Immersion in einem Rollenspiel? Unwichtig! Grafik zählt!

Immersion in einem Rollenspiel? Unwichtig! Grafik zählt!

Habe ich etwas verpasst? Seit wann geht es bei Mass Effect um die Grafik? Anscheinend ist das ungeheuer wichtig beim neuen Teil Mass Effect: Andromeda und das will mir einfach nicht in den Kopf. Ganz ehrlich: Die Optik fand ich bei Mass Effect schon immer nur „mäßig gut“ – um es positiv zu formulieren. Die Charaktere und vor allen Dingen dieser Charakter-Editor waren schon immer vom Äußeren problematisch für mich. Wieso also jetzt diese Aufregung?

Fehlende Menschlichkeit nicht nur im Gesicht

Ich will da noch nicht einmal genauer auf diese Hass-Kampagne gegen eine Entwicklerin von Mass Effect: Andromeda eingehen. Lest den oben verlinkten Artikel dazu und schüttelt den Kopf – hoffentlich. Denn dieses Verhalten ist unter keinen Umständen akzeptabel oder gerechtfertigt. Da zeigen sich nur menschliche Abgründe im Umgang Miteinander.

Was mich vielmehr noch irritiert ist, wie man überhaupt auf die schräge Idee kommt, dass dies so wichtig für das Spiel wäre. In meinen Timelines lese ich sogar von Leuten, die deswegen das Spiel nicht kaufen und sich damit brüsten. Deswegen? Ernsthaft, Leute? Es gibt so viel mehr, was man anbringen könnte, aber daran hängen sie sich auf und bejubeln sich, wenn sie deswegen 60 EUR sparen.

Mass Effect war schon immer ein Rollenspiel mit viel Story und im Mittelpunkt standen die Charakterbeziehungen. Ja, da stört es, wenn man ein Uncanny Valley plötzlich in den Dialog-Sequenzen vor sich sieht. Aber so gravierend finde ich das bei ME:A nun auch wieder nicht. Nicht schlimmer als in ME1-3, bei denen ich auch – immer (!) – Probleme mit der Grafik hatte. Da schien es nur sonst niemanden gejuckt zu haben.

Mass Effect: Andromeda - Gruselige Augen

Die Rache der Fans

Ist das nun diesmal der Fanboy-Rückschlag, weil …

  1. der Hype im Vorfeld zu hoch war und die Leute so blöd waren, sich vollkommen davon wegfegen zu lassen, um dann am Ende – wie immer – enttäuscht zu werden? Oder …
  2. ist es die verzweifelte Suche nach dem Haar in der Suppe, um etwas schlecht zu finden? Wir kennen das ja, dass neue Staffeln von erfolgreichen Serien normalerweise angeblich immer schlechter werden (obwohl ich das selten nachvollziehen kann – ich sage nur Lost und Walking Dead).

Was auch immer es ist, vielleicht ist es auch etwas Anderes, ich finde das Versteifen auf diesen Punkt albern. Außerdem bekomme ich dabei das Gefühl, dass diese Menschen nicht verstanden haben, worum es in ME und damit auch in Mass Effect: Andromeda geht.

Ja, es ist schade, dass die Optik nicht besser ist. Das bekommen viele Spiele besser hin. Aber sind wir schon wirklich so weit gekommen, dass ein Spiel mit dieser Optik, die vielleicht nicht toll, aber hinnehmbar ist, dann direkt den Hass der Fans abbekommen muss, wenn es an anderen Stellen so gut punkten kann?

Mass Effect: Andromeda und die Animationen

Mass Effect war schon immer ein Problem für mich

Ich bin da ganz ehrlich: Ich habe lange Zeit keinen Zugang zu Mass Effect gefunden. Wie schon erwähnt, fand ich die Grafik schon immer mäßig und auch das Shooter-Gameplay fand ich nicht wirklich gut. Lediglich der Multiplayer-Teil von ME3 hat mir sehr gut gefallen. Aber auch hier: Die Steuerung war … gewöhnungsbedürftig und nicht das, was ich mir von einem Shooter wünsche. Da spielt sich vieles flüssiger.

Eigentlich wollte ich bei ME2 einsteigen, aber das klappte nicht. Der Anfang war mir zu wirr, die Level zu schlauchig und ich fühlte mich nicht gut durch das Spiel geleitet. Irgendwann probierte ich es dann mit ME1 und das ging schon ein wenig besser. Da hatte mich die Geschichte wenigstens direkt gefesselt und plötzlich war ich mittendrin und hatte sogar Spaß daran!

Wie Mass Effect mich für sich gewann

Für mich war es ein wenig Star Trek, das ich selbst spielen durfte – mit Landungstrupps und Pipapo. Das gefiel mir. Den ersten Moment, in dem mich das Spiel gefangen hatte, war die erste Ansprache von Shepard auf der Normandy, bevor man aufbricht, um Saren zu verfolgen. Das war ein richtiger „Wow!“-Moment für mich und ich bekam eine Gänsehaut. Ab da hatte mich das Spiel.

Mehr und mehr wuchsen mir die Charaktere dann ans Herz (yay, Tali und yay, Garrus!) und die Geschichte wurde immer epischer. Mir gefiel, was ich sah – trotz Grafik und trotz Gameplay, die mir beide keinen Spaß machten. Denn Geschichte, Charaktere und Erzählung waren so toll. Ich genoss es und ich war froh, dass ich dem Spiel nach dreimaligem Abbruch doch noch diese vierte Chance gegeben hatte.

Mass Effect: Andromeda - So viel Zorn auf die Grafik

Ich mag Mass Effect: Andromeda

Versteht mich also nicht falsch: Ich will die Grafik von Mass Effect nicht schönreden. Im Gegenteil. Ich finde sie erneut für einen AAA-Titel nicht so gut, wie sie sein müsste. Aber vielleicht bin ich da auch nur von Final Fantasy verwöhnt. Aber ME und auch das neue Mass Effect: Andromeda hat so viel mehr zu bieten. Denn auch hier hatte ich schon Wow-Momente. Nicht von der Grafik, sondern von den Charakteren.

Verdammt, ich mag dieses Setting! Das gefällt mir sogar noch besser als von ME1-3. Ich mag „Final Frontier“-Settings und ich mag, wie sie dem Charakter auch direkt eine Familie mit auf die Reise geben. Manche behaupten, dass man da keine Verbindung spürt, weil es zu hastig und schnell ist. Ich habe sie trotzdem gespürt, aber vielleicht habe ich mich auch nur mehr auf die Immersion eingelassen oder mir als Rollenspieler fällt es leichter.

Mass Effect: Andromeda - Gesichtsanimation

Man verlässt eine gute Geschichte nicht mittendrin

Ich fühle mich wirklich am Arsch der Welt und mit nichts als ein paar Leuten, die mir vielleicht sogar noch in den Rücken fallen wollen. Aber trotzdem gibt es da Menschen und Aliens, die meine Hilfe brauchen – hoffnungsvolle Kolonisten, die auf den ganzen Hass und Zorn keinen Bock haben. Das ist, was mich total begeistert, denn ich mag dieses Setting und ich merke, wie mein Charakter mehr und mehr Form durch diese Herausforderungen annimmt.

Das ist dann ein gelungener Rollenspiel-Moment, findet ihr nicht? Und sollte die Grafik dann nicht vollkommen in den Hintergrund treten? Für mich tut sie das jedenfalls in diesem Moment. Und dabei habe ich noch gar nicht davon angefangen zu erzählen, wie großartig ich bereits den Multiplayer finde, der zwar ähnlich wie der ME3-Multiplayer ist, aber sich dennoch besser anfühlt. Dazu vielleicht ein anderes Mal.

Trotz großer Probleme ein tolles Spiel

Ich will gar nicht kleinreden, dass die Probleme dieses Spiels gewaltig sind. Die Grafik ist „meh!“, das Interface ist eine Katastrophe und ich bin über mehr Bugs gestolpert als beim Frühjahrsputz in er Gerümpelkammer auf dem Balkon. Ein Bug hat mich sogar besonders verärgert: Nachdem ich gestorben war, konnte ich erst einmal meinen Spielstand nicht neu laden. Er hing sich immer wieder beim Laden auf. Nach etwa fünf Minuten und Neustart von Origin und Rechner ging es dann. Sowas macht keinen Spaß. Das darf nicht passieren.

Das hat mich immens verärgert, denn mir gefällt das Spiel ungemein und solche Dinge können einen bei diesem Spielgenuss stören. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass dies „mein“ Teil der ME-Reihe sein wird, denn es macht einiges für mich besser als die vorherigen Teile. Ich sage nur: das Jetpack! Oh, wie ich es liebe! Wenn ihr das Spiel spielt, werdet ihr verstehen, was ich meine. Ich fühle mich bei weitem beweglicher und erkundender als in den anderen ME-Teilen.

Ich liebe dieses Setting

Beispielsweise reizt mich das Setting mehr (so episch und gut es in den vorherigen Teilen war), die Charaktere sind vielversprechend und ich mag die persönlichere Ebene, die von Anfang an für mich gut funktioniert hat. Shepard war von Anfang an auf epischer Held getrimmt. Aber hier haben wir eher dann den „Underdog“, der durch widrige Umstände plötzlich aufsteigt.

Das passiert zu einem gewissen Teil auch bereits bei Shepard, aber da war doch mehr in den Hintergrund geschrieben. Hier erleben wird das, was man bei ME1-3 in einem kurzen Klick in den Hintergrund einfügt. Shepard war ein Held und ich habe das Gefühl, bei Mass Effect: Andromeda wird ein Held geboren. Das ist mein bevorzugtes Setting, denn ich liebe Charakterentwicklungen und das ist vielversprechend. Auch in den alten Teilen gab es Charaktentwicklungen, klar. Aber dieser Hintergrund ist viel dankbarer dafür und ich hoffe, sie haben das richtig auch nach den 10 Stunden Trial fortgeführt.

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