Das gibt es jetzt also als Film – na prima. Ob ich mir das doch noch einmal antue? Immerhin ist es doch schon über 20 Jahre her, dass ich das Buch gelesen habe. Alles, was ich hier also schreibe, war aus der Erinnerung und so, wie es mir in Erinnerung geblieben ist. Möglicherweise ist hier und da etwas verzerrt; vielleicht tue ich dem Buch also unrecht. Aber ich glaube es nicht so ganz. Denn wenn ich mir die Handlung wieder durchlese, weiß ich, wo das Problem liegt.

Ich habe bei einer Rezension mal gelesen, dass es ein einsames und leises Buch ist. Es muss auch nicht immer laut sein, da stimme ich zu. Aber das ist nicht einsam und leise, das ist größtenteils belanglos und langweilig. Was für eine Kurzgeschichte toller Stoff gewesen wäre, funktioniert nun einmal nicht auf fast 300 Seiten. Wenigstens hat es der Film auf “nur” 104 Minuten geschafft. Das könnte eine akzeptable Länge sogar sein. Auch wenn es die göttmannsche Horrorfilmregel überschreitet, die besagt: “Gute Horrorfilme brauchen nur 90 Minuten und sollten nicht länger sein.”

Zugegeben, Die Wand ist kein Horrorfilm, aber dürfte ähnlich viel Handlung vorweisen, die auf über 90 Minuten reichlich zäh werden könnte. Wenn ich bedenke, dass I am Legend an sich auch was Ähnliches macht, aber Zombies hat? Da funktioniert das! Da passiert was! Da ist auch ungeheuer viel Charakter und mehr Tiefe drin. Aber bei der Wand? Ich weiß nicht. Vielleicht doch mal eine Chance geben. Aber ich habe Angst.

2 thoughts on “Die Mauer muss weg!

  1. Interessant, wie unterschiedlich Lehrpläne je nach Schule offenbar ausfallen können.

    In meinem Deutsch-LK haben wir von deinen Beispielen nur Nathan der Weise gehabt (und das war vor allem deswegen sehr spannend, weil wir auch passend dazu ins Theater gefahren sind), ansonsten nichts. Gut, wer weiß, was da noch in deinen “und noch einiges mehr” aufgetaucht wäre, aber Max Frisch zum Beispiel haben wir gekonnt umschifft.

    Und der beitragsprägende Roman? Von dem habe ich hier soeben zum ersten mal gehört. Kann ja nicht so wichtig für die deutsche Literatur sein, wie dein Lehrer behauptet hat, höhöhö…

    • Ja, die Lehrpläne sind da sowieso sehr unterschiedlich. Merkt man immer wieder, wer was in der Schule hatte. Ins Theater gehen, wenn man ein Drama behandelt, ist sowieso großartig. Das haben nur viel zu wenige Lehrer bei uns gemacht. Aber jedes Mal hat das Eindruck auf mich gemacht und ich habe viele Dinge viel besser verstanden.

      Was leider so wenige kapieren: Diese ganzen Stücke sind halt eigentlich zum Anschauen – nicht zum Lesen. Shakespeare hat da ja ein ähnliches “Problem”. Wie viel besser könnte man Schülern das doch alles näherbringen, wenn man sie einfach in eine Theatervorstellung schubst! Ist auch nicht so trocken und atmet viel mehr das, was die Stücke ja eigentlich wollen: gesehen werden.

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