Sphere – unverhofft gelungen und faszinierend

Sphere – unverhofft gelungen und faszinierend

Viel habe ich rückblickend über Computerspiele geschrieben – denn ich spiele gerne. Aber ich lese auch gerne. Nicht mehr so viel wie früher, aber doch dank des Endes der Pendelei auch wieder mehr. Eines jener Bücher des letzten Jahres war Sphere von Michael Crichton. Dies will ich nun ein wenig genauer beleuchten, obwohl ich anfangs skeptisch war, hat es mich begeistert.

Der Recherchewahn

Ein Schreiberkumpel und ich haben es schon häufig beklagt: Es ist irgendwie eine Unsitte, dass bei fiktiven Romanen, möglichst auch noch in der Phantastik seit einiger Zeit ein Recherchewahn ist. Besonders historische Romane sind von dieser Krankheit betroffen – wobei es da noch einigermaßen zu verstehen ist.

Grundsätzlich ist dagegen nichts zu sagen, aber wenn es als Mittel zum Selbstzweck  verkommt, ist es nervig. Wenn es gut eingebunden ist, wenn es unterhaltsam ist, habe ich nichts dagegen. Aber gute Romane, gute Handlungen, gute Charaktere müssen nicht eine wissenschaftliche Arbeit sein, bei der man in jedem zweiten Satz noch einmal ein wenig sein Hintergrundwissen preisgibt.

Michael Crichton war immer unser liebstes Beispiel dafür. Jurassic Park  kennt jeder und man weiß auch, wie viel Recherche Crichton in seine Romane steckt. Jetzt habe ich letztes Jahr in Sphere geschaut, das im Deutschen den verheißungsvollen Untertitel: “Die Gedanken des Bösen” trägt. Den Film hatte ich vor längerer Zeit schon einmal gesehen und war davon eher gangelangweilt. So richtig konnte ich mich auch nicht mehr daran erinnern.

So macht man es aber!

Doch je mehr ich mich in Sphere festlas, desto mehr musste ich meine Meinung über Crichton ändern. Das war unterhaltsam! Ich las begeistert Seite um Seite. Die Dialoge fand ich kurzweilig und pointiert. Selbst wenn man Crichtons Hintergrundwissen bemerkte und man auch ahnte, dass er dies nun unter das Volk bringen wollte, geschah dies passend und schön in die Handlung eingewoben.

Besonders erinnere ich mich da an eine schöne Unterhaltung zweier Charaktere, bei der sie schwarze Löcher recht anschaulich erklären. Sicherlich nicht erschöpfend, aber das war gerade der Clou dabei: Sie erklärten es einem Laien  (dem Hauptcharakter), der davon vermutlich ähnlich wenig wie ich. Das las ich gerne, war interessant und hat auch noch wirklich an diese Stelle gepasst.

Ich war sehr überrascht, denn das hatte ich nicht erwartet, als ich die erste Seite meines Kindles am Anfang anklickte und ich mir dachte: “Dann wollen wir mal schauen, was der Crichton so alles falsch macht.” Denn er machte nichts falsch. Schon lange habe ich ein Buch nicht mehr so verschlungen. Das war spannend, das war interessant und hat mich gefesselt. Auch der ganze Hinterbau hat mir gefallen und die Idee dahinter. Es war ein wirklich gelungener Science-Fiction, an dem ich Spaß hatte – und das, obwohl Science-Fiction nun nicht mein liebstes Genre ist.

Sphere ist eine positive Überraschung für mich

Seitdem gebe ich zu, dass ich ein kleiner Crichton-Fan geworden bin. So skeptisch ich ihm gegenüber vorher war, so sehr ich das verteufelt habe, was er vielleicht nicht erfunden, aber zumindest beliebt gemacht hat, so sehr hat er mich dann doch überzeugt, als ich ihm eine Chance gab. Das hat mich letztes Jahr doch sehr überrascht. Daher habe ich mir nun aber auch nochmal den Film zugelegt. Ist wohl zwiespältig in den Rezensionen aufgenommen worden, aber ich denke, jetzt ist es noch einmal Zeit für eine zweite Chance. Immerhin ist die erste nun auch schon sicherlich über 15 Jahre her.

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