A rose by any other name would smell as sweet

Bald können die Asmodier bestimmt Bullshit-Bingo auf Balder spielen bei der Rp-Polizei, die sie sich gerade heranzüchten. Was ist Bullshit-Bingo? Man hat eine Liste von Wörtern und hakt eines ab, wenn es fällt und sobald alle gefallen sind, schreibt man in den Rp-Channel: „Bullshit! Bullshit! Bullshit!“

Was sind die Wörter?:

– Lore

– Konsequenz

– Spielspaß

– Lore

– Quelle

– Konsequenz

– Lore

– Community

Wobei ich betonen möchte, dass es schwieriger ist, die Wörter „Spielspaß“ und „Community“ abzuhaken als die häufiger vorkommenden.

Und wieso dürfen die das bald spielen? Weil sie eine Lore-Richtlinie aufgestellt haben – zum Glück nur für Asmodae, ansonsten würde ich noch mehr im Dreieck hüpfen, als ich es jetzt schon mache. Am Anfang dieses Manifests heißt es: „Also ist das Rp-Polizei? Klares: Nein!“ Man kann viel behaupten, aber es ist leider dennoch so – eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.

Warum ist das Rp-Polizei? Es gibt ein Regelwerk, eine Bibel nach der gespielt wird. Wer nicht danach spielt, wird aussortiert und darüber wacht ein erlesenes Grüppchen, das diese Bibel interpretiert und Auslegungen als richtig gutheißt oder als falsch sanktioniert.

Erschwerend bei Aion kommt dabei noch dazu, dass die Lore in Aion sehr schwammig und teilweise sogar widersprüchlich ist. Kaum einer der selbst ernannten Lore-Polizisten hat auch nur die geringste Ahnung von Quellenkritik, von unzuverlässigen Erzählern etc. Daher werden Sachen, die NSCs sagen, direkt als Lore deklariert, selbst wenn sie noch interpretiert werden müssen und selbst wenn sie merken, dass sie etwas interpretieren müssen, gibt es nur „eine“ Interpretationsmöglichkeit. Aber das ist alles sehr viel schwieriger – gerade bei Aion.

Was ist so problematisch daran? Es werden Grüppchen gebildet – eine Elite, die nach „der“ Lore spielt. Es gibt eine Liste von Legionen und Spielern, die sich daran halten und ein Gremium, das sich gegenseitig ständig auf die Schulter klopft, wie toll sie doch spielen, entscheidet darüber, wer dort rein darf und wer nicht. Neulinge durchlaufen einen Anerkennungsmarathon, bei dem manche Studentenverbindungen blass anlaufen würden bei dem Spießrutenlauf, den man exerzieren darf, um zu beweisen, dass man „vernünftiges“ ™ Rollenspiel betreibt.

Wer das nicht macht, bekommt eine Breitseite ab, die meist in einem Flamewar entweder in einem Rp-Channel oder dem entsprechenden Forum enden. Das gab es ansatzweise bisher bereits auch auf Asmodierseite und wird sich nun mehr verstärken. Das prophezeie ich schon seit Monaten, aber auf mich hört keiner – ich arme Kassandra. Ich kann noch sehr darauf hinweisen, kann kurz vorher den weiteren Verlauf eines Threads vorhersagen, es wird mir nicht geglaubt.

Nein, es werden nun Rp-Workshops gemacht mit dem Oberlehrmeister der Lore höchstpersönlich, der bisher kaum Rp in Aion gemacht hat und eher kaputt als aufgebaut hat. So jemand darf dann über Rp und Plots und sicherlich auch die Lore dozieren. Dabei traue ich mittlerweile keinem mehr, der in diesem Rp-Seminar etwas sagen will, so wirklich Ahnung von Rollenspielmechanismen zu.

Das sind die typischen Leute, die ich schon so häufig gesehen habe, gegen die ich schon so häufig ankämpfen musste, die einfach die üblichen Phrasen nachplappern. Da wird „Lore!“ gebrüllt und idealerweise auch noch dieser bescheuert oberflächliche Artikel über „Konsequenz – die heilige Kuh“ zitiert und dann geht es ab mit den Strafzetteln.

Man kann es eben wirklich nennen wie man will und Shakespeare hatte einfach recht: Eine Rose bleibt eine Rose und wird genauso duften, auch wenn man sie anders nennt. Und genauso wird auch die Rp-Polizei stinken, egal wie sehr man beteuert keine zu sein.

Im Post-Strukturalismus in der Literaturtheorie gibt es ein übliches Werkzeug mit dem man spannende Sachen aus Texten herausarbeiten kann: Je häufiger etwas betont wird, dass etwas so und so wäre, desto eher ist es nicht so. Wenn in einem Roman auf jeder Seite eine Figur beteuert, wie toll doch ihre Kindheit war, dann kann man zu einem großen Teil davon ausgehen, dass in der Kindheit einiges im Argen lag. Wenn eine Frau in einer Kurzgeschichte immer wieder beteuert, dass sie nicht geschlagen wird, kann man davon ausgehen, dass sie es doch wird. Das ist zwar Literatur, aber bildet die Wirklichkeit sehr genau ab. Denn auch in der Wirklichkeit werden Sachen immer betont, wenn ihre Glaubwürdigkeit auf wackligen Beinen steht.

Solche Rp-Führerscheine braucht es nicht und es braucht auch kein dickes Regelwerk, um zu rollenspielen – sogar innerhalb der ominösen Lore. Ich habe LARP-Cons mit über 200 Leuten veranstaltet. Bei einem haben wir unser neues Land Oschenheim bespielt mit einer absolut dynamischen und eigenständigen NSC-Dorfstruktur mit Spielern, mit denen wir teilweise vorher nichts zu tun hatten. Ich habe ihnen im Vorfeld ein paar kleine Infos geschickt, aber nichts, was den Begriff „Lore“ verdient hätte. Es waren ein paar Rahmeninfos zu unserem Setting und dem Spielgefühl, das wir haben wollen.

Auf Grund eines kleinen organisatorischen Fehlers (wir waren damals noch eine junge Orga und das bis dahin unser größter Con) haben wir das NSC-Briefing vor Ort versäumt und die NSCs haben deshalb einfach drauf losgespielt. Sie wussten nicht, wer die anderen NSCs sind, die sie schon seit Jahrzehnten eigentlich hätten kennen müssen, aber haben sich vorgetastet. Mir wurde von vielen NSCs später gesagt, dass das natürlich besser hätte laufen können, sie aber Spaß in genau diesem Vortasten hatten und aus diesen Situationen sind ganz eigene Plots entstanden und eine ganz eigene Dynamik.

Wir haben den ganzen Con über den NSCs keine Richtlinien gegeben und auch kein NSC-Briefing nachgeholt. Dennoch haben sie ganz natürlich und von selbst „unser“ Setting bespielt, es teilweise mit neuen Sachen gefüllt, an die wir so vorher nicht gedacht hatten, aber wir haben sie machen lassen und haben uns über den Spaß gefreut, den sie dabei hatten. Das Setting und die Welt und unser kleines Dorf Nimrod ist gerade dadurch erst lebendig geworden, weil die NSCs es zu „ihrem“ Dorf gemacht haben und es hat dadurch gelebt, denn es war nicht das Kind von uns, der SL, sondern ein gemeinsames Kind, das wir zusammen groß gezogen haben. Nicht nur, dass es einer der ersten DKWDDK-Großcons war, die kein Einladungscon waren (was angeblich auch nie funktionieren sollte laut einigen Krakelern), hat der Con auch bewiesen, dass diese dynamische Struktur funktioniert.

Doch so etwas werden Rollenspieler nie verstehen, die Rp-Polizei-Ansichten vertreten. Da geht es nicht um das Miteinander, um die Dynamik, da geht es um Statik, um Abstrafen, um Belehren. Doch das ist Gift für das Rollenspiel, wie mich die Erfahrung aus über 15 Jahren Rollenspiel gelehrt hat.

4 thoughts on “A rose by any other name would smell as sweet

  1. „Je häufiger etwas betont wird, dass etwas so und so wäre, desto eher ist es nicht so.“

    So lese ich übrigens Dein Blog seit dem Lore-Polizei-Vertipper von vor ein paar Tagen (oder Wochen, oder so). Die dadurch entstehenden Perspektiven sind faszinierend.

    • Faszinierend vielleicht, aber Quatsch, wie jeder bestätigen kann, der mit mir schon länger spielt. Ändern kann ich da aber natürlich auch nichts dran, wenn du es so lesen willst.

      Aber stimmt schon, theoretisch ein Eigentor, aber eben doch Unsinn. Denn ich bezweifle, dass es jemanden da draußen gibt, der vehementer und idealistischer für dynamisches Rollenspiel ohne Lore-Bibel kämpft. Na gut, vermutlich gibt es da doch noch ein paar, aber ich spiele zumindest weit oben mit. ;)

      • Das sagst Du ja nur, um Dich selbst zu überzeugen- ;-)

        Aber, mal ernsthaft: Ich glaube das natürlich nicht. Ich hielt das auch nur für eine erwähnenswerte Kuriosität und wollte Dich keinesfalls verspotten. (In der Tat ist es für mich vielleicht unterhaltsam, sich so einen Anti-Jamapi vorzustellen; andererseits fände ich ein Bizarro-Erdferkel irgendwie unheimlich.)

        Ich frage mich eh, wie Du die diversen Morp-Communities überhaupt ertragen kannst. Aus der reinen Beobachterperspektive hier wirkt das schon herzzerreißend.
        Nicht nur, dass man dauernd die selben Debatten führen muss, es geht auch noch indirekt um (jeweils mindestens) einen Charakter (und mit dem auch um ein soziales Netzwerk und die in beides investierte Zeit). Das ist doch geradezu darauf optimiert, frustrierend zu sein.

        Der Konsequenz-Kuh-Artikel ist übrigens schon deswegen kurios, weil er „heilige Kuh“ positiv verwendet. Normalerweise wird der Ausdruck doch eher als „heilige Kuh schlachten“ oder „es darf keine heiligen Kühe geben“ gebraucht, so dass ich zuerst gar nicht wusste, ob der Autor plötzlich doch eine andere Meinung vertritt.

        • Ja, es ist manchmal schwer zu ertragen, das kannst du mir glauben. Warum ich es mir dann doch immer wieder antue? Überbordender Idealismus gemischt mit einem recht anspruchsvollen Moralkodex.

          Rollenspieler sind irgendwie doch größtenteils egozentrische und selbstverliebte Deppen. Nur sind es eben die paar dazwischen, die toll sind und die anders sind, die es doch erträglich machen und für die es sich lohnt, auch wenn ich wirklich immer wieder meinen Glauben an die Menschheit dabei verliere – immer wieder aufs Neue, denn nach einiger Zeit finde ich ihn doch meist… verletzt, aber ich peppele ihn dann wieder auf.

          Aber dafür habe ich schon zu viele tolle Leute kennenlernen dürfen, dass ich das wirklich aufgeben mag. Allerdings glaube ich, dass ich mit meiner Einstellung da nicht nur in der Rollenspielszene Probleme habe. Ich habe ja schon früher als Jugendsprecher in Rheinhessen regelmäßig auf die Mütze bekommen oder in der Schule im Abijahrgang, wo ich auch sehr aktiv war oder beim Tischtennis oder sonstwo. Das Problem hat man wohl generell, wenn versucht, etwas zu bewegen, etwas zu ändern und dabei auch noch menschlich zu bleiben und nicht nur an sich zu denken. Aber ich vermute, das wirst du auch kennen, wenn ich so deine Aktivitäten in Unigremien so am Rande richtig mitbekommen habe. Ich glaube, das Problem ist weniger „Rollenspiel“ als eher „die Menschen“.

          Das Problem an Menschen, sind die Menschen. Das Tolle aber an Menschen, sind die Menschen. Das ist das Fürchterliche.

          Und dann muss ich wieder hieran denken und dann mache ich weiter: http://www.youtube.com/watch?v=TVX-cUJGdxs&feature=player_embedded

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