Alles andere als elementar, sondern herausragend gut

Alles andere als elementar, sondern herausragend gut

Eigentlich ist Sherlock keine Serie. Zumindest fühlte es sich nicht so an. Es sind eher Spielfilme, die zu einer Meta-Handlung verwoben sind. Trotzdem sahen meine Frau und ich Sherlock in unserem üblichen Serien-Rhythmus. Eigentlich wollte ich lieber Elementary sehen, aber dann gab es die Komplettbox von Sherlock und bei Elementary hatte ich Schwierigkeiten, eine Version mit englischen Untertiteln zu finden. Also war die BBC-Serie der Gewinner. Sie hat mich überrascht und umgeworfen. Ein sehr nettes „Autsch!“.

Was am Anfang so langweilig auf mich wirkte, entpuppte sich als ungeheuer faszinierende Charakterstudie. Sherlock Holmes und Watson auf modern? Damit wusste ich nichts anzufangen und da wirkte Elementary einfach frischer auf mich ohne beides gesehen zu haben – und auch jetzt kann ich den Finger nicht darauf legen.

Wie Pech und Schwefel

Aber die Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren ist einfach hervorragend umgesetzt. Beide Schauspieler setzen das so gekonnt und gut um. Klar, Cumberbatch als Holmes ist der bekanntere Star. Aber der Martin Freeman als Watson steht ihm in nichts nach. Es sind die Gesichtsausdrücke, die so viel Zwischentöne mitgeben und auch diese besondere Beziehung charakterisieren.

Dass dabei kunterbunt alle möglichen klassichen Holmes-Fälle durcheinander gewürfelt und miteinander vermischt und neu interpretiert werden, ist spannend und witzig – besonders wenn man denn die Originale kennt. Wenn man sie nicht kennt, kann es einem auch egal sein, denn die Fälle an sich sind spannend genug und gut genug geschrieben.

Manche Momente sind ein wenig übertrieben und unnötig – und unglaubhaft. Wenn Holmes zum Beispiel am Anfang den Weg eines Flüchtenden an Hand einer Karte im Kopf vorhersagen kann … nein, das kann selbst er nicht. Nicht so. Glaube ich nicht. Aber der Rest? Das ist größtenteils glaubwürdig. Auch wenn Holmes natürlich in vielen Momenten übernatürlich wirkt, aber dann auch wiederum so überaus hilflos in anderen. Das macht den Charme der Figur aus. Besonders, wenn er eine Hochzeitsrede halten soll – mein persönlicher Lieblingsmoment bisher.

Sherlock sollte man nicht zu ernst nehmen und vielleicht auch ein wenig wie eine Superheldenserie ohne wirkliche Superkräfte sehen. Einfach ein Mann mit einem übermenschlichen Intellekt. Das macht Spaß, das macht Laune und ist äußerst kurzweilig.

Sherlock – Begeisterung auf ganzer Linie

Viel kann ich aber sonst nicht über die Serie schreiben, außer dass sie mich so restlos begeistert hat, dass ich jedes Mal beim Intro mich freue. Diese Musik hat mir die Einleitung zu so viel witzigen und coolen Momenten gegeben. Sherlock schenkte mir so viele Bilder in meinem Kopf, die sich gut für weitere Inspirationen eignen. Es ist eine ganz famose und durch und durch gelungene „Serie“ von Spielfilmen.

Auch wenn der neueste Spielfilm zwiespältig aufgenommen wurde, habe ich selten einen so cool postmodernen Film gesehen. Ja, ja, am Anfang wirkt es merkwürdig, dass die beiden im viktorianischen Zeitalter wieder angekommen sind. Aber es passt. Alles. Einfach perfekt – und so intelligent! Ich bin hin und weg von Sherlock und freue mich so wahnsinnig auf die neue Staffel. Schade nur, dass man so schnell durch ist.

Wer also Krimis mag, sogar die alten „Sherlock Holmes“-Sachen kennt, der kann hier viel Spaß haben – zumindest wenn er sich bewusst ist, dass hier viel durchmischt wird, viele Fälle vollkommen neu interpretiert sind und teilweise wenig mit den Klassikern zu tun haben. Ich mochte Cumberbatch schon als Khan im Abrams-Star-Trek, nach Sherlock wurde ich allerdings zum Fan.

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