Labyrinth

Es gibt in der Nähe meiner Wohnung einen Kreisel – mit Ampeln. Ich frage mich immer noch, wann manche mal merken, dass ein Kreisel mit Ampel genauso ist, wie wenn ich ein Fahrrad mit Stützrädern baue. Aber gut, die Ampeln sind nicht das Problem. Das Problem ist die Fahrbahnmarkierung, denn es ist ein Kreisel mit zwei Spuren.

Normalerweise denkt man sich: Alle Spuren bleiben im Kreisel, besonders wenn nach einer Ampel die zweite Spur weiter geführt wird. Doch hier ist es anders, denn da muss (ja, muss!) die rechte Spur abbiegen, obwohl man auch einfach im Kreisel nach der Ampel bleiben könnte, denn davor hat er zwei Spuren und danach auch.

Das wusste ich anfangs nicht und da die Autos auf der Straßenmarkierung normalerweise stehen, denkt man nicht dran. Intuitiv würde vermutlich jeder sagen, dass man im Kreisel bleiben kann. Ich wurde sogar mal von einem Nachbarn ein wenig unhöflich darauf hingewiesen, der hinter mir gefahren war, dass ich quasi ein „Verkehrsraudi“ wäre, weil ich im Kreisel blieb; dabei wusste ich einfach nicht, dass man das nicht durfte. Seither habe ich das nicht gemacht und bin immer auf der linken Spur gefahren, wenn ich im Kreisel bleiben wollte.

Aber wie ich letztes Wochenende herausgefunden habe, bin ich nicht allein mit diesem Unwissen. Denn neben mir fuhr ein Polizeiwagen. Wir hielten an der Ampel an und ich blickte noch nach rechts und war gespannt, was der Polizeiwagen macht. Die Ampel schaltete auf grün, wir beide fuhren los und der Polizeiwagen blieb im Kreisel. Bingo.

The Frighteners

Am Freitag hatte ich ein Erlebnis, der vorhersehbaren Art: Ich bin auf der Autobahn und hinter mir drängelt jemand mit Lichthupe und links und rechts fahren – wie man es so kennt. Der Witz war, dass es zähflüssiger Verkehr war, ich also nicht wirklich viel schneller fahren konnte, ohne meinem Vordermann in den Kofferraum zu kriechen. Aber da mir der weiße Wagen hinter mir auf den Keks bin, wechselte ich die Spur und ließ ihn vor mich.

Da war er dann auch sicherlich geschlagene zehn Minuten – er kam also ähnlich wenig an den Autos vor mir vorbei wie ich. Aber das Drängeln musste ja sein und er führte es auch schön konsequent weiter: Fuhr auf die rechte Spur, versuchte zu überholen, klappte nicht, dann die linke Spur, klappte auch nicht, auf der gleichen Spur immer mal wieder links und rechts. Irgendwann verlor ich ihn dann wirklich aus den Augen, denn irgendwie gelang es ihm dadurch, sich vorzudrängeln. Ich hätte ihm am liebsten noch ein: „Das wird noch böse enden“ mit auf den Weg gegeben.

Ungefähr eine halbe Stunde später kam es zum Stau. Also richtig „Stau“ – so mit „es geht nichts mehr voran für fünf Minuten“. Mein Navi zeigte mir an: „2 km, stehender Verkehr – Spuren gesperrt“. In der Mitte fuhren dann auch irgendwann ein ADAC-Wagen vorbei und später dann ein Abschleppwagen. Ich stand eine geschlagene dreiviertel Stunde in diesem Stau und als ich an das Ende kam, ratet mal, was ich da sah: Ein Kleintransporter lag im Graben, lauter Kleidungsstücke, die er geladen hatte, im Gras daneben und auf dem Abschleppwagen stand ein weißer Wagen, vollkommen ramponiert.

Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es wirklich genau das Auto war, aber Farbe und Größe und Fahrweise könnten erschreckend zusammenpassen. Die Feuerwehr stand noch drumherum, nur ein wenig irritierte mich, dass bei dem Zustand des ramponierten Wagens kein Krankenwagen da war. Entweder der war von der anderen Seite gekommen und schon weg oder es war sowieso hoffnungslos.

Eigentlich sollte ich in diesem Moment schadenfroh sein und ich muss gestehen, als dieser Depp hinter mir drängelte und sich vorschlängelte, dachte ich mir noch: „Na, hoffentlich wirst du geblitzt und von der Polizei rausgezogen!“ Aber das? Nein, so richtig schadenfroh kann ich da nicht sein. Ich bin nur erschüttert und traurig über die Dummheit der Menschen und dass sowas Auto fahren darf – oder durfte.

I’m alive!

Mein Auto funktioniert wieder und es musste zum Glück nur der Bremssattel ausgetauscht werden, so dass sich die Kosten noch in Grenzen hielten. Spannend fand ich jedoch, dass wohl gefragt wurde, ob das Auto hauptsächlich für den Straßenverkehr benutzt wurde, weil man dort nicht ganz so stark abbremst und dadurch die Bremse eher mal verrosten kann.

Zwar benutze ich das Auto in erster Linie zum Wochenend-Pendeln und damit auf der Autobahn, allerdings bin ich ein sehr sanfter Fahrer, lasse das Auto gerne ausrollen und bremse eher kontrolliert und vorausschauend als ruckartig. Das scheint eher nicht so gut für die Bremsen zu sein. Da habe ich nun was gelernt und werde in Zukunft eher mal drauf schauen. Auch wenn ich es ein ganz schön bescheuertes Design finde, dass ich die Bremse wohl immer mal wieder so richtig durchtreten muss, damit sie nicht kaputt geht.

Keine Ahnung, ob das nun stimmt oder nicht, ich werde auf jeden Fall ein Auge drauf haben.

Pit Stop

Als ich am Freitag die letzten Kilometer nach Frankfurt reinfuhr, bremste ich und hörte ein merkwürdiges Geräusch im Auto. So richtig ausmachen konnte ich es nicht, also fuhr ich ganz normal weiter, bis dann bei der nächsten Ampel aus dem merkwürdigen Geräusch ein unangenehmes Geräusch wurde – das immer schlimmer wurde. Es klang so ein wenig als ob Metall auf Metall geht und bei jedem Bremsen zuckte ich innerlich zusammen und dachte, dass mir gleich das Auto zusammenbricht – wobei es auch nicht immer beim Bremsen knirschte. Die letzten Meter schaffte ich dann doch noch, obwohl ich schon Schiss hatte, einen Kilometer vor dem Ziel auf der Straße zu liegen und eine Stunde auf den ADAC warten zu dürfen.

Am nächsten Morgen ging es dann los – erst einmal Werkstattsuche. Zum Glück gab es in der Nähe einen ATU, der geöffnet hatte, bei dem ich sofort anrief. Ich wurde weiter verbunden und kam dann wohl beim Kfz-Mechaniker heraus, der fragte, was es ist. Es gab ein kurzes Gespräch, bei dem ich dank des pampigen Tonfalls des Mechanikers, am liebsten direkt wieder aufgelegt hätte. Aber ich wollte ja, dass mein Auto wieder geht, also schluckte ich es herunter und wir machten uns auf den Weg.

Blind spot

Manchmal verstehe ich die Menschen nicht. Ich schreibe nun nicht Fußgänger, denn wenn ich selbst Fußgänger bin, verstehe ich auch viele Autofahrer nicht. Das gehört immerhin nicht zu einer bestimmten Gruppe wie Autofahrern oder Fußgängern oder Radfahrern – ich glaube, das Problem ist einfach ein bestimmter Schlag Menschen.

Kann mir jemand mal erklären, warum es so viele Leute gibt, die mit einer suizidiösen Ruhe über eine Straße gehen ohne links und rechts zu schauen? Oder bei Parkplätzen an einem ausparkenden Auto vorbeigehen, ohne das Auto auch nur eines Blickes zu würdigen? Zebrastreifen einfach benutzen anstatt mal zu schauen, ob das überhaupt anhält? Was für ein großes Vertrauen in die Autofahrer!

Eigentlich ist Vertrauen ja etwas Schönes, aber mir kommt es eher sehr egozentrisch vor. „Der hat schon zu halten, immerhin habe ich ja das Recht.“ Ja, und wenn er nicht hält? Oder selbst gerade abgelenkt ist? Sowas provoziert doch nur Fehler. Wenn einfach jeder ein bisschen mehr mitdenken würde, dann würde es weniger Unfälle oder Aufregungen geben. Aber wenn jeder denkt: „Die Anderen denken schon an mich.“ Dann denkt niemand an den Anderen.

Das Ergebnis sehen wir jeden Tag in Radfahrern, die über Autofahrer schimpfen, Autofahrer, die über Fußgänger schimpfen und mich, der über alle schimpft. Eigentlich doch nicht schön, oder?

Alles wird gut ab hier

Heute habe ich einen Test gewagt: Auf der A66 sollte ganz fieser Stau sein laut meinem Navi und mich fast 30 Minuten kosten. Da ich den Weg mittlerweile auswendig kenne, habe ich mir für jeden Stau (es waren mehrere) eine Alternativroute berechnen lassen. Die erste Alternativroute wollte ich schon nehmen, ging auf die entsprechende Spur, merkte aber schnell, dass die Spur dicht war – da ging nichts mehr. Auf der normalen Autobahn hingegen konnte man munter mit 100km/h weiter brettern.

Irgendwie mogelte ich mich wieder auf die Autobahn und sah mir dann jede weitere Alternativroute an, bei denen es aber genauso aussah: vollkommen verstopft. Ich fuhr also meinen üblichen Weg nach Hause, hatte meinen üblichen Stau und kam mit der üblichen, leichten Verspätung nach Hause und nicht mit den angeblichen 30 Minuten.

Hatten alle anderen Autofahrer nun auch auf ihr Navi vertraut, dass die Ausfahrten so verstopft waren? Sonst waren die nämlich frei. Und wo war dieser ominöse 30-Minuten-Stau, den es bis zuletzt noch geben sollte? Spannende Dinge im Straßenverkehr…