The King in Boredom

Es ist Zeit für ein Geständnis: Ich habe bisher noch nie The King in Yellow von Chambers gelesen. Meine cthuloide Bekanntschaft mag bereits die Luft anhalten und ich rate ihr, dies auch weiterhin zu machen. Ich befürchte, ich muss einen weiteren Frevel begehen. Denn ich habe dies nun nachgeholt und fand ihn nicht gut. Das letzte Viertel habe ich vorzeitig abgebrochen – es ging einfach nicht mehr! Und ich kann schwerlich den Finger darauf legen, was es war, was mich langweilte. Trotzdem will ich es probieren.

The King in Yellow war zumindest zu alten Cthulhu-Forums-Zeiten sehr beliebt. Geradezu legendären Status bekam es durch das alte Laurin-Abenteuer Narrenball. Immer wieder schwärmte der cthuloide Fandom vor sich hin und ich beobachtete das stets nur still. Denn ich kannte ihn nicht und hielt mich daher heraus. Wenn ich von etwas keine Ahnung habe, muss ich auch nicht mitdiskutieren. Oder um es mit Dieter Nuhr zu sagen: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.“ Das ist immer ein guter Ratschlag.

Trotzdem schien The King in Yellow ein Klassiker und ich war neugierig. Auch die Kreaturen, wie sie das damalige Monsterbuch und der spätere Malleus Monstrorum schilderten, wirkten spannend. Die Idee eines Theaterstücks von bizarren und cthuloiden Ausmaßen faszinierte mich, auch ohne The King in Yellow gelesen zu haben. Aber … ich kannte den King in Yellow nicht. Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte nie diese Kurzgeschichtensammlung geöffnet – so cthuloid ironisch das nun auch klingen mag, so profan ist es am Ende leider für mich.

Bite the Price

Im Vorfeld des E.A.Poe-Geburtstages am Wochenende habe ich mal wieder ein wenig bei YouTube gestöbert. Was liegt da näher, als auch nach meinem persönlichen Liebligsschauspieler zu suchen? Vincent Price! Leider sehr unterschätzt und häufig übersehen. Dennoch einer der ganz, ganz großen Schauspieler.

Wieso? Weil er einfach gut war – und sympathisch. Ähnlich wie Christopher Lee und Patrick Stewart war er sich auch für viele Dinge nicht zu schade. Das sind Menschen, die Schauspielerei leben und darin aufgehen.

Beispiel gefällig? Vincent Price in der Muppet-Show!

Jamas Tipp: Der Rabe

Ich liebe Poe – anders kann ich es nicht sagen. Es gibt wirklich wenige Schriftsteller, die sich in meinen Kopf eingebrannt haben und zwar so richtig mit Bildern, mit Wörtern, mit Melodien.

Ja, bei Poe sind es auch die Melodien, denn wer „The Raven“ einmal gehört hat, der wird verstehen, was ich meine. Ich habe einmal hier eine Lesung von einem meiner absoluten Lieblingsschauspieler Vincent Price dazu verlinkt und empfehle sie immer wieder gerne, denn das ist Magie in Wörtern. Hört es euch an. Schade, dass die Bild- und Tonqualität nicht so gut ist, aber es ist einfach so unglaublich gut. Ich habe selten etwas Fesselnderes auf Englisch gehört und das unterstreicht die Schönheit dieser Sprache.

Womit wir auch zu dem Punkt kommen, an dem ich wirklich einfach nur begeistert bin: Poe und Vincent Price. Das ist einfach eine unschlagbare Kombination. Ja, diese alten Gruselschinken mögen manchmal fürchterliche Dialoge haben oder schreckliche Effekte, aber sie haben Charme. Schon allein, weil Vincent Price einer der charismatischsten Schauspieler ist, die ich kenne.

Ich liebe seine Auftritte in sämtlichen Filmen, die ich von ihm gesehen habe und das sind so einige. Wenn ich allein an Satanas – das Schloss der blutigen Bestie (ja, fürchterlicher Titel) denke, dann ist da so viel in meinem Kopf hängen geblieben, ich glaube, es gibt wenig, was mich so inspiriert hat. Trotzdem verlinke ich hier nicht diesen Film, denn er ist sehr speziell, auch wenn ich es einen sehr gelungenen Mix an verschiedenen von Poes Werken finde. Aber unübertroffen ist für mich immer noch Der Rabe.

Der hat als Film nichts mehr mit dem Gedicht zu tun – nicht so wirklich. Ein wenig schon, aber mehr auch nicht. Trotzdem ist das einfach so gut und lustig und stimmungsvoll und dennoch auch gruselig. Das ist eine Atmosphäre, die ich an diesen alten Gruselfilmen liebe und weswegen ich sie mir immer wieder und wieder und wieder ansehen kann. Das sind Filme, die mich auch heute noch begeistern, trotz fürchterlicher Trickeffekte, trotz hanebüchener Story, trotz skurriler Dialoge… trotzdem ist es einfach verdammt gut.

Auf den neuen Raben bin ich natürlich auch gespannt, auch wenn das mit Sicherheit nicht das gleiche wird. Aber bis dahin empfehle ich diesen alten Klassiker immer wieder gerne – und bestimmt auch noch danach.

Der Trailer malt den Film deutlich gruseliger als er ist. Er ist eher eine Horror-Komödie, als wirklich gruselig. Also nicht irreführen lassen.

Aber Vincent Price! Das war ein Schauspieler! Leider sehr verkannt, aber wenn mich jemand fragen würde, wer mein Lieblingsschauspieler ist, dann würde ich vermutlich direkt sagen: „Ohne Frage: Vincent Price.“

The Raven

Es gibt Dinge, die sind einfach wunderschön. Eines dieser Dinge ist das Gedicht: „The Raven“. Poe gehört für mich sowieso zu den besten Schriftstellern, die es je gegeben hat. Viele seiner Kurzgeschichten haben mich tief berührt und inspiriert und erzeugen auch heute noch Bilder und Ideen in meinem Kopf. Das geht nicht nur mir so, denn nicht umsonst gibt es solche tollen CDs wie „Tales of Mysteries and Imagination“ vom Alan Parsons Project.

„The Raven“ ist eine sehr spannende Sache, die mir zwar schon immer gefallen hat, aber interessanterweise hatte ich gestern erst beim Einkaufen einen jener kostbaren Momente, in denen Theorie und Leben und Praxis plötzlich zusammenkommen und ich überhaupt die volle Tragweite dessen begriff, was überhaupt in dem Gedicht drin ist. Der erste Moment des Staunens war damals während meines Studiums, als in einer Ringvorlesung der gute Professor Lubbers auf der Bühne seine Vorlesung über Poe stoppte, um aus dem Gedächtnis aus dem Stand „The Raven“ zu zitieren. Das war so beeindruckend, dass der gesamte Saal still war, wie der alte Mann dort vorne mit Hingabe und Begeisterung Zeile um Zeile vortrug. In diesem Moment wurde mir erst bewusst, wie melodisch das Gedicht ist und was für eine komplizierte und faszinierende Rhythmik in ihm wohnt.

Kommen wir aber zu gestern beim Einkaufen, denn da schob ich gerade meinen Wagen mit den Einkäufen zum Auto, als ein Rabe über die Straße hoppelte. Ich schreibe bewusst „hoppelte“, denn irgendwas stimmte nicht. Dachte ich. Aber er hinkte nicht. Vielleicht war es auch normal. Er pickte auf dem Boden herum und krächzte, hüpfte weiter, krächzte. Wenn Leute kamen, beäugte er sie vorsichtig, hoppelte ein wenig weg, krächzte und pickte dann im Blumenkübel. Immer wieder krächzte er, als ob er den Menschen um ihn herum etwas sagen wollte.

Zufälligerweise war das alles direkt neben meinem Auto. Fasziniert beobachtete ich den Raben, während ich dann meine Einkäufe ins Auto packte. Er war ungewöhnlich nah, hatte scheinbar nicht viel Angst. Eher hatte ich Angst, dass er zu zutraulich ist und doch dann plötzlich den Hitchcock mit mir macht und mir die Augen rauspickt. Aber das passierte nicht. Er saß da, hoppelte ein wenig weiter, krächzte, hoppelte weiter, krächzte – als ob er sich mit mir unterhalten wollte.

Dann war ich fertig mit Einräumen und beobachtete ihn weiter. Er blickte zurück – und krächzte. Und dann musste ich an das Gedicht denken, denn war das nicht eine absolut ähnliche Situation? Da saß ein Rabe, der krächzte und der Mensch vor ihm dachte, er wollte ihm etwas sagen. Doch was? Nur ein Krächzen – sonst nichts mehr. Oder doch? Da ich vorher mir Gedanken machte, was das sollte, fühlte ich mich auch wieder an diverse Strophen erinnert, in der das lyrische Ich in dem Gedicht versucht, das Krächzen mit seiner verstorbenen Frau verzweifelt zu verbinden.

War genau so ein Moment das, was den Funken in Poes Kopf entspringen ließ? Na gut, vielleicht nicht genau so ein Moment, denn er hatte mit Sicherheit kein Auto und kam gerade nicht aus dem Real. Aber ich fand den Gedanken amüsant – und schön. Irgendwie machte alles noch viel mehr Sinn auf einmal und die Bedeutung des Gedichts multiplizierte sich für mich, denn neue Eindrücke und neue Assoziationen entstanden automatisch. Eigentlich ja egal, wie Poe dazu kam und was er damit wollte. Aber allein diese Gedanken fand ich ungeheuer spannend und bereichernd.

Sicherlich ist das Gedicht mehr und hat mehr Inhalt, denn es hat auch dieses Todesthema, die Verzweiflung, Liebe, Leiden, Lethargie, Sterben und viel mehr. Das ist mehr als nur ein Rabe, den man nicht versteht, der aber sich lebhaft mit einem… unterhält. In diesem Moment aber war ich so nahe an dem Gedicht auch in Wirklichkeit wie noch nie; wenigstens mit einem Teilaspekt.

Die ganze Heimfahrt hatte ich die Strophen des Gedichts im Kopf. Denn auch ich kann einen guten Teil auswendig – nicht alle, dafür ist das Gedicht zu lang. Aber zumindest die ersten Strophen gingen mal. Mittlerweile dank fehlender Übung dürfte es wohl nur noch die erste werden.

Zu Hause angekommen suchte ich nach einem Video, das ich vor langer Zeit hier einmal verlinkt hatte, in dem einer meiner Lieblingsschauspieler eines meiner Lieblingsgedichte zitiert: Vincent Price rezitiert „The Raven“ – etwas besseres gibt es kaum. Das wollte ich daher nach dieser kleinen Anekdote mit euch teilen. Es gibt kaum etwas Schöneres, wie ich finde und ich komme aus dem Schwärmen kaum noch heraus.

Viel Spaß:

Achtet auf die Rhythmik, auch auf die Mimik und das Vortragen von Vincent Price. Die Worte, die Rhythmik, die Atmosphäre, die Stimme… alles formt sich zu einem Meisterwerk zusammen. Vincent Price! Einer der größten Schauspieler, wie ich finde. Das berührt meine Seele und wenn ich da zuhöre, dann weiß ich genau, warum ich Amerikanistik studiert habe und was an all dem so toll ist und was in der Welt so großartig da draußen ist und warum ich mehr und mehr davon will.

Diese Freude, diese Leidenschaft, die mag ich vermitteln und auch Anderen zeigen und ihnen die Tür zu genau diesem Spaß öffnen.

Jamas Tipp: I am Legend

Ja, ich meine die Neuverfilmung mit Wil Smith! Dieser Film ist meiner Ansicht nach zu unrecht ein wenig untergegangen. Viele haben sich über die Special-Effects beschwert, dass die Infected so merkwürdig aussahen. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Aber wenn man sich nur an diesem Punkt aufhängt, verpasst man einen verdammt guten und spannenden Thriller.

Die Prämisse des Films ist einfach erklärt und ohne etwas wirklich zu spoilern: Es gab eine Katastrophe. Die Geschichte wird aus Sicht des einzigen Menschen erzählt, der sie überlebt hat. Doch er ist trotzdem nicht alleine – auf mehreren Ebenen. Mehr braucht man nicht zu wissen über den Film am Anfang. Was ist es? Ein Horrorfilm? Sieht danach aus, ist er aber nicht. Ein Zombiefilm? Jein, sind schließlich angeblich Vampire, auch wenn sie in dieser Neuverfilmungen mehr etwas von Zombies haben. Ein Actionfilm? Nein, da täuscht einen der Trailer. Es ist ein subtiler und stiller Thriller.

Ich kenne auch die alten Verfilmungen. Die sind auch gut – aber anders. Gerade der „Omega-Mann“ hat mich damals als Jugendlicher extrem beeindruckt und verstört – und bis heute inspiriert. Aber diese Neuverfilmung hat mir gezeigt, was für ein verdammt guter Schauspieler Wil Smith ist. Denn ich mochte ihn ursprünglich nicht. So richtig gar nicht.

Mit „I, Robot“ war ich zum ersten Mal erstaunt, denn da hat er mir auch gut gefallen – auch ein zu unrecht unterschätzter Film. Aber mit diesem Film habe ich richtigen Respekt vor ihm bekommen. Ich habe wirklich im Kino gesessen und mit seinem Charakter gelitten und bin zusammengeschreckt. Das war so glaubwürdig von ihm rübergebracht – und alles im Kino war mucksmäuschenstill. Der Film ist so ungeheuer spannend, auch wenn man es sich kaum vorstellen kann, da dieser Mensch eben wirklich nahezu allein ist. Was kann da schon passieren?

Ich habe mal im Deutsch-Unterricht ein ganz fürchterliches Buch lesen müssen: „Die Wand“ von Marlen Haushofe. Ähnliche Prämisse, aber das war langweilig! Doch „I am Legend“? Großartige Charaktermomente! Das ist kein Film, der knallt und explodiert, das ist ein Film, der einem ganz leise und unheimlich unter die Haut geht, um dann richtig großartig zu werden.

Es gibt übrigens zwei Enden: einmal die Fassung, die man im Kino gesehen hat und dann ein alternatives Ende, das der Film wohl ursprünglich hat. Auch das ist sehr spannend, denn mir gefallen beide. Das Ende vom Kino hat mich umgehauen und beeindruckt. Das alternative Ende hingegen hat verdammt viel Sinn ergeben und ein paar Gedanken von mir aufgegriffen, die ich während des Films hatte. Denn an manchen Stellen wunderte ich mich, weil ich das Gefühl hatte, der Film wollte mir etwas anderes sagen oder dass da noch etwas anderes wäre. Genau diese Punkte greift das alternative Ende auf!

Beide Enden sind damit komplett unterschiedliche Interpretationen, aber in sich absolut schlüssig. Selbst wenn der Charakter einen logischen Fehler gemacht hat, entwickelt sich alles ganz logisch aus diesem Fehler weiter. Toll!

Also zwei großartige Enden! Es gibt dann natürlich wieder viele, die entweder das eine Ende oder das andere Ende doof finden oder so viel besser. In diesem Fall gibt es aber kein „doof“ oder „besser“, sondern nur „anders großartig“.

Meine Empfehlung: Zuerst die ganz normale Kinofassung schauen, danach dann das alternative Ende und sich über beide freuen und sich der Pluralität der Interpretationen ergötzen. Das macht richtig Spaß. Ich verlinke mal beide Enden nach dem Spoiler-Cut. Also daran denken: Diesmal ist der Spoiler-Cut nicht nur ein Spoiler-Cut, sondern ein SPOILER-Cut!

„I am Legend“? Oh ja! Die literarische Vorlage liegt auch immer noch ungelesen bei mir zu Hause auf dem Nachttisch. Es gibt einfach zu viele Dinge, die ich lesen will. Aber vielleicht gibt mir dieser Blog-Beitrag den Tritt in den Hintern, das endlich mal demnächst nachzuholen.

Ihr mögt also stille Thriller? Dann diesen Film anschauen – mein Tipp. Großartige Schauspieler, großartige Musik, großartiger Film!

SPOILER-Cut!