Trolle unter der Brücke – Online-Flames jetzt auch real?

Sascha Lobo sagt, die Welt wäre zum Onlineforum geworden und auch wenn sich das für mich nicht überraschend oder neu anfühlt, denke ich mir: Och, nö! Nicht weil ich die These abstrus finde. Ich würde sie gerne abwegig finden, aber sie scheint stimmig. Was ich bisher nur als Internettrolle kennengelernt habe, sehe ich täglich im Fernsehen und auf der Straße.

Gerade daher stöhne ich ja auf, denn bisher habe ich mich durchaus sicher gefühlt, wenn ich aus der Welt der Trolle oder Netzidioten einfach raus ans Tageslicht gegangen bin. Da war die Welt anders und Leute konnten sich nicht hinter Fake-News und Parallelwelten verstecken. Nicht immer. Aber man glaubte zumindest an ein Gefühl von Sicherheit, Freundlichkeit und Menschlichkeit. Keine Flamereien, keine Provokationen, keine Shitstorms. Na gut, das gab es auch früher schon. Aber es scheint wirklich auch abseits des Internets immer mehr und mehr zu werden, besonders weil diese Welten immer mehr miteinander verschmelzen.

Bisher wähnte ich mich nur in der scheinbaren Sicherheit außerhalb der Online-Welt, dass die ganzen Trolle zumindest in der Realität eine etwas andere Maske anlegen müssen und ihren Unsinn nicht einfach so in die Welt posaunen. Das ist nun wohl vorbei. Zugegeben, schon seit einiger Zeit, aber als ich den Artikel gelesen habe, wurde mir das erst so richtig bewusst.

We need equality… kind of now!

Aus aktuellem Anlass verlinke ich hier eine der besten Reden zu diesem Thema von meinem großen Idol. Es gibt theoretisch so viel mehr dazu zu sagen, so viel mehr Platitüden aus dem Weg zu räumen, so viele festgefahrene Ansichten umzukrempeln, aber das hier trifft in knapp 6 Minuten die Essenz all dessen sehr gut (beginnt richtig ab 2:00)

Da es in dem Video erwähnt wird: Leider durfte Joss Whedon nie seine Vision von Wonder Woman als Film transportieren: „We just saw different movies, and at the price range this kind of movie hangs in, that’s never gonna work. Non-sympatico. It happens all the time.“ (Joss Whedon)

Das ist so traurig vor diesem Hintergrund, denn in seiner Rede hat Joss Whedon gezeigt, warum er genau das geschafft hätte, was den Film so großartig hätte machen können: eine emanzipierte, aber glaubwürdige Superheldin zu zeichnen. Eine Vision, die sicherlich auch mal gegen den Strom schwimmt, die auch mal zeigt, dass Emanzipation nicht einfach nur platt durchgesetzt kann, dass Emanzipation nicht einfach dadurch funktioniert, dass man manche Zustände als „gleich“ definiert.

Ich bin mir sicher, nach dem bahnbrechenden Erfolg von Avengers gibt es da ein paar Leute, die sich kräftig ärgern. Denn das hätte ihr Erfolg sein können – mit Wonder Woman. Ja, sicherlich anders, denn Avengers waren mehr Superhelden und Wonder Woman wäre das eben nicht gewesen. Dennoch hat dieser Film gezeigt, was für ein Genie Joss Whedon ist und wie sehr er dieses Genre versteht und was er machen kann – wenn man ihn lässt.

Jeden einzelnen Satz von Joss Whedon aus der Rede da oben möchte ich ausnahmslos unterschreiben. Wer meine Position zu Emanzipation wissen will, der findet sie da oben – witziger und besser formuliert, als ich es je könnte. Danke, Joss.

The Raven

Es gibt Dinge, die sind einfach wunderschön. Eines dieser Dinge ist das Gedicht: „The Raven“. Poe gehört für mich sowieso zu den besten Schriftstellern, die es je gegeben hat. Viele seiner Kurzgeschichten haben mich tief berührt und inspiriert und erzeugen auch heute noch Bilder und Ideen in meinem Kopf. Das geht nicht nur mir so, denn nicht umsonst gibt es solche tollen CDs wie „Tales of Mysteries and Imagination“ vom Alan Parsons Project.

„The Raven“ ist eine sehr spannende Sache, die mir zwar schon immer gefallen hat, aber interessanterweise hatte ich gestern erst beim Einkaufen einen jener kostbaren Momente, in denen Theorie und Leben und Praxis plötzlich zusammenkommen und ich überhaupt die volle Tragweite dessen begriff, was überhaupt in dem Gedicht drin ist. Der erste Moment des Staunens war damals während meines Studiums, als in einer Ringvorlesung der gute Professor Lubbers auf der Bühne seine Vorlesung über Poe stoppte, um aus dem Gedächtnis aus dem Stand „The Raven“ zu zitieren. Das war so beeindruckend, dass der gesamte Saal still war, wie der alte Mann dort vorne mit Hingabe und Begeisterung Zeile um Zeile vortrug. In diesem Moment wurde mir erst bewusst, wie melodisch das Gedicht ist und was für eine komplizierte und faszinierende Rhythmik in ihm wohnt.

Kommen wir aber zu gestern beim Einkaufen, denn da schob ich gerade meinen Wagen mit den Einkäufen zum Auto, als ein Rabe über die Straße hoppelte. Ich schreibe bewusst „hoppelte“, denn irgendwas stimmte nicht. Dachte ich. Aber er hinkte nicht. Vielleicht war es auch normal. Er pickte auf dem Boden herum und krächzte, hüpfte weiter, krächzte. Wenn Leute kamen, beäugte er sie vorsichtig, hoppelte ein wenig weg, krächzte und pickte dann im Blumenkübel. Immer wieder krächzte er, als ob er den Menschen um ihn herum etwas sagen wollte.

Zufälligerweise war das alles direkt neben meinem Auto. Fasziniert beobachtete ich den Raben, während ich dann meine Einkäufe ins Auto packte. Er war ungewöhnlich nah, hatte scheinbar nicht viel Angst. Eher hatte ich Angst, dass er zu zutraulich ist und doch dann plötzlich den Hitchcock mit mir macht und mir die Augen rauspickt. Aber das passierte nicht. Er saß da, hoppelte ein wenig weiter, krächzte, hoppelte weiter, krächzte – als ob er sich mit mir unterhalten wollte.

Dann war ich fertig mit Einräumen und beobachtete ihn weiter. Er blickte zurück – und krächzte. Und dann musste ich an das Gedicht denken, denn war das nicht eine absolut ähnliche Situation? Da saß ein Rabe, der krächzte und der Mensch vor ihm dachte, er wollte ihm etwas sagen. Doch was? Nur ein Krächzen – sonst nichts mehr. Oder doch? Da ich vorher mir Gedanken machte, was das sollte, fühlte ich mich auch wieder an diverse Strophen erinnert, in der das lyrische Ich in dem Gedicht versucht, das Krächzen mit seiner verstorbenen Frau verzweifelt zu verbinden.

War genau so ein Moment das, was den Funken in Poes Kopf entspringen ließ? Na gut, vielleicht nicht genau so ein Moment, denn er hatte mit Sicherheit kein Auto und kam gerade nicht aus dem Real. Aber ich fand den Gedanken amüsant – und schön. Irgendwie machte alles noch viel mehr Sinn auf einmal und die Bedeutung des Gedichts multiplizierte sich für mich, denn neue Eindrücke und neue Assoziationen entstanden automatisch. Eigentlich ja egal, wie Poe dazu kam und was er damit wollte. Aber allein diese Gedanken fand ich ungeheuer spannend und bereichernd.

Sicherlich ist das Gedicht mehr und hat mehr Inhalt, denn es hat auch dieses Todesthema, die Verzweiflung, Liebe, Leiden, Lethargie, Sterben und viel mehr. Das ist mehr als nur ein Rabe, den man nicht versteht, der aber sich lebhaft mit einem… unterhält. In diesem Moment aber war ich so nahe an dem Gedicht auch in Wirklichkeit wie noch nie; wenigstens mit einem Teilaspekt.

Die ganze Heimfahrt hatte ich die Strophen des Gedichts im Kopf. Denn auch ich kann einen guten Teil auswendig – nicht alle, dafür ist das Gedicht zu lang. Aber zumindest die ersten Strophen gingen mal. Mittlerweile dank fehlender Übung dürfte es wohl nur noch die erste werden.

Zu Hause angekommen suchte ich nach einem Video, das ich vor langer Zeit hier einmal verlinkt hatte, in dem einer meiner Lieblingsschauspieler eines meiner Lieblingsgedichte zitiert: Vincent Price rezitiert „The Raven“ – etwas besseres gibt es kaum. Das wollte ich daher nach dieser kleinen Anekdote mit euch teilen. Es gibt kaum etwas Schöneres, wie ich finde und ich komme aus dem Schwärmen kaum noch heraus.

Viel Spaß:

Achtet auf die Rhythmik, auch auf die Mimik und das Vortragen von Vincent Price. Die Worte, die Rhythmik, die Atmosphäre, die Stimme… alles formt sich zu einem Meisterwerk zusammen. Vincent Price! Einer der größten Schauspieler, wie ich finde. Das berührt meine Seele und wenn ich da zuhöre, dann weiß ich genau, warum ich Amerikanistik studiert habe und was an all dem so toll ist und was in der Welt so großartig da draußen ist und warum ich mehr und mehr davon will.

Diese Freude, diese Leidenschaft, die mag ich vermitteln und auch Anderen zeigen und ihnen die Tür zu genau diesem Spaß öffnen.

We can fix this!

Jetzt sind wir auch mit der dritten Staffel von „Fringe“ durch und obwohl es zwischendurch hier und da sogar mal ein paar Stellen gab, die mir nicht ganz so gut gefallen haben, war ich größtenteils gut unterhalten und die Staffel hat mich an vielen Stellen bewegt und mitgerissen. Besonders die hervorragende Leistung aller Schauspieler beim Darstellen der Alter-Egos oder auch der zukünftigen oder vergangenen Egos – großartig! Das hat mich sehr beeindruckt.

Gerade auch Joshua Jackson, den ich eigentlich sehr mag, von dem ich aber bisher dachte, dass er nicht viel anderes als Pacey Whitter aus „Dawson’s Creek“ spielen kann, denn Peter Bishop ist eigentlich nichts anderes als Pacey beim FBI. Aber gerade in der letzten Folge gab es einige Momente, wo ich mir gedacht habe: „Da solltest du deine Meinung vielleicht doch revidieren.“

Ich finde es wirklich toll, wie mutig Abrams bei seinen Serien „Lost“ und auch „Fringe“ von Staffel zu Staffel Richtung und Gangart ändert und freue mich gerade daher auf die vierte Staffel, denn er hat sich jetzt am Ende in eine wunderschöne Ausgangslage gebracht. Eigentlich hatte ich nämlich etwas anderes erwartet, das zwar auch hätte Spaß machen können, aber dieser Schluss… großartig! Wenn er das so weiterführt, wie ich es hoffe, dann ist da so viel Potenzial, so viel Spannung, so viel Epik drin, dass ich es kaum erwarten kann, bis die nächste Staffel bei mir zu Hause eintrudelt.

Bei „Fringe“ genieße ich es, wie toll die Charaktere skizziert sind – kleine Gesten, stille Szenen, das alles unterstreicht die Charaktere. Es geht sicherlich auch um den Plot, aber ähnlich wie „Lost“ dreht sich „Fringe“ weniger um Plot oder Meta-Plot, sondern um die herausragenden Charaktere. Der Plot ist nur Hintergrund, vor dem die Figuren philosophische Probleme bewältigen müssen, moralische Entscheidungen treffen und irgendwie versuchen, menschlich zu bleiben.

Alles in allem ist das etwas, das Abrams mit Joss Whedon gemein hat. Gestern wollte ich zu meiner Frau fast sagen, dass der Unterschied zwischen beiden ist, dass Joss Whedon positiver ist. Doch das ist ein Trugschluss, wie ich gemerkt habe. Dadurch, dass Joss Whedon mehr Witze macht, wirkt es so. Aber eigentlich sind sämtliche Joss-Whedon-Serien viel pessimistischer. Denn dort ist wirklich keine Rettung in Sicht und die Charaktere versuchen es trotzdem – auch wenn sie wissen, dass es keinen Sinn hat. Oder um es mit einem meiner Lieblingszitate aus Angel zu sagen: „If nothing we do matters, all that matters is what we do.“ Bei Joss Whedon kann das böse Ende nicht abgewehrt werden. Wichtig ist bei ihm aber, dass man trotzdem „richtig“ handelt, zu sich selbst stehen kann und füreinander da ist. Das ist für mich die Grundbotschaft in nahezu allen seinen Serien. Es ist eine zutief pessimistische Einstellung.

Bei Abrams ist es anders, wie ich auch schon bei „Lost“ das Gefühl hatte. Da ist wirklich alles extrem mies und es sieht absolut schlimm aus, aber trotzdem können die Charaktere es irgendwie rumreißen – oder probieren es zumindest. Abrams hört häufig viel positiver aus, selbst wenn es schlecht ausgeht. Bei ihm schwingt viel mehr Hoffnung mit, dass es eben doch einen Unterschied gemacht hat – denn bei Abrams kann dieser Unterschied gemacht werden, selbst im Stillen. Irgendeine Auswirkung hat es immer auf die Umgebung. Bei Joss Whedon bleibt dies alles in den Charakteren nur.

Diese Hoffnung kann man sehr schön an dem Opening der letzten Staffel sehen. Schaut mal auf die Begriffe, die da reinzoomen, die bei diesem Opening wieder anders sind, wie immer, wenn es in einer anderen Zeit oder Welt spielt. Bei „Fringe“ werden in dem Opening nämlich immer die typischen Themen diese Zeit oder Welt eingeblendet. Witzig ist da natürlich das „Water“, aber am epischsten fand ich die Einblendung: „Hope“. Großartig!

Allein dieses Opening war so episch und hat mir eine solche Gänsehaut verursacht beim Schauen, dass die letzte Folge der dritten Staffel für mich ein absolutes Highlight war. Glaubwürdige Weiterentwicklung der Charaktere, spannende Wendungen, beunruhigende, aber faszinierende Ausblicke – diese Folge hatte alles!

Das ist zumindest ein Gedankengang, der mir gestern Abend nach Ende der dritten „Fringe“-Staffel gekommen ist, den ich ganz faszinierend fand. Ich freue mich jedenfalls tierisch auf die vierte Staffel und hoffe, dass es weiterhin so stark bleibt. Die dritte habe ich größtenteils wieder extrem genossen. Ich liebe diese Serie!

Wie ihr wünscht…

Es gibt viele Gedanken darüber, was „wahre Liebe“ ist. In den Medien und Filmen wird es hoch stilisiert, viele rennen ein Leben lang ihr hinterher und sind immer unzufrieden. Denn da hängt einfach ein Bild unerreichbar über einem und wenn man es vergleicht mit dem, was um einen ist, dann ist es… anders.

Um so schöner finde ich es, wenn man ein paar nette Einsichten darüber erhält. Interessanterweise finde ich solche Sachen wo? In Komödien! Das ist doch eigentlich absurd, oder? Oder doch nicht? Wenn ich mir ein „Besser Geht’s Nicht“ ansehe, dann ist das einer der schönsten und romantischsten Filme, die ich kenne. Wieso? Weil er Denkmuster durchbricht – gerade durch die komödiantische Brechung. Das ist ungeheuer spannend und wahr.

Wie komme ich darauf? Heute morgen habe ich mal wieder eine dieser üblichen elenden Werbungen gesehen: „Architekt sucht wahre Liebe“ – und ich musste nur schmunzeln und an meine Frau denken und was für ein Glück ich habe. Dann begann ich ein wenig zu überlegen und musste an eine Folge von „How I met your mother“ vom letzten Wochenende denken, die wir da gesehen haben.

Einer der Nebenplots war Marshall, der einen Brief an sein zukünftiges Selbst geschrieben hat. Verdammt komisch, aber so romantisch und wahr, wie die Auflösung ist. Sowieso sind Marshall und Lily einfach so ein schönes Paar und ich erkenne da so viel wieder. Das zeigt es! So absurd es ist! Keine Oskarverfilmung, sondern eine Sit-Com! Ohne wirklich spoilern zu wollen, nur gerade den Moment zu erklären: Marshall liest einen Brief, den er als Teenager an sich mit 30 geschrieben hat – und liest den Brief. Und erkennt viele Sachen, die er doch nicht gemacht hat. Er wird frustriert und versucht dies und jenes. Darauf will ich nicht genauer eingehen, damit ihr auch noch Spaß daran haben könnt. Am Ende jedoch…

Spoiler-Cut!

Lost in series

Heute wäre eigentlich Ponytag, aber dann habe ich überlegt, was ich heute in dem Bereich schreiben sollte und dann fiel mir auf: Nein, ich muss nicht auf Zwang unbedingt was zu Ponies schreiben, wenn ich nicht will. Das ist nicht schlimm oder schlecht oder bedeutet, dass ich die Serie nicht mehr mag. Aber heute will ich einfach über etwas anderes schreiben, nämlich einmal wieder über „Fringe“. Kein Wunder eigentlich, denn am Wochenende schauen meine Frau und ich zur Zeit wieder die dritte Staffel.

Während ich letzte Woche durchaus wieder von der Serie angetan war nach einer kurzen Pause, aber dennoch so meine kleinen Problemchen mit einem Plot-Twist hatte, haben die beiden Folgen heute mich wirklich wieder extrem mitgerissen. Das war großartig!

Spoiler-Cut! 

Don’t spoil the kid

Verjähren Spoiler? Die Frage schoss mir nach einem recht harmlosen, witzig gemeinten Kommentar auf Facebook durch den Kopf, als jemand dieses Bild verlinkte und ich darunter schrieb: „Spoiler!“ und er dann meinte: „Wenn es 1980 wäre.“ Das stimmt in gewisser Weise und auch wenn ich normalerweise sehr allergisch auf Spoiler reagiere, in diesem Fall meinte ich es nicht ernst und die Sache mit Luke und Darth Vader – da kommt man echt kaum drumherum, gespoilt zu werden. Oder doch nicht?

Wenn ich daran zurückdenke, dass ich die Star Wars-Filme erst so im mittleren Teenie-Alter auf Sat.1 am Wochenende gesehen habe und bis dahin weder die Geschichte kannte, noch die ganzen familiären Verwicklungen, dann ist es doch irgendwie möglich. Das Problem ist also wohl doch nicht ganz so trivial, wie man meinen könnte.

Einerseits kann man durchaus erwarten, dass etwas, das es schon lange gibt, auch nicht mehr gespoilt werden kann. Aber trotzdem finde ich nicht, dass Spoiler verjähren. Trotzdem kann man immer noch ein wenig darauf achten, was und wie man es sagt – vielleicht nicht in dem Luke/Vader-Ding, aber auch wenn der Filme schon älter ist, muss ich trotzdem niemandem die Auflösung von den „Üblichen Verdächtigen“ unter die Nase reiben, ich muss niemandem den Twist bei „Sixth Sense“ vorher erklären oder auf diverse Sachen bei „Fight Club“ hinweisen. Obwohl die Bücher schon älter sind, muss ich nicht das Ende von „Harry Potter and the half-blood Prince“ verraten, was dort passiert und ich muss nicht verraten, wer am Ende von „Hamlet“ alles noch lebt.

Sowas kann einem mal rausrutschen, man kann auch mal unachtsam sein und dann gibt es auch solche Sachen, die sogar ich nicht schlimm finde, wie das Vader/Luke-Bild, das einfach nur witzig ist und man versteht es sowieso erst so richtig, wenn man es bereits weiß. Von daher keine Gefahr bei dem Bild, aber dennoch ein netter Gedankenanstoß, ob Jahre wirklich etwas ausmachen oder Spoiler nicht einfach Spoiler bleibt.

Es ist zumindest nicht zu viel gefragt, kurz bevor man etwas essenziell Wichtiges ausplaudert oder eine Pointe verrät, kurz vorher einfach nachzufragen: „Würde ich dich spoilen, wenn ich jetzt weiter erzähle?“ oder „Würde es dich stören…?“ Das sind gerade maximal zehn Sekunden, wenn man sich Zeit lässt, aber zeugt von Respekt gegenüber seinem Mitmenschen. Ich denke, das sollte im täglichen Umgang miteinander drin sein, wenn einem seine Mitmenschen etwas wert sind, oder nicht? Egal, ob der Film nun schon ein paar Jahre älter ist (wie Star Wars) oder das Stück schon länger bekannt (wie Hamlet).

Man beraubt jemandem einfach seines ersten Seh-Erlebnisses. Mir ist sowas wichtig, denn ich will dieses unbefangene, dieses unwissende Gefühl beim ersten Sehen haben, denn das kommt nie wieder. Mag sein, dass es Menschen gibt, für die sowas nicht wichtig ist, für mich und einige andere Menschen schon.

So wirklich kann man also nicht sagen, ob Spoiler verjähren – es kommt immer auf die Menschen an, bei denen man sie macht. Aber nachfragen sollte eigentlich nicht schaden und ein wenig aufpassen, oder?

You had a temper…

Während meines Studiums war Gothic Literature eines meiner Spezialgebiete neben Gender Studies und amerikanische Kolonialzeit. Gerade Gender Studies und Gothic Literature war ungeheuer dankbar, wenn man es verband – so habe ich ein paar spannende Einsichten in „Wieland“ gewonnen und auch meine Zwischenprüfung darüber geschrieben. Natürlich funktioniert es noch mehr, wenn man sich im englischen Raum die Bronte-Schwestern anschaut – so großartig! Ich liebe „Jane Eyre“!

Um so peinlicher aber fast, dass etwas sehr bizarr Postmodernes in der Richtung an mir vorbei gegangen ist bis vor ein paar Monaten. „Wuthering Heights“ von Emily Bronte habe ich bisher nur in Ausschnitten gelesen, denn es gibt gerade im Bereich der Gothic Literature so viel, was man lesen könnte, dass dieser Klassiker bei mir bisher ein wenig hinten runter fiel. Aber jetzt habe ich ein altes Musikvideo entdeckt, das mir durchaus Lust gemacht hat, doch endlich mal die teilweise versäumte Lektüre nachzuholen.

Wovon rede ich? Kate Bushs postmodernes Gezappel – das Musikvideo zum Roman:

Allerdings muss ich sagen, so faszinierend und bizarr das wirkt, gefällt mir die modernere (also postpostmoderne) Version von Hayley Westenra deutlich besser. Da gibt es zwar nicht mehr den postmodernen Ausdruckstanz einer Kate Bush, aber das lenkt zu sehr vom eigentlich sehr schönen Lied und seinem tollen Text ab.

Bei Hayley Westenra kann ich mich vollkommen auf das Lied konzentrieren und außerdem finde ich, dass sie deutlich mehr Charisma besitzt als Kate Bush – ihre Fans werden mich dafür vermutlich steinigen, aber für mich wirkt sie einfach eher wie ein Autounfall, bei dem man ständig hinschaut, obwohl man sich dabei so ein wenig schmutzig fühlt.

Das Lied hat sich in den letzten Wochen jedenfalls zu einem mich ständig begleitenden Ohrwurm entwickelt. Ich verstehe es nicht so ganz, denn durch die hohen Töne versteht man den Text kaum. Aber trotzdem ist der Klang und vor allen Dingen die Atmosphäre des Liedes in beiden Versionen ganz eigen und faszinierend.

Merkwürdig, dass ich erst vor kurzem darüber gestolpert bin. Aber andererseits ist es immer wieder schön, wenn man plötzlich solche Momente hat, in denen einem etwas begegnet, das ganz neue Bilder bringt, ganz neue Assoziationen und einen inspiriert. Das ist, was das Leben ungemein bereichert.

Ich hatte schon häufiger Momente, meist nach unglaublich tollen Serien wie „Firefly“ oder „The Melancholy of Haruhi Suzumiya“, dass man sich danach sagt: „So, das war es jetzt. Jetzt kann mich nichts mehr zum Erstaunen bringen, denn das war fantastisch!“ Danach fühle ich mich dann immer ein wenig leer, als ob die Inspiration durch solche Sachen ausgebrannt hätte.

Aber es gibt dennoch weiterhin immer wieder diese Momente, in denen einem etwas Neues begegnet. Denn nach „Buffy“ kam „Firefly“ und dann kam „The Melancholy of Haruhi Suzumiya“ oder „Lost“ oder „Fringe“ oder „Harry Potter“ oder eben solche kleinen Momente wie einfache Musikvideos, die einen tief beeindrucken auf die eine oder andere Weise. Es ist ein so tolles Gefühl, wenn man merkt, dass es das eben nicht war – sondern immer weiter geht, weil es so viele tolle Sachen da draußen gibt, die einfach nur entdeckt werden wollen.

Wie war dein 29. März in Rift?

„Liebe Freunde, da hilft alles nix. Da müssen wir drüber reden! Ich habe einen solchen Hals! Sie machen sich keine Vorstellung – ich bin geladen bis hinten hin. Ja, es ist die… Dummheit mancher Leute, die ist wirklich nicht mehr zu übertreffen. Damit meine ich jetzt nicht Sie. Da gibt es offensichtlich Gazetten, Bücherschreiber und ähnliches, die immer wieder gutgläubige Menschen so richtig schön ins Bockshorn jagen können. Und das allerschlimmste ist, man kann dagegen anreden, wie man will. Ich meine, ich probier’s jetzt noch einmal, damit Sie natürlich als Meinungsmultiplikatoren demnächst da weiterreden. Es gibt ja Sachen, das ist unglaublich – das ist unglaublich! Ich meine… gut, fangen wir vorne an.“ (Harald Lesch)

Heute muss ich mal ein ernstes Wörtchen mit euch reden – zumindest ein paar von euch dort draußen. Vermutlich liest von denen keiner hier in meinem Blog mit, aber dennoch muss ich es mir von der Seele schreiben und habe das gute Gefühl, dass zumindest ihr, die ihr das hier lesen werdet, nur zustimmend nicken werdet und das mitfühlen könnt.

Worum geht es? Um nichts Geringeres als: den Weltuntergang! Ach, nein, ich meinte ja diesen Link hier. Also gut, noch einmal von vorne, denn genauso wie Harald Lesch kann ich da langsam nicht mehr und steigere ich mich bestimmt wieder rein. Aber die Dummheit der MMO-Spieler ist unglaublich.

Wisst ihr, was da war gestern? Da hat ein Spieler abends geschlagene zwölf Minuten (12 Minuten!) auf sein Battelground warten müssen. Und was macht er? Er posaunt es gleich mit der nächsten Weltuntergangstheorie ins Forum. Aber wisst ihr, was gestern auch noch war? Nicht genau gestern, aber so um den Dreh herum passt das jetzt zeitlich: Rift ist einen Monat draußen. Und wisst ihr, was das heißt? Genau! Der Freimonat ist vorbei! Himmelarschundzwirn!

Natürlich gehen dann die Zahlen erst einmal runter. Aber ganz ehrlich, 12 Minuten auf ein BG warten ist nun auch nicht die Welt. Aber selbst wenn das so schlimm wäre, das ist der normale Lauf der Dinge, dass die Leute sich ein MMO holen, das einen Monat anspielen und dann nie wieder anrühren. So sind sie eben – die MMO-Nomaden von heute. Daher kann ich auch jedem nur raten, im ersten Monat sehr vorsichtig mit den Leuten zu sein, denn da hat man viele Blender und Wirbler, die so ungeheuer aktiv sind, aber man hört nichts mehr von ihnen.

Call the Bishops

Am Wochenende haben wir wieder viel „Fringe“ (2. Staffel) geschaut und ich nage mittlerweile an meinem Sofa bei jeder Folge, denn es wird immer schlimmer. Es gibt zwar natürlich immer noch Plot und Meta-Plot, was mir aber so ungeheuer gut gefällt und mich an den Rand der Verzweiflung treibt, sind die Beziehungen zwischen Walter, Peter und Olivia. Das ist großartige Schreibkunst!

Wie sehr einem die Charaktere doch ans Herz wachsen können und wie sehr man mit ihnen mitleidet und wie sehr doch der eigentlich Plot in den Hintergrund tritt und man eigentlich nur wissen will, wie das ganze Beziehungsgeflecht aufgelöst wird. Aber es wird nicht aufgelöst! Naja, doch ein wenig, aber nicht so, dass es gut ist, sondern dass man sich denkt: „Nein, nein, ich kann gar nicht hinsehen.“

Das ist Whedonismus pur: „Don’t give the audience, what they want, give them, what they need“ – in Reinkultur! Ich will, dass das alles aufgelöst wird! Dass es wieder schön harmonisch weiter geht. Aber die Serie gibt mir das genaue Gegenteil! Und so sehr ich da mitleide, so sehr mich das frustriert und wirklich runterzieht – ich finde das verdammt toll. Das bewegt und so soll es doch auch sein!

„Fringe“ ist einfach eine grandiose und vollkommen unterschätzte Serie. Ähnlich wie bei „Lost“ geht es bei „Fringe“ weniger um den Plot als vielmehr um die tollen Charaktere und die moralischen Situationen, in die sie gebracht werden; wenn auch nicht ganz so extrem wie bei „Lost“. Aber dafür ist „Fringe“ viel, viel philosophischer und hintergründiger. Da, wo „Lost“ mehr Charakterstudie pur ist, ist „Fringe“ eher eine philosophische Parabel über Religion, Moral und Wissenschaft. Da das sowieso Sachen sind, die ich ungeheuer spannend finde, fängt die Serie mich natürlich genau an dem Punkt.

Wenn ihr „Fringe“ noch nicht gesehen habt und ich euch vielleicht hin und wieder durch meine Blog-Beiträge neugierig gemacht habe, schaut die Serie nicht wegen der Mystery-Plots. Die sind in Ordnung und nicht schlecht – manche davon sogar echt gut. Achtet viel mehr auf die Charaktere und genießt die Serie mal aus der Perspektive. Ich wage zu behaupten, dass das ein absoluter Gewinn ist und denke, dass man viel häufiger Serien aus diesem Blickwinkel schauen sollte. Dann ärgert man sich auch viel weniger über mögliche (meist nur angebliche) Plotlöcher oder an den Haaren herbeigezogenen Plots. Bei einer guten Serie sind die Charaktere nämlich immer glaubwürdig.