Persona 4 Golden – Einer dieser Zeitfresser

Persona 4 Golden – Einer dieser Zeitfresser

Ursprünglich wollte ich einen Jahresüberblick nachholen mit ein paar Dingen, die mich letztes Jahr begeistert haben. Ich fing an zu schreiben und dann wurde der Beitrag immer länger und länger. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich kurz fassen, doch bei ein paar dieser Dinge wollte ich es nicht. Daher werde ich das nun in einzelnen Beiträgen – manche länger, manche kürzer – nachholen. Persona 4 Golden steht als erstes auf meiner Liste, denn es ist vermutlich eines der besten JRPGs, wenn nicht sogar RPGs, die ich bisher spielen durfte.

Persona 4 Golden hatte ich schon einige Zeit, aber bisher noch nicht angespielt. Wieso? Ihr kennt doch sicher auch diese Spiele, die man anschaut und genau weiß, dass das nicht nur 20 Spielstunden sein werden. Üblicherweise zögere ich, mit sowas anzufangen oder lasse grundsätzlich die Finger davon. Viele Rollenspiele, gerade die japanischen, fallen gerne unter diese Kategorie. Im westlichen Raum dürfte Skyrim so mit der bekannteste darunter sein.

Bei Persona 4 war ich mir sicher: Das ist auch sowas! Das stimmte auch. Nicht so wie Skyrim von der Art, aber man kann richtig viel Zeit in dieses Spiel versenken. Noch immer bin ich nicht ganz durch (aber quasi … und fast – dazu gleich mehr), aber ich komme auf  knapp 100 Spielstunden. Das ist viel für meine Spielverhältnisse – sehr viel sogar. Denn ich bevorzuge eher kürzere Titel. Dass ich eine solche Gesamtspielzeit bei P4G erreicht habe, spricht also sehr für dieses Spiel.

Persona 4 Golden – Klassisches JPRG mit postmoderner Handlung

Zunächst einmal ist es ein klassisches östliches RPG. Es spielt in der Jetztzeit mit phantastischen Elementen und ich würde es der Urban Fantasy zuordnen. Zusätzlich besitzt es einen rundenbasierten Kampf. Außerdem gibt es Beschwörungen – sogenannte “Personas” -, die man sammeln kann. Unzählige gibt es davon! Es ist stark handlungsgeprägt und besitzt somit zahlreiche Zwischensequenzen. Wirklich viele. Ein Großteil davon ist sogar vertont und die Sprecher im Englischen sind großartig.

Das Spiel selbst hat mich durch seinen Spagat zwischen Bodenständigkeit und Epik beeindruckt – und durch postmoderne Philosophie. Ich will nicht zu viel verraten, aber viel dreht sich um die Themen Wahrheit, Freundschaft, Gemeinschaft und soziale Konstrukte. Das ist ein ungeheuer mächtiges und faszinierendes Thema und hat mich vollkommen mitgerissen.

Sympathische, nachvollziehbare und tiefe Charaktere

Aber nicht nur das ist in Persona 4 Golden extrem gut gelungen. Die Charaktere selbst sind alle so rund und facettenreich. Selten habe ich so mit Charakteren mitgefiebert, obwohl die Handlung doch mehr oder weniger geradlinig ist. Aber wie sehr einem die Charaktere doch ans Herz wachsen, um dann in manch grandiosem Spannungsbogen zuzuhauen … ich war und bin begeistert von diesem Spiel.

Es gab einen Moment, in dem etwas passierte, was ich befürchtete. Einer der NPCs stecke in Schwierigkeiten und obwohl ich diesen Verlauf der Geschichte schon geahnt hatte, hat mich das so sehr mitgenommen, dass ich nicht erst wartete und meine Gruppe langsam hochlevelte, um den Charakter zu retten. Nein! Ich musste sofort hinterher! Ich kann da doch nicht einfach tatenlos rumstehen, egal wie viel Zeit mir das Spiel gibt! So sehr bewegen mich die Charaktere!

Düstere und dunkle Welt als Hintergrund

Ich habe förmlich jede Zwischensequenz aufgesaugt, jeden Dialogschnippsel, den ich bekommen konnte, denn ich wollte mehr von diesen Charakteren wissen. Denn jeder der Charaktere hat eine Fassade – eine Maske. Das ist auch das Grundkonzept des Spiels und lehnt sich damit an vielleicht etwas überholte Konzepte von Jung an. Jeder Mensch geht mit einer Maske durch das Leben und jeder Mensch in diesem Spiel belügt sich selbst. Erst wenn man mit dieser Lüge zu leben lernt, entfesselt man seine wahre Kraft – und auf dem Weg muss man Freundschaften und Beziehungen entwickeln, die wirklich etwas bedeuten. Nicht einfach nur oberflächliches Blabla und Larifari.

Es ist eine schonungslose Welt. Es ist eine düstere Welt, in der schlimme Dinge passieren und daher kämpft man auch mit sich selbst und seiner eigenen Maske. Aber ebenso ist sie notwendig, um in dieser Welt überhaupt zu überleben. So unerwachsen, wie das Spiel durch den Anime-Stil vielleicht erscheint, ist es in meinen Augen keineswegs. Es ist ungeheuer erwachsen im Umgang mit diesen Themen.

Es hat mich vollkommen mitgerissen

Somit ist Persona 4 Golden eine Mischung aus klassichem JRPG, Dating-Sim (wobei es hier auch um das Entwickeln von “normalen” und freundschaftlichen Beziehungen geht) und fast etwas wie Pokemon, wenn man das Sammeln der Personas so sieht. Mir hat das Spaß gemacht in dieser Mischung.

So begeistert war ich, dass ich mittlerweile die beiden Spin-Offs Persona 4 – Dancing All Night (ein Rhythmus-Spiel mit Handlung) und Persona 4 Arena Ultimax (ein Beat-em-Up) geholt habe. Bisher habe ich nur ersteres angespielt und obwohl ich mit Rhythmus-Spielen nichts am Hut hatte, hat das doch immensen Spaß gemacht und auch hier die Charaktere ungeheuer gut getroffen. Und da mir schon die Musik im Originalspiel so ungeheuer gut gefallen hat, ist ein Rhythmus-Spiel natürlich um so interessanter, da es genau diese Themen wieder aufgreift.

Das Opening-Lied des Spiels ist auch einfach toll! Achtet einmal auf den Text. Ist das nicht post-strukturalistisch? Außerdem geben diese Lyrics einen wunderschönen Ausblick darauf, warum ich dieses JRPG so philosophisch finde. Denn genau darum dreht sich alles!

Mein treuer Begleiter im letzten Jahr bei 3 Stunden Pendeln

Persona 4 Golden hat mich während meiner drastischen Pendelei von München nach Karlsruhe fast ein gesamtes Jahr begleitet. Denn wenn ich die Woche über bei meinen Schwiegereltern oben im Gästebett übernachtet habe, habe ich P4G gespielt. Auch wenn die PSVita anscheinend wirtschaftlich nicht so gut angekommen ist, allein für dieses Spiel hat es sich für mich gelohnt und ich bin von dieser Handheld-Konsole einfach begeistert. Wenn sie doch nur nicht so beschränkt auf die dämlichen Online-Downloads wäre, sondern auch mit normalen Cartridges funktionieren würde …

Warum bin ich aber noch nicht fertig? Die Handlung habe ich mehr oder weniger fertig. Allerdings gibt es noch einen Bonus-Dungeon, den ich unbedingt beenden will und es gibt noch einige Dialog-Sequenzen und vor allen Dingen Personas, die ich noch finden will. Es gibt wirklich viel zu entdecken und das treibt meine Spielzeit natürlich in ungewohnte Höhen.

Ich freue mich schon wahnsinnig auf Persona 5, das dieses Jahr rauskommen wird. Zwar bezweifle ich, dass ich Persona 2 und 3 vorher nachholen kann, aber vielleicht probiere ich es doch. Denn diese Spielereihe ist definitiv eine Beachtung werd. Und den Anime von P4G brauche ich auch noch. Habe ich zwar bisher nichts Gutes darüber gehört, aber… ich brauche ihn! Denn ich kann mir gut vorstellen, dass er mir trotzdem gefällt.

Wenn ich euch nun neugierig gemacht habe, ihr eine PSVita habt und solche Spiele mögt, empfehle ich euch gerne mit einem Link zum Spiel weiter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.