Lost in series

Heute wäre eigentlich Ponytag, aber dann habe ich überlegt, was ich heute in dem Bereich schreiben sollte und dann fiel mir auf: Nein, ich muss nicht auf Zwang unbedingt was zu Ponies schreiben, wenn ich nicht will. Das ist nicht schlimm oder schlecht oder bedeutet, dass ich die Serie nicht mehr mag. Aber heute will ich einfach über etwas anderes schreiben, nämlich einmal wieder über “Fringe”. Kein Wunder eigentlich, denn am Wochenende schauen meine Frau und ich zur Zeit wieder die dritte Staffel.

Während ich letzte Woche durchaus wieder von der Serie angetan war nach einer kurzen Pause, aber dennoch so meine kleinen Problemchen mit einem Plot-Twist hatte, haben die beiden Folgen heute mich wirklich wieder extrem mitgerissen. Das war großartig!

Spoiler-Cut! 

Konsequenz – Das goldene Kalb

Lange habe ich überlegt, ob ich so einen Artikel schreiben soll. Aber so langsam musste ich. Wieso? Es gibt einen anderen Artikel, über den ich hier auch schon gebloggt habe, und der immer wieder in Rollenspiel-Communities auftaucht. Leider wird er dabei auch immer absolut aus dem Kontext gerissen und zum eigenen Zweck instrumentalisiert und häufig sogar als Kampfmittel gegen andere Rollenspielgruppen genutzt.

Worum es geht? Jan Wessel hat vor einiger Zeit einmal den Artikel “Konsequenz – Die heilige Kuh” geschrieben. Darin argumentiert er, dass Konsequenz im Rollenspiel wichtig sei und dass viel zu viel weich gespült werde, nur um den eigenen Spielspaß zu retten. Das mag damals richtig gewesen sein und vor dem Hintergrund, wo er entstanden ist, stimmte es auch durchaus. Doch wozu das gemacht wird, wie er heute verstanden wird, ist eine leicht andere Richtung, die ich sogar als höchst problematisch empfinde.

Wie so häufig, wenn ich so etwas mitbekomme, muss ich eines machen: Aufklären. Denn so einen Fall habe ich auch schon erlebt und muss ich auch ständig bezüglich des LARPs lesen. Mancher kennt vielleicht den Todesstoß aus dem LARP? Ich könnte euch jetzt raten lassen, wie und warum er entstanden ist, aber lieber erzähle es direkt, denn den “Erfinder” des Todesstoßes kenne ich ebenso.

Für alle Nicht-LARPenden: Der Todesstoß bedeutet, dass man einen anderen Charakter töten kann, sobald dieser keine Trefferpunkte mehr hat oder auch wahlweise hilflos einem ausgeliefert ist. Dabei muss man sich über ihn stellen (oder ähnliches) und eine entsprechende Bewegung mit dem Schwert, der Axt oder ähnlichem andeuten und “Todesstoß!” rufen. Heutzutage (und auch schon zu der Zeit, als ich angefangen habe) wurde der Todesstoß so genutzt, um Quoten zu erfüllen. Epische Endschlacht? Dann brauchen wir 15 Todesstöße, die an spezielle NSCs verteilt wurden. Das macht das alles spannender. Es führte also dazu, dass mehr Leute gestorben sind, als normal gestorben wären. Denn ganz ehrlich: Verblutet war schon lange niemand mehr auf einem Con.

Wozu wurde der Todesstoß eingeführt? Damit weniger Leute sterben! Kein Witz. Tobi Putzo sagte: “Der Todesstoß war eine meiner schlechtesten Erfindungen”, als er einmal sich das ganze Elend angesehen hat, das dazu führte. Wieso sollten weniger Leute dadurch sterben? Zu der Zeit, als Tobi den Todesstoß “erfand” gab es Regeln, dass jemand stirbt, wenn er nicht innerhalb einer bestimmten Zeit behandelt wird. Das führte zu zu vielen ungewollten Charaktertoden auf dem Schlachtfeld und das wollte man nicht. Dem wollte man einen Riegel vorschieben, denn es gab genug NSCs, die zwar kämpfen wollten und auch spannende Kämpfe haben wollten, aber nicht gleich den Charakter ihres Mitspielers umbringen wollten. Doch das ging eben nicht.

Also wurde der Todesstoß eingeführt. Wer tatsächlich einen Charakter umbringen wollte, musste es also direkt ankündigen und ansagen. Das war zum einen als Hemmschwelle gedacht, zum anderen auch als Möglichkeit für andere Charaktere, den bedrohten Charakter zu retten. Denn natürlich sollte diese Aktion langsam und laut von statten gehen. Man konnte also alles mögliche machen: sich dazwischen werfen, die herabsausende Klinge parieren und solche Dinge. Eigentlich sollte er also dazu führen, dass weniger Charaktere sterben.

Wie es heutzutage genau ist, kann ich nicht sagen. Aber bereits zu meiner Zeit war das vollkommen entfremdet. So ein Fünkchen der Idee war noch da, aber sie war hauptsächlich nun dazu gedacht, Macht über andere Charaktere auszuüben – dabei war es ursprünglich dazu gedacht, diese wegzunehmen und abzumildern.

Kommen wir zurück zur Konsequenz – was durchaus auch unter LARPern immer mal wieder ein Thema ist. Den Hintergrund des Artikels von Jan habe ich mitbekommen, denn ich war zwar nicht beim Schreiben dabei, hatte nicht viel zu tun mit dem Jan, aber ich kannte ihn – habe mit ihm auf dem gleichen Shard gespielt, auch wenn seine Zeit ein wenig vor meiner dort war. Wir haben uns auf RL-Treffen gesprochen und nett unterhalten. Jan ist ein guter Spieler, ein netter Mensch und er hat viele interessante Gedanken und Ideen. Der Artikel war einer davon, aber mittlerweile ist das, was aus diesem Artikel entstanden ist, grotesk geworden. Ich habe den Jan trotzdem gerne gesehen, auch wenn er nicht zu  meinem engeren Spielkreis gehörte und ich ihn seit meiner Zeit damals auf besagtem Ultima-Online-Shard nicht mehr gesehen habe.

No one seems to care – well, I do!

Es ist wirklich schwierig für mich, ein Mittelding zu finden, wenn es um Engagement in Communities geht. Ich will mich einbringen und das mache ich dann auch mit Herzblut. Aber ebenso weiß ich mittlerweile, dass es nicht gut für mich ist und auch keinesfalls gesund. Denn ich mache mir sehr schnell sehr viele Gedanken und Sorgen und am Ende spüre ich plötzlich wieder ungeheuer viel Last auf meinen Schultern.

Im Star-Wars-RP habe ich es nun wieder vor ein wenig anders zu machen. Aber auch hier habe ich das Gefühl, dass man meine Einwürfe hin und wieder braucht. Daher will ich auch helfen und ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich manchen Stumpfsinn lese, den ich schon seit Jahren immer wieder lese.

Don’t spoil the kid

Verjähren Spoiler? Die Frage schoss mir nach einem recht harmlosen, witzig gemeinten Kommentar auf Facebook durch den Kopf, als jemand dieses Bild verlinkte und ich darunter schrieb: “Spoiler!” und er dann meinte: “Wenn es 1980 wäre.” Das stimmt in gewisser Weise und auch wenn ich normalerweise sehr allergisch auf Spoiler reagiere, in diesem Fall meinte ich es nicht ernst und die Sache mit Luke und Darth Vader – da kommt man echt kaum drumherum, gespoilt zu werden. Oder doch nicht?

Wenn ich daran zurückdenke, dass ich die Star Wars-Filme erst so im mittleren Teenie-Alter auf Sat.1 am Wochenende gesehen habe und bis dahin weder die Geschichte kannte, noch die ganzen familiären Verwicklungen, dann ist es doch irgendwie möglich. Das Problem ist also wohl doch nicht ganz so trivial, wie man meinen könnte.

Einerseits kann man durchaus erwarten, dass etwas, das es schon lange gibt, auch nicht mehr gespoilt werden kann. Aber trotzdem finde ich nicht, dass Spoiler verjähren. Trotzdem kann man immer noch ein wenig darauf achten, was und wie man es sagt – vielleicht nicht in dem Luke/Vader-Ding, aber auch wenn der Filme schon älter ist, muss ich trotzdem niemandem die Auflösung von den “Üblichen Verdächtigen” unter die Nase reiben, ich muss niemandem den Twist bei “Sixth Sense” vorher erklären oder auf diverse Sachen bei “Fight Club” hinweisen. Obwohl die Bücher schon älter sind, muss ich nicht das Ende von “Harry Potter and the half-blood Prince” verraten, was dort passiert und ich muss nicht verraten, wer am Ende von “Hamlet” alles noch lebt.

Sowas kann einem mal rausrutschen, man kann auch mal unachtsam sein und dann gibt es auch solche Sachen, die sogar ich nicht schlimm finde, wie das Vader/Luke-Bild, das einfach nur witzig ist und man versteht es sowieso erst so richtig, wenn man es bereits weiß. Von daher keine Gefahr bei dem Bild, aber dennoch ein netter Gedankenanstoß, ob Jahre wirklich etwas ausmachen oder Spoiler nicht einfach Spoiler bleibt.

Es ist zumindest nicht zu viel gefragt, kurz bevor man etwas essenziell Wichtiges ausplaudert oder eine Pointe verrät, kurz vorher einfach nachzufragen: “Würde ich dich spoilen, wenn ich jetzt weiter erzähle?” oder “Würde es dich stören…?” Das sind gerade maximal zehn Sekunden, wenn man sich Zeit lässt, aber zeugt von Respekt gegenüber seinem Mitmenschen. Ich denke, das sollte im täglichen Umgang miteinander drin sein, wenn einem seine Mitmenschen etwas wert sind, oder nicht? Egal, ob der Film nun schon ein paar Jahre älter ist (wie Star Wars) oder das Stück schon länger bekannt (wie Hamlet).

Man beraubt jemandem einfach seines ersten Seh-Erlebnisses. Mir ist sowas wichtig, denn ich will dieses unbefangene, dieses unwissende Gefühl beim ersten Sehen haben, denn das kommt nie wieder. Mag sein, dass es Menschen gibt, für die sowas nicht wichtig ist, für mich und einige andere Menschen schon.

So wirklich kann man also nicht sagen, ob Spoiler verjähren – es kommt immer auf die Menschen an, bei denen man sie macht. Aber nachfragen sollte eigentlich nicht schaden und ein wenig aufpassen, oder?

For eternity

Meine Neugierde ist doch zu verfluchen! Da habe ich mal wieder ein wenig zu einem meiner Lieblingsanimes “The Melancholy of Haruhi Suzumiya” im Internet nachgeschaut, obwohl ich ja noch die zweite Staffel nicht gesehen habe und schon wurde ich leicht gespoilt.

Ist das schlimm? Ich weiß es nicht und ich hoffe, ich habe mir dadurch den Genuss nicht zu sehr vermiest, aber nach dem, was ich da so gelesen habe, soll es wohl etwas ganz Fürchterliches geben. Ohne jetzt hier spoilen zu wollen, gebe ich nur das Stichwort: “Endless Eight”.

Schade, dass ich nicht mehr zu dem Moment zurück kann, um zu überprüfen, ob ich die Idee nicht kultig gefunden hätte, wenn ich den Wikipedia-Eintrag dazu nicht gelesen hätte. Aber vielleicht kann ich kleiner Trotzkopf mich trotzdem bemühen, das toll zu finden.

Aber wäre das nicht zu gekünstelt? Ich weiß es nicht. Aber das, was ich gelesen habe, lässt mich schaudern. Ich hoffe, ich täusche mich. Es ist doch Haruhi! Das kann nicht schlecht sein!

You had a temper…

Während meines Studiums war Gothic Literature eines meiner Spezialgebiete neben Gender Studies und amerikanische Kolonialzeit. Gerade Gender Studies und Gothic Literature war ungeheuer dankbar, wenn man es verband – so habe ich ein paar spannende Einsichten in “Wieland” gewonnen und auch meine Zwischenprüfung darüber geschrieben. Natürlich funktioniert es noch mehr, wenn man sich im englischen Raum die Bronte-Schwestern anschaut – so großartig! Ich liebe “Jane Eyre”!

Um so peinlicher aber fast, dass etwas sehr bizarr Postmodernes in der Richtung an mir vorbei gegangen ist bis vor ein paar Monaten. “Wuthering Heights” von Emily Bronte habe ich bisher nur in Ausschnitten gelesen, denn es gibt gerade im Bereich der Gothic Literature so viel, was man lesen könnte, dass dieser Klassiker bei mir bisher ein wenig hinten runter fiel. Aber jetzt habe ich ein altes Musikvideo entdeckt, das mir durchaus Lust gemacht hat, doch endlich mal die teilweise versäumte Lektüre nachzuholen.

Wovon rede ich? Kate Bushs postmodernes Gezappel – das Musikvideo zum Roman:

Allerdings muss ich sagen, so faszinierend und bizarr das wirkt, gefällt mir die modernere (also postpostmoderne) Version von Hayley Westenra deutlich besser. Da gibt es zwar nicht mehr den postmodernen Ausdruckstanz einer Kate Bush, aber das lenkt zu sehr vom eigentlich sehr schönen Lied und seinem tollen Text ab.

Bei Hayley Westenra kann ich mich vollkommen auf das Lied konzentrieren und außerdem finde ich, dass sie deutlich mehr Charisma besitzt als Kate Bush – ihre Fans werden mich dafür vermutlich steinigen, aber für mich wirkt sie einfach eher wie ein Autounfall, bei dem man ständig hinschaut, obwohl man sich dabei so ein wenig schmutzig fühlt.

Das Lied hat sich in den letzten Wochen jedenfalls zu einem mich ständig begleitenden Ohrwurm entwickelt. Ich verstehe es nicht so ganz, denn durch die hohen Töne versteht man den Text kaum. Aber trotzdem ist der Klang und vor allen Dingen die Atmosphäre des Liedes in beiden Versionen ganz eigen und faszinierend.

Merkwürdig, dass ich erst vor kurzem darüber gestolpert bin. Aber andererseits ist es immer wieder schön, wenn man plötzlich solche Momente hat, in denen einem etwas begegnet, das ganz neue Bilder bringt, ganz neue Assoziationen und einen inspiriert. Das ist, was das Leben ungemein bereichert.

Ich hatte schon häufiger Momente, meist nach unglaublich tollen Serien wie “Firefly” oder “The Melancholy of Haruhi Suzumiya”, dass man sich danach sagt: “So, das war es jetzt. Jetzt kann mich nichts mehr zum Erstaunen bringen, denn das war fantastisch!” Danach fühle ich mich dann immer ein wenig leer, als ob die Inspiration durch solche Sachen ausgebrannt hätte.

Aber es gibt dennoch weiterhin immer wieder diese Momente, in denen einem etwas Neues begegnet. Denn nach “Buffy” kam “Firefly” und dann kam “The Melancholy of Haruhi Suzumiya” oder “Lost” oder “Fringe” oder “Harry Potter” oder eben solche kleinen Momente wie einfache Musikvideos, die einen tief beeindrucken auf die eine oder andere Weise. Es ist ein so tolles Gefühl, wenn man merkt, dass es das eben nicht war – sondern immer weiter geht, weil es so viele tolle Sachen da draußen gibt, die einfach nur entdeckt werden wollen.

Find the crack

Wir sind am Wochenende mit der 2. Staffel von “Fringe” fertig geworden. Während der Cliffhanger am Ende der 1. Staffel zwar interessant, aber aushaltbar war, finde ich den von der 2. Staffel sehr fies. Nicht, dass ich ihn nicht habe kommen sehen, denn ich habe genau so etwas vermutet, aber… ich will, dass es aufgelöst wird!

Zumindest die Charakterbeziehungssache, die ich vor kurzem bejammert hatte, wurde einigermaßen aufgelöst – wenn auch natürlich nicht vollständig. Zum Glück, denn so bleibt noch genug Spannung drin, um die Charakterkonstellationen interessant zu halten. Auch in den letzten Folgen dreht es sich allerdings hauptsächlich um genau diese Charaktere und nicht (ich betone: nicht!) um den Plot.

Was mich so ungeheuer gefesselt hat, waren die Beziehungen der Charaktere untereinander, die Eigenheiten der Charaktere, die kleinen und größeren persönlichen Probleme und wie die Charaktere damit umgehen. Ja, natürlich gibt es einmal wieder Meta-Plot, aber das ist für mich wirklich nur der Hintergrund, vor dem das wirkliche Finale der 2. Staffel sich abspielte: Wie reagiert welcher Charakter?

Von daher kann ich die 3. Staffel kaum erwarten. Zwar mag ich alle Charaktere von “Fringe”, aber dass ausgerechnet dieser Charakter in so einer Lage nun ist? Das hat mich wirklich frustriert. Andererseits hat das so viel tolles Potenzial. Da freue ich mich echt drauf, denn wenn das aufgelöst wird… da verspreche ich mir so einiges davon.

“Fringe” ist einfach eine tolle Serie, die ich jedem wirklich nur ans Herz legen kann, wenn er toll geschriebene Charaktere, Charakterdrama und Mystery-Serien mag. Wobei ich da wirklich noch einmal betonen will, dass die Serie – zumindest für mich – hauptsächlich in den ersten beiden Punkten besticht und es daher so viel mehr als “Akte X” ist und sowieso eigentlich ganz anders, dass der Vergleich kaum zählt.

Außerdem ist die Serie einfach so toll verspielt und nimmt sich zwar so ernst, dass sie einfach episch ist, aber andererseits können sie auch über sich selbst lachen und sind einfach natürlich. Daher will ich an dieser Stelle ein besonderes Intro einer Folge zeigen, ohne zu spoilen. Um es aber zu verstehen, sollte ich sagen, dass diese Folge hauptsächlich in der Retrospektive gezeigt wird und in den 80ern spielt. Ich denke, dass das nicht all zu viel verrät. Aber so könnt ihr vielleicht verstehen, was ich mit dem “toll verspielt” meine – und dennoch so tief!

Zuerst das klassische Opening:

Und hier das besondere aus der Folge “Peter”:

Ich liebe dieses Musikstück des Openings einfach. Vergleicht bitte auch mal bei den beiden Openings die Textfragmente, die eingeblendet werden. So schlicht und dennoch so episch.

Call the Bishops

Am Wochenende haben wir wieder viel “Fringe” (2. Staffel) geschaut und ich nage mittlerweile an meinem Sofa bei jeder Folge, denn es wird immer schlimmer. Es gibt zwar natürlich immer noch Plot und Meta-Plot, was mir aber so ungeheuer gut gefällt und mich an den Rand der Verzweiflung treibt, sind die Beziehungen zwischen Walter, Peter und Olivia. Das ist großartige Schreibkunst!

Wie sehr einem die Charaktere doch ans Herz wachsen können und wie sehr man mit ihnen mitleidet und wie sehr doch der eigentlich Plot in den Hintergrund tritt und man eigentlich nur wissen will, wie das ganze Beziehungsgeflecht aufgelöst wird. Aber es wird nicht aufgelöst! Naja, doch ein wenig, aber nicht so, dass es gut ist, sondern dass man sich denkt: “Nein, nein, ich kann gar nicht hinsehen.”

Das ist Whedonismus pur: “Don’t give the audience, what they want, give them, what they need” – in Reinkultur! Ich will, dass das alles aufgelöst wird! Dass es wieder schön harmonisch weiter geht. Aber die Serie gibt mir das genaue Gegenteil! Und so sehr ich da mitleide, so sehr mich das frustriert und wirklich runterzieht – ich finde das verdammt toll. Das bewegt und so soll es doch auch sein!

“Fringe” ist einfach eine grandiose und vollkommen unterschätzte Serie. Ähnlich wie bei “Lost” geht es bei “Fringe” weniger um den Plot als vielmehr um die tollen Charaktere und die moralischen Situationen, in die sie gebracht werden; wenn auch nicht ganz so extrem wie bei “Lost”. Aber dafür ist “Fringe” viel, viel philosophischer und hintergründiger. Da, wo “Lost” mehr Charakterstudie pur ist, ist “Fringe” eher eine philosophische Parabel über Religion, Moral und Wissenschaft. Da das sowieso Sachen sind, die ich ungeheuer spannend finde, fängt die Serie mich natürlich genau an dem Punkt.

Wenn ihr “Fringe” noch nicht gesehen habt und ich euch vielleicht hin und wieder durch meine Blog-Beiträge neugierig gemacht habe, schaut die Serie nicht wegen der Mystery-Plots. Die sind in Ordnung und nicht schlecht – manche davon sogar echt gut. Achtet viel mehr auf die Charaktere und genießt die Serie mal aus der Perspektive. Ich wage zu behaupten, dass das ein absoluter Gewinn ist und denke, dass man viel häufiger Serien aus diesem Blickwinkel schauen sollte. Dann ärgert man sich auch viel weniger über mögliche (meist nur angebliche) Plotlöcher oder an den Haaren herbeigezogenen Plots. Bei einer guten Serie sind die Charaktere nämlich immer glaubwürdig.

Er wird es nicht wissen bis es zu spät ist

Gestern Nacht habe ich endlich “Assassin’s Creed: The Brotherhood” durchgespielt. Das Ende fand ich nicht ganz so gut, wie das Ende von “Assassin’s Creed 2”, aber dennoch wirklich stimmungsvoll. Es war einfach atmosphärischer und hat mich mehr mitgerissen, wie man versucht, in den Vatikan sich einzuschleichen, als dieses vorkämpfen auf die Mauer zu Cesare – auch war mir dann der Schluss mit Desmond ein wenig zu lang… und natürlich auch zu frustrierend. Trotzdem hat das Lust auf mehr und den dritten Teil gemacht.

Trotz dieser kleinen Kritik und meiner größeren, generellen Kritik an der Unfähigkeit zu Tutorials und der Erklärung diverser Spielelemente, ist Assassin’s Creed eine unglaublich großartige Spielereihe, die ich wirklich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann. Der erste Teil ist vielleicht noch ein wenig dürftig und wiederholend – hat mir aber auch bereits Spaß gemacht. Aber ab dem zweiten Teil und dem “Add-On” Brotherhood fühlt man sich wirklich wie ein Assassine. Es ist so großartig, wie man sich dort bewegen kann, wie man sich reinschleichen kann, was man für versteckte Waffen hat und so weiter; ich habe mich mehr als einmal an eines meiner Lieblingsspiele, den Ego-Schleicher “Thief: Dark Project”, erinnert gefühlt.

Während Athair, der Hauptcharakter aus dem ersten Teil, profillos und langweilig bleibt, ist Ezio aus dem zweiten Teil ein genialer Charakter, den ich sehr lieb gewonnen habe. Er ist gewitzt und stilvoll, aber dennoch nicht kalt. Er ist cool, aber nicht zu cool, dass ich es albern finde. So stelle ich mir einen Assassinen vor und gerade dieses Symapthische des Charakters hat es mir mehr als einmal sehr leicht gemacht, in bestimmten Szenen wirklich in den Charakter zu tauchen, mit ihm zu leiden und wenn dann etwas passiert, richtig verbissen vor der PS3 zu sitzen – beispielsweise als man den Verräter entdeckt, der schuld am Überfall der Borgias auf die Villa Auditore ist, diese geniale Musik anspringt und man dann ein Wettrennen mit diesem macht, um ihn zu Boden zu werfen und zu befragen. Das sind die Sachen, die ich an diesem Spiel geliebt habe – und so viel mehr.

Es ist einfach alles verdammt gut und verdammt liebevoll gemacht. Dass es mehrere Ebenen des Spiels gibt, einmal die Jetzt-Zeit und dann die Vergangenheit und die sogar in “Brotherhood” noch einmal in verschiedene Zeitebenen mit “Vorerinnerungen” (an Cristina) vielschichtiger wird, lässt natürlich den Post-Strukturalisten und Postmodernisten in mir vor Freude aufjauchzen. Das hat Tiefgang, das ist philosophisch, das ist ungeheuer fesselnd erzählt.

Mag sein, dass die Reihe irgendwann zur Cash-Cow verkommen wird, wenn sie jetzt wieder so schnell “Assassin’s Creed 3” raushauen, aber ganz ehrlich: Das ist mir egal. Wenn die Spiele weiterhin diese Qualität halten, wenn es weiterhin so fesselnd und mit Liebe zum Detail erzählt wird, wenn es weiterhin so spannend auch im Meta-Plot bleibt, dann dürft ihr mir das Geld aus der Tasche ziehen. Ich bezahle gerne für gute Arbeit und wenn ich verdammt gut unterhalten werde – und das werde ich in diesem Fall. Diese Spielreihe, vom ersten Teil bis jetzt zu “Brotherhood” war jeden verdammten Euro wert.

Requiescat in Pace

“Ich glaube, ich bin eigentlich fertig, ich brauche nur noch ein paar Kodex-Seiten”, sagte ich heute Nacht zu meiner Frau, als sie ins Bett ist und ich noch am “Assassin’s Creed 2” spielen war. Das war ein Trugschluss, dabei hatte es sich wirklich nach einem Ende angefühlt und so, dass die Sache mit den Kodex-Seiten nur noch ein Goodie/Bonus wäre, der mich natürlich aber noch reizte. Es hatte sich so nach Ende angefühlt: Es gab ein “finales” Attentat, es gab eine schöne Story-Schlusssequenz und ein wenig ausklingen.

Trotzdem brauchte ich noch ewig, um die letzten Kodex-Seiten zu finden; jedenfalls bin ich durch alle Städte gereist, habe die Karten minutiös abgesucht, aber immer wieder welche übersehen, so dass ich dreimal, viermal, fünfmal in den gleichen Städten und an den gleichen Orten war. Ich dachte, ich hätte etwas übersehen und müsste noch beim Kunsthändler Schatzkarten kaufen – dabei waren die Standpunkte alle auf meiner Karte, aber ich konnte sie nicht erkennen. Das ist einer der wenigen Punkte (neben dem Tutorial), die ich an Assassin’s Creed zu bemängeln habe: Die Kartensymbole sind fürchterlich unübersichtlich.

Dann war es soweit: Ich hatte alle Kodex-Seiten! Stolz wie Oskar und schon reichlich müde machte ich mich auf den Heimweg zu Leonardo, drückte ihm die Seiten in die Hand und erwartete die Abschlusssequenz. Es kam auch eine Sequenz, aber kein Abschluss. Was? Noch ein Rätsel? Na gut, das mache ich gerade noch, weil ich eine Vermutung habe, was es sein könnte! Das Rumschieben der Kodex-Seiten war aber auch nicht das einfachste, doch das gelang mir auch.

Es gab wieder eine Sequenz und ich dachte mir: “Jo, jetzt ist Schluss. Borgia ist ja immerhin der Gegner in Brotherhood und hier ist vermutlich das offene Ende.” Doch dann fragte mich das Spiel: “Wollen Sie nach Rom reisen?” Ich stutzte und dachte mir: “Jo, offenes Ende. Rom ist ja in Brotherhood. Aber den Abspann will ich sehen.” Also klickte ich “ja” – und das Spiel lädt und setzt mich in Rom vor dem Vatikan ab. Was?!

Ich stehe verdutzt unten und denke mir: “Okay, ich bin hundemüde, es ist 3 Uhr morgens, aber ich finde das gerade saucool.” Dank des Rätsels saß ich noch ganz dicht am Fernseher, um die Umrisse auf den Kodex-Seiten noch genauer zu erkennen und das war für den Abschluss des Levels im Vatikan wirklich toll. Ich war so tief im Spiel drin, ich kletterte die Mauern hoch, ich benutzte alle Assassinenfertigkeiten und schlich mich wie ein Schatten durch die Wachen, um dann kurz darauf hinter ihnen aufzutauchen und ihnen das Assassinenmesser stylish in den Rücken zu rammen – und im Hintergrund diese tolle Musik.

Das Spiel hatte mich tatsächlich auch von der Story in diesem Moment total gefesselt, so dass ich wie ein kleines Kind vor dem Fernseher saß und jubelte und grinste, während ich mich weiter zu Ezios Erzfeind vorkämpfte. Und was für tolle Sequenzen dabei waren! Sich durch einen Gang mit Mönchen an die Wachen heranschleichen, auf der Mauer des Vatikans mit einem Pferd den Feinden entgegenreiten, um sie dann umzumähen, sich in Heuhaufen verstecken, um die Wachen nacheinander auszuschalten, um dann am Schluss die Predigt zu unterbrechen und mich aus den Höhen der Kirche auf meinen Widersacher zu stürzen – die Charakterimmersion war wirklich toll und ich habe richtig mitgefiebert. Und das Spiel ging noch weiter. Ich glaube, ich war so gegen 4.30 Uhr erst im Bett.

Die Story ist großartig und so unglaublich postmodern und post-strukturalistisch. Da freut sich natürlich mein Philologenherz, denn das Spiel ist so tief! Auch philosophisch. Außerdem scheint es mir ungeheuer gut recherchiert. Es gibt so viele Sachen an Hintergrund im Spiel zu der Zeit, was ich mir gar nicht alles ansehen und durchlesen kann, weil mir dazu die Zeit fehlt; was ein Jammer ist, denn da steckt ungeheuer viel Arbeit drin. Aber ich bin absolut begeistert, wie bodenständig das Spiel wirkt, wie komplex es doch ist und wie übernatürlich passend dann doch plötzlich faszinierende Story-Elemente reinkommen, die dem Spiel noch mehr Tiefe geben – schon allein durch die doppelte Erzählebene mit der Geschichte um Desmond in der Gegenwart und den Auditores in der Vergangenheit.

Ich fand das Ende großartig und ich bin überrascht, wie sehr mir doch Ezio ans Herz gewachsen ist, denn eigentlich ist das so gar nicht mein Charakter. Ich finde solche Charaktere nicht schlecht, aber es sind nicht unbedingt solche Charaktere, mit denen ich mich identifizieren kann. Aber dennoch hat er was und ich bin schon ganz heiß auf “Assassin’s Creed: Brotherhood”. Ich will sehen, wie es weiter geht; auch was den Meta-Plot betrifft. Ich bin gespannt, was sie weiter daraus basteln und habe mir vor lauter Vorfreude eben noch einmal den Trailer angesehen, der mir einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen lässt.

Der Trailer ist toll, auch wenn ich finde, dass er bei 1.30 Minuten zu Ende sein sollte und er ein paar Sekunden zu lang geht, um richtig zu fetzen: