Der Wert des Geldes

Kaum habe ich einen Artikel über MMO-Wirtschaftssysteme geschrieben, schon liefert mir Aion ein sehr schönes Beispiel, um das noch ein wenig auszuführen:

Es soll wohl ein neuer Kleidungsskin kommen, der 12 Millionen Kinah kostet. Das ist eine Menge Holz. Was der Skin macht? Nichts – außer „aussehen“. Schon bricht das Geheule aus, dass sich das doch niemand leisten kann. Die Begründung, dass es ein Luxusartikel sein soll, akzeptiert keiner, denn man will es ja haben.

Gleiches Gejammere darüber, dass sie Seelenheilerkosten zwar gesenkt wurden, aber NCSoft und die Spieler wohl etwas anderes unter „drastisch“ verstehen. Ich gebe zu, dass auch ich eine andere Vorstellung von „drastisch“ habe. Die Wortwahl ist tatsächlich ein Punkt, den man NCSoft ankreiden kann. Man kann sich aber auch künstlich aufregen und daran hochziehen, denn ich bleibe dabei, dass das Wort vielleicht unpassend gewählt ist, die virtuelle Wirtschaftsstrategie dahinter aber eben Sinn macht. Trotzdem werden dann absurde „Argumente“ von der Spielerschaft angeführt, dass das so nicht ginge.

Doch, geht es – und ich bin froh darüber, ganz ehrlich. Wertigkeiten, Leute! Verdammt! Haben uns die letzten Monate denn echt gar nichts gelehrt? Kann man nicht mal für fünf Minuten nachdenken? Wenn man diese Kosten nicht mehr merken würde, dann könnten wir sie abschaffen. Von mir aus könnten die Reisekosten echt so bleiben, von mir aus auch leicht geringer, aber bitte nicht viel mehr. Die Seelenheilungskosten sind wirklich schmerzhaft, aber auch das finde ich eigentlich gut.

Ich bin da aber ganz ehrlich: Ich will nicht das Gefühl wie in WoW, dass es mir vollkommen schnuppe ist, wieviel Gold Reparaturkosten ich habe. Ich bin gestorben? Ach, pfeif drauf! Ich habs ja! Wo kommen wir da hin? Genau, in ein kaputtes Wirtschaftssystem.

In Aion passiert mir das nicht, denn da tut Sterben richtig weh. Ich sterbe daher dort seltener, denn ich spiele bewusster, ich spiele konzentrierter, denn ich will nicht sterben. Bei WoW? Oh, ich bin mal wieder vom Berg gefallen, weil ich nicht aufgepasst habe – ha, ha! Bei Aion? Ich Trottel! Verdammt! Ich muss mehr aufpassen! Das führt zu einem anderen und daher viel bewussteren Spielerlebnis. Aber das sieht ja keiner. Es sehen alle nur böse Nullen und schon fängt das Geheule an. Ich bin wirklich erstaunt, denn eigentlich bin ich ein Weichei, aber scheinbar gehöre ich in der MMO-Szene wohl zu den „harten Jungs“ – welch Ironie. Wer mich kennt, weiß wieso…

Bitte, bitte, NCSoft, macht nicht den Fehler wie bei den neuen Servern damals zu Release. Hört nicht auf diese Spieler! Bitte! Natürlich sollte es einen Unterschied geben, auf welche Spieler man hört. Aber bitte nicht mehr auf die lautesten Spieler. Ich kann nur hoffen, dass NCSoft aus der Sache mit den Servern gelernt hat und eben nicht mehr auf das krakelende MMO-Volk hört. Denn hätten sie damals nicht darauf gehört, dann hätten wir nun nicht diese dubiosen Weltuntergangsprophezeiungen für Aion, denn dann wäre nichts passiert – aber echt mal sowas von gar nichts.

Diese Prophezeiungen sind nämlich tatsächlich nur den Spielern zu verschulden und NCSoft teilweise, weil sie auf die Spieler gehört haben. Aber… ach, ich vergaß, NCSoft hört ja nicht auf die Spieler. Wenn man das häufig schreibt, stimmt es vielleicht auch irgendwann. In dem Falle des Wirtschaftssystems kann ich es zumindest nur hoffen. Denn ich will die Wertigkeiten in Aion behalten.

Erinnern wir uns doch mal an diese Luxus-Tasche aus WoW, die man bei Haris Pilton (oder so ähnlich – ich fand den Witz dämlich) kaufen konnte. Schweineteuer und das für nur wenig mehr Platz. Dennoch hätte ich sie gehabt, konnte sie mir damals aber nicht leisten. Ich war neidisch auf jene, die sie sich leisten konnten. Auch wenn ich den Witz mit den Namen doof fand, hat er aber deutlich gemacht, worum es ging: Einen Luxusartikel.

Muss man denn wirklich mittlerweile alles haben? Alles hinterher geworfen bekommen? In WoW ist sowas wie diese Tasche auch kaum noch vorstellbar, denn da wird ja schon über den Preis für das Motorrad gejammert. Deutsche MMO-Community – wo bist du nur vom richtigen Pfad abgekommen und wurdest dermaßen verzogen? „Oh je, oh je, dafür muss ich ja spielen…“… hm, ja, und? Dafür sind wir doch da?

Natürlich steckt da auch Arbeit dahinter, aber habt ihr alle vergessen, was für ein tolles Gefühl es dann ist, wenn man sich das wirklich erarbeitet hat? Aber die Zeit des „Erarbeitens“ ist anscheinend vorbei. Fast-Food-MMO… ich gebe zu – das ist nicht meins. Denn Rollenspiel und auch MMOs hatten für mich immer einen Wert und wenn der verloren geht, weil alles nur noch „schnell, schnell, jeder, alles“ ist, dann verliert es zumindest mich. Daher danke Aion, dass du einen anderen Weg gehst, auch wenn er dich zur Steinigung zu führen scheint.

Und jetzt mal tacheles: 12 Millionen sind nicht wenig, aber sie sind machbar! Regt euch nicht auf! Ich war vor drei Wochen unter meiner 1-Millionen-Kinah-Grenze. Wieso? Allerlei Rp-Schnickschnack, neue Kleidung, dann habe ich meine Rüstung aufgewertet, Verzauberungssteine geholt etc. Ich war bei etwa 300.000 Kinah. Seitdem habe ich viel gesammelt, habe viel das AH durchstöbert, viele Sammelgegenstände vertickt. Wo stehe ich heute? 3 Millionen Kinah! Und 500.000 Kinah stehen noch von einem befreundeten Spieler aus, die ich ihm geliehen habe.

Ich bin Wochenend-Pendler, ich habe eine Frau, ich habe eine ganz normale 40h-Woche, ich bin RPler, wofür auch einiges an Zeit drauf geht und ich spiele nicht jeden Tag Aion. Trotzdem gelingt es mir. Mir ist es innerhalb von drei Wochen gelungen über 3 Millionen Kinah zu machen! Auf ehrliche Art und Weise. Kein Kinahseller oder ähnliches. Schlichtes Farmen. Trotzdem habe ich regelmäßig meine Rp-Runden abends gehabt, ich bin regelmäßig Stahlharke gegangen für Schneesegen (was mich jedes Mal 100.000 Kinah kostet) und und und. Es geht also! Stellt euch bitte nicht so an! Das ist echt schrecklich! Da schämt man sich ja für die deutsche Aion-Community fremd…

Kleines Rechenexempel zum Abschluss analog zu meinem damaligen Blog-Eintrag (siehe hier): 12 Millionen Kinah sind 12.000.000 Kinah. In ein WoW-System übertragen sind das also 12.000.000 Kupfer, sind 120.000 Silber, sind 1200 Gold. Huch! Ist ja auf einmal doch nicht so viel. Denn ich kann euch verraten (aber nur unter uns): Mobs in den hohen Stufen droppen ähnlich viel Kinah wie WoW-Mobs Gold (entsprechend umgerechnet eben), aber pssssst…

Hier geht es zu diesem unsäglichen Thread: Klick mich, ich bin ein verzauberter Link.

3 thoughts on “Der Wert des Geldes

  1. Eine kleine Ergänzung hierzu noch:

    Ich habe gestern vor dem Keep-Raid vielleicht eine halbe bis ganze Stunde Äther gefarmt – gefahrlos über Heiron und ganz nebenbei während ich Rp-Postings geschrieben habe, damit sich meine Flugzeit immer wieder aufladen kann. „Arbeit“ war das also nicht, da ich sinnvollere Sachen nebenbei gemacht habe. Und nachher werde, wenn ich von der Arbeit komme, werde ich das gleiche machen, während ich spüle und die Wohnung fege.

    Wenn ich richtig gerechnet habe, habe ich da mindestens über 200.000 Kinah Gewinn gemacht – ich bin lieber vorsichtig, denn ich glaube, es waren sogar über 300.000. Für eine Stunde farmen!

    Ich rechne das nun nicht hoch, denn mein Bauchgefühl langt mir, um zu sagen: „das passt“. Wer es mir aber nicht glaubt: Bitte selbst hochrechnen, wie viel man also mit einer Stunde Farmen pro Tag machen, wie viel das wird, wenn man es nur zweimal die Woche machen kann und wie schnell man dann sogar bei so einem Luxusgut für 12 Millionen Kinah ist.

    Das nur kurz als Beleg für meine These: „ist erreichbar“ – zumindest auf Balder.

  2. Dann sind wohl auf Balder noch zu viele „Ich will WoW 2 in Aion haben“-Kinder. Als positives Gegenbeispiel sei hier Star Trek Online angebracht: Mit dem letzten großen Patch kamen Death Penalties, weil die Spieler es GEWOLLT haben! Vorher gab es nur wie bei einem Shooter 15 Sekunden Respawn-zeit, das wars. Wenn Du aber jetzt stirbst, dann kann das RICHTIG unangenehm werden. Und schwups ist auf einmal Geld etwas wert, was es vorher nicht war. Dazu in Verbindung kann man noch den Schwierigkeitsgrad der Gegner drastisch erhöhen jetzt, was natürlich auch mit spannenderen Kämpfen und viel besserem Loot belohnt wird. Und was soll man sagen? Es wird (zu Recht) von den Spielern bejubelt. Das ist mal ein Verhalten, wie ich es von einer Community erwarte, bzw. wie das früher mal war, bevor WoW zur Banalität wurde. Natürlich gibts auch da Heuler und Deppen, aber die gibts ja überall. Nur sind es nicht gefühlte 99% der Spieler.

    Siehe auch dazu Sleth aktuell

    Falls Du den nicht gelesen hast, weil Dich STO nicht so primär interessiert, tu das mal.

    Es gibt übrigens jetzt eine zeitlich unbegrenzte Demo, für RP müsste die eigentlich reichen, da alle RP-Orte levelunabhängig sind *hint*

  3. Ist halt die Frage, ob das nicht einfach nur die Forenkultur bei Aion ist. Zwar ist die Stimmung mittlerweile besser als früher, aber es hängen trotzdem noch viele Honks drin herum und ich vermute, die „vernünftigen Leute“ trauen sich nicht mehr rein – ich ja zum Großteil auch nicht. Vielleicht ist das also sowieso nicht repräsentativ. Ich fand es nur in dem Zusammenhang ganz interessant.

    Wegen STO: Mich interessiert das Rp in STO halt so… Null – leider. Sorry. Ist einfach nicht mein Ding. Und STO klingt zwar nett und witzig, aber nichts, wofür ich Abo-Gebühren bezahlen würde und Lifetime ist mir für etwas, hinter dem ich nicht voll und ganz stehen könnte, zu teuer. Und auch eine zeitlich unbegrenzte Demo ist eben nur eine Demo und das fühlt sich für mich nicht richtig an. Das ist genauso, wie die ganzen Aion-RPler, die Charaktere nur bis 20 oder 30 spielen und dann maulen, weil ihnen das Spiel zu wenig gibt oder sie dies und das nicht können. Nee, ohne mich.

    Was nicht heißt, dass ich STO doof finde oder schlecht reden will. Es ist nur nicht „meins“.

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