In Memoriam: Horst Göttmann

Heute vor 2 Jahren ist mein Vater an Krebs gestorben. Ich will keinen Betroffenheitseintrag daraus machen. Wer hier länger mitliest, weiß, dass ich aber gerne zu solchen Anlässen einfach ein wenig darüber schreibe, denn häufig denke ich an viele Leute, die ich schon verloren habe. Und erschreckenderweise sind das gar nicht so wenig. Doch Menschen, an die man denkt, die leben weiter und wenn es nur in unseren Erinnerungen ist. Das macht es erträglicher und ich denke, das ist das Mindeste, was man für Menschen machen kann, die einem nahe standen.

Auch an meinen Vater muss ich immer wieder zwischendurch denken und es sind dann sehr merkwürdige Momente, denn so richtig wahrhaben kann ich das dann nicht. Als wir noch in Ginsheim gewohnt haben, hatte ich stets das Gefühl, wenn ich in unseren Wendehammer eingebogen bin mit dem Auto, dass mein Vater am Ende mit seiner Strickjacke da steht und winkt. Oder ich musste an ihn denken, wenn ich zum Schornstein hoch gesehen habe, wo ein merkwürdiger Ast/Baum/Was-auch-immer hinaus blickte (was suchte der da oben?) und mein Vater jedes Mal (aber wirklich jedes Mal!) mich beim Vorbeifahren fragte: „Gießt ihr den auch regelmäßig?“

Ja, mein Vater hatte einen sehr eigenen, sehr trockenen Humor – den ich sehr geliebt habe und den ich mir vermutlich auch angeeignet habe. Seit seinem Tod vielleicht sogar ein wenig mehr, denn ich will nicht, dass dieser sympathische Humor vergeht.

Was waren in letzter Zeit die Momente, in denen ich an ihn denken musste? Wenn ich beim Real einkaufen bin und den Kofferraum schließe, zucke ich jedes Mal zusammen, denn einmal habe ich blöderweise den Schlüssel im Kofferraum liegen gelassen und mich so aus meinem Auto ausgesperrt. Aber das war kein Problem, denn es gab meinen Vater.

Auch wenn ich schon mit meiner Frau zusammen gewohnt habe und nicht mehr so häufig zu meinen Eltern gefahren bin, wusste ich, dass ich meinen Vater jederzeit anrufen konnte und er mir hilft; das tat er auch, denn keine halbe Stunde später war er da und kutschierte mich nach Hause, dass ich dort den Ersatzschlüssel meiner Frau holen konnte und wieder zurück zum Parkplatz. So war mein Vater und jedes Mal, wenn ich beim Real meinen Kofferraum schließe, muss ich an diesen Moment und auch an ihn denken.