The abomination it has become

Zuerst hatte ich dieses Stöckchen bei Samiha gefunden, mir gedacht, dass ich das auch machen könnte, dann aber vor lauter Stress der letzten Tage vergessen. Zum Glück habe ich es dann beim Marc auch wieder gefunden und mich dran erinnert und daher hole ich das jetzt nach. Das Ganze ist übrigens ausgegangen vom Kai.

#  Wie gefiel Euch der Start in WotLK (Vor-Events, Einführungsphase)

Die Vor-Events waren unglaublich langweilig – so langweilig, dass ich mich kaum noch dran erinnern kann. Der Angriff der Frostwyrms auf Stormwind war im ersten Moment „Woho!“ und dann eher ein ernüchterndes „Oh“, denn es war einfach etwas anderes im Vergleich zu dem Auftreten der Nekropolen vor Naxxramas in Classic – und das war nun bei weitem kein Mega-Event, aber das hatte damals in Classic Laune und Stimmung gemacht, sowas noch einmal neu aufgelegt zu bekommen war ernüchternd.

Allein die Sache mit der Zombieseuche hätte interessant werden können – wenn da nicht die Community gewesen wäre. Das hätte ein wirklich tolles Event sein können, das aber vom Gejammer zerstört wurde. Eigentlich konnte man da schon sehen, wo es mit WotLK hingehen sollte. Eigentlich gruselig, wenn ich mir das so rückblickend betrachte.

# Wie gefiel Euch der neue Kontinent Nordend?

Die Welt war schön und mir hat sogar das Patchwork-Design der Tundra gefallen. Meine persönliche Lieblingsmap war aber mit Abstand Sholazar, Grizzly Hills und auch Dragonblight – ja, das Eis-Design ist nicht so meins. Sicherlich waren Icecrown und Stormpeaks interessant, episch und gewaltig, aber gerade dort fand ich das Design eher befremdlich und dass man so gar nicht mehr ohne Flugmount weiter kommt, war sehr ätzend, denn ich bin jemand, der eigentlich gerne auch mal durch die Gegend läuft oder reitet. Dass ich in Icecrown und Stormpeaks aber zum Fliegen häufig gezwungen war, störte mich massiv.

# Was hat Euch am meisten an WotLK gefesselt?

Das Questen auf die 80 war wunderschön. Die Quests waren abwechslungsreich, die Gegenden spannend und die Geschichte interessant. Ich habe mich immer wieder gefreut, wenn ein Twink in den 80er Bereich kam und ich meine irgendwann gefundene Route durch „Fjord/Tundra, Dragonblight, Grizzly Hills und am Ende Sholazar“ gehen konnte. Besonders die letzten beiden Maps waren für mich immer der Level-Höhepunkt. Fjord und Tundra sind mir irgendwann recht bald auf den Keks gegangen.

Ebenso empfand ich Ulduar als ungeheuer interessante Instanz. Gewaltig, episch, dramatisch. Zwar waren es mir ein wenig zu viele Titanen, aber das geht natürlich bei den Alten Göttern schwerlich anders. Der Endkampf gegen Yogg-Saron war meiner Ansicht nach der schönste Kampf in WotLK – traurig, dass wir ihn nie bezwingen konnten bis ich mein Abo gekündigt hatte. So viele Lichter, so viel, was gleichzeitig passiert; das nenne ich Endboss und meiner Ansicht nach eigentlich der einzige wirkliche Endboss in WotLK (ja, auch Arthas empfand ich als schwächer von der Stimmung und dem Design). Zwar steht Yogg-Saron natürlich deutlich hinter einem C’thun, aber wenn ich so rückblickend mir alles ansehe, dann ist Ulduar und Yogg-Saron für mich persönlich das WotLK-Raid-Highlight gewesen. Allein der Trailer zu Yogg-Saron! Ich glaube, der hat sehr viel ausgemacht, um dieses Gefühl in mir entstehen zu lassen.

# Was gefiel Euch überhaupt nicht in WotLK?

Jeder, alles, schneller, wertloser – das trifft es ziemlich genau. Irgendwie war nichts mehr etwas wert, so dass ich irgendwann wirklich mir die Sinn-Frage gestellt habe, wieso eigentlich? Das ist an sich sowieso schon eine blöde Frage bei einem Computerspiel und einer virtuellen Welt und ich bin eigentlich jemand, der da normalerweise nicht nach dem Sinn fragt, aber mir haben ganz einfach die bleibenden Werte gefehlt. Das war auch, was mich letzten Endes zum Kündigen meines Abos geführt hat.

An sich denke ich kaum, dass es nur die Item-Spirale war. Es war irgendwie die ganze Mentalität drumherum. Denn eine solche Item-Spirale hatten wir auch von Classic auf BC und von BC auf WotLK, aber keine davon war so massiv und ich denke, das lag hauptsächlich daran, die Inhalte wirklich für alle zu öffnen. Das haben sie gegen Ende von BC zwar auch gemacht, aber nicht ganz so sehr wie in WotLK.

Das schockiert mich eigentlich, denn ich empfand gerade dieses „Inhalte für alle öffnen“ und „Bring the player not the class“ als wirklich gute Grundsätze, für die ich applaudiert habe. Aber wir alle machen Fehler und mein Fehler war wohl, die Gefahr davon zu unterschätzen. „Bring the player not the class“ hat meiner Ansicht nach auch für den Einheitsbrei der Klassen und den „wir rennen durch alles durch“ verschuldet – nicht direkt, aber indirekt. Denn man musste noch weniger auf irgendwas achten, denn jeder konnte irgendwie alles.

Das hat natürlich dann auch dazu geführt, dass Entscheidungen weniger wert waren, denn welche Entscheidungen waren denn schon noch zu treffen? Es musste eigentlich kaum noch eine Auswahl getroffen werden – die Auswahl, die dann letzten Endes getroffen wurde, ging anfangs stur über DPS, später über Gearscore und die ganze Seuche, die da auch noch danach irgendwie folgte, womit wir auch beim nächsten Punkt sind, der mir massiv aufgestoßen hat und sicherlich mit Teilschuld daran war, dass ich aufgehört habe.

DPS-Meter, Gearscore, ich verfluche euch! Möget ihr nie wieder in UI-Gefilde vorstoßen dürfen! Ihr seid die Seuche der MMOs und meiner Ansicht nach mitverantwortlich für den Niedergang eines tollen Spiels und einer akzeptablen Community.

Ganz am Rande zu erwähnen sei noch das Recyclen von Content. Dazu aber gleich mehr.

# Wie fandet Ihr die Instanzen? – Design & Spielerisch bitte getrennt

Kleiner Kommentar vorneweg: Ich vermute, dass damit einerseits optisch gemeint ist und dann wie die Spielmechanik gemeint ist. Mir fällt es aber ungeheuer schwer, „Design“ und „Spielerisch“ zu trennen, denn für mich gehört das wirklich zusammen. Daher ist mein Fazit dazu wohl ein wenig verkuddelter, als es sein sollte.

Durchweg schöne Instanzen vom Design her und auch spielerisch gut gemacht. Im Gegensatz zu vielen sehe ich die normalen Dungeons in WotLK nicht als das Problem des Add-Ons an. Sie wurden irgendwann ungeheuer einfach, aber das lag am Gear und das war früher auch schon so. Damit habe ich kein Problem und dieses ständige Gejammer darüber, dass es keine Herausforderung mehr wäre, konnte ich größtenteils nicht nachvollziehen und kann es immer noch nicht. Das Problem waren nicht die Gruppen-Instanzen an sich oder deren Heroic-Mode, das Problem war das irgendwann verhunzte Spieldesign in WotLK und die Community-Mentalität drumherum.

Die Instanzen selbst waren auf dem gleichen Equip-Niveau ansprechend und spielerisch nett.


# Wie fandet Ihr die Raidinstanzen? – Design & Spielerisch bitte getrennt

Naxxramas war doof und Onyxia war frech. Was hätte man tolles aus Onyxia reborn machen können! Ich hatte es schon einmal gebloggt: Deathwing hängt schließlich mit dem Infinite Dragonflight und den HdZs zusammen. Was hätte dagegen gesprochen, dass storytechnisch dem Infinite Dragonwarm und somit Deathwing es gelungen wäre, die Vergangenheit doch einmal zu ändern und im Zuge dessen lebt Onyxia wieder? Aber nein, das hätte ja die Geschichte interessant fortgesetzt und sich in die Welt eingebettet. Doch in die Welt einbetten hat man leider nach den Quest-Gebieten kaum noch gesehen. Genauso hat es mich ungeheuer enttäuscht, was für ein Potenzial im Wyrmrest-Tempel verschenkt wurde. Auch den hätte man so wunderschön storytechnisch aufarbeiten und zum Add-On mit Deathwing hinarbeiten können. Zwar kann man das immer noch im Add-On, aber meiner Ansicht nach hätte das bereits in WotLK kommen müssen.

Sowohl vom Design als auch spielerisch waren Naxxramas als auch Onyxia eigentlich eine Frechheit, denn beides hat mir schon zu Classic-Zeiten nicht mehr gefallen und ich war froh, als es irgendwann vorbei mit denen war. Ausgerechnet die dann wieder zu sehen, hat mir sogar ein paar schöne Erinnerungen daran zerstört, denn die Erinnerung an beides war „episch“. Das ist nun angeknackst, weil ich den Easy-Mode damit eher verbinde, als meine tolle Zeit mit HfT und Ara in Classic, die wir in Naxx und bei Onyxia verbracht haben.

Übrigens fand ich persönlich das Kolloseum des gelangweilten Kreuzfahrers gar nicht so schlimm. Das Design war dreist mit dem einen Raum, aber die Valkyren und Anubarak gehörten für mich zu den wenigen wirklich interessanten Bosskämpfen, die beim Spielen auch einfach Spaß gemacht haben.

Ulduar war spitze! Schon allein die Mechanik, dass man die Hard-Modes freispielen muss und nicht einfach anschaltet, hat mir wesentlich besser gefallen als das später. Dadurch hatten die Boss-Kämpfe durchaus eine gewisse Finesse, selbst wenn man die Hard-Modes nicht aktiviert hat und häufig war es schon ein kleines Erfolgserlebnis, überhaupt in den Hard-Mode zu kommen. Das war noch einmal so ein wenig der Geist der alten Zeit, der Hauch des alten WoWs, das ich so geliebt habe und immer noch liebe. Doch der wurde leider vom eisigen Wind in Nordrend auf Dauer weggefegt.

# Was empfindet ihr jetzt zum Ende von WotLK im Vergleich zum Ende von BC?

Trauer – mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich habe wenig Hoffnung, dass sich mit Cataclysm etwas ändern wird und es hat mich ungeheuer traurig gemacht, dass ein Add-On, für das ich anfangs so euphorisch war, das mir so ungeheuer viel Spaß gemacht hatte, gerade das Leveln, das Questen, die Instanzen, dass ausgerechnet dieses Add-On zu meiner Kündigung am Ende führte. Der Zorn des Lich-Königs hatte nämlich noch ein paar mehr Waffen auf Lager als nur den Bosskampf und mit diesen Waffen hat er meine Spiellaune leider auf Dauer gewiped.

# Was hätte in WotLK besser gemacht werden können?

Wertigkeiten! Darüber habe ich schon viel geschrieben, aber es läuft immer wieder darauf zurück: Mit WotLK wurde alles wertlos – und damit auch das Spiel und das Spielgefühl. Nichts, was man machte, hatte einen dauerhaften Wert. Der einzige Wert, den man noch hatte, war mit netten Leuten Abenteuer bestehen, aber auch das wurde auf Dauer kaputt gemacht, denn was konnte man denn noch für Abenteuer bestehen, wenn alles so ein Einheitsbrei wurde?

Das letzte Mal, dass ich ein tolles Spielgefühl in WoW hatte, war im Kampf gegen Yogg-Saron. Ich habe mit Cungwaew da gestanden, umringt von Tentakeln, alles um mich herum hat geblitzt und ich „war“ in meinem Charakter und hörte im Hinterkopf die Stimme Jainas: „Who will be our hope?“ und dann der Satz danach von Ronin: „Who will stand and face Yogg-Saron?“ Das ist, was ich erleben will. Doch danach kam nichts mehr.

Danach ging es nur noch um Items, Items, Items – aber auf so eine pervers paradoxe Weise, denn die waren nichts mehr wert. Das Spielgefühl war nicht mehr da. Wo war dieses erhebende Gefühl, wenn ich mit Elyssa und den tollen Leuten von Ara Agrippina auf dem Plateau im Black Temple gestanden habe, Illidan über uns schwebte und uns mit Feuerbällen bombardierte? Da war ich wirklich im Charakter und erlebte ein Abenteuer! Aber alle Encounter ab Kolloseum waren vielleicht spielerisch spannend designt, aber mir fehlte dieser Kick, dieses erhebende Gefühl, das ich in der Vergangenheit davor so häufig hatte.

Das hätte es besser machen können – für mich. Aber ich denke, für einen Großteil der Spieler ist das unwichtig. Aber für mich nicht; nur ich gehöre anscheinend zu einer aussterbenden Spieler-Art. Ich würde mich zu eigentlich dem ursprünglichen Zielpublikum von MMOs zählen – der klassische Rollenspieler. Ich muss noch nicht einmal in-character in einem MMO sein, denn WoW habe ich nie so wirklich auf einem Rp-Shard gespielt. Aber das Gefühl muss stimmen, die Charakter-Immersion kann trotzdem vorhanden sein und das war WoW bis WotLK gelungen – sogar noch in WotLK bis Ulduar, aber danach eben nicht mehr.

Dazu gehört auch: Die Geschichte war die große Stärke von WotLK, aber auch seine große Schwäche. Seht euch den Ulduar-Trailer an.So großartig! Gänsehautgarantie!

Das sind die Sachen, die mir gefallen und worin WotLK so großartig war, denn das war wie das Ende von BC. Erinnert ihr euch noch an das Ende von BC? Black Temple und der Trailer dazu oder Sunwell? Das ist genau das, was ich meine: Das ist die Seele von WoW gewesen, die es für mich so überaus spielenswert gemacht. Sie haben das mit Wrathgate in WotLK fortgesetzt, mit Naxxramas aber schon gemogelt. Mit Ulduar haben sie es aber noch einmal geschafft und ich dachte, dass Naxx eben nur ein Ausrutscher war oder ein zeitlicher Engpass. Aber bis zum Schluss haben sie es nicht mehr hinbekommen – und auch die Arthas-Sequenz empfinde ich dahingehend eher schwach, denn das ist kein Vergleich zum Ulduar-Trailer oder diesen Sachen hier:

Diese Seele von WoW wurde verkauft – an die Dummheit und die Gier der Spieler. Hätten sie mehr davon gebracht, dann wäre mein Abo vermutlich nicht gekündigt. Denn was zurückgeblieben ist, ist eine seelenlose leere Hülle; zumindest für mich.

Was ist aus dem WoW nur geworden, das solche großartigen Videos und Stimmungen hatte?

Ach ja, und gebt mir die Prequests wieder. Bitte!

# Persönliches Fazit:

Es ist schade, dass ich mit WoW mittlerweile nur noch schöne Erinnerungen, aber ein mulmiges Gefühl verbinde. Das sollte nicht sein. Ich werde mir bestimmt Cataclysm ansehen, aber ich befürchte, dass WotLK einen massiven Einschnitt sowohl in der Community-Haltung signalisiert hat als auch im Spieldesign und dass dieser Einschnitt der Punkt ist, an dem sich die Wege von mir und WoW wohl auf Dauer trennen.

Mir wird das Leveln in Cataclysm sicherlich Spaß machen, wenn ich es denn irgendwann mal machen werde, aber nochmal werde ich mich auf das Spiel wohl nicht mehr so einlassen wie früher. Dafür wurde das Wichtigste für mich irgendwie kaputt gepatcht: Die Community und die Stimmung.

WoW war ein tolles Spiel, ich verbinde viel mit ihm, aber es macht mich traurig, dass ich rückblickend eher Enttäuschung empfinde. Vielleicht wird diese Wunde mit ein wenig Abstand und Zeit heilen. Sollte es wirklich passieren, dass wieder mehr Seele in WoW zu finden ist, Entscheidungen, die wirklich Entscheidungen sind, Werte, die wirklich Werte sind, dann komme ich vielleicht auf Dauer wieder zurück, denn WoW ist eigentlich ein tolles Spiel. Aber ich habe jegliches Vertrauen in Blizzard/Activision verloren.

Abschließend kann ich ironischerweise nur Akama aus dem Black-Temple-Trailer zitieren, denn so fühle ich mich und als ich eben den Trailer noch einmal gesehen habe, musste ich an meine Beziehung zu WoW denken und das, was ich darüber mittlerweile denke:

„I prefer to remember the temple as it used to be – not the abomination it has become.“

Das trifft es – ziemlich genau sogar. Ich hoffe, ihr versteht es nicht falsch. Ich möchte WoW auch nicht schlecht reden, auch wenn in diesem Blog-Beitrag nun viel Gemecker war. Das liegt aber daran, dass das Spiel mir mal viel bedeutet hat und ich es eigentlich immer noch mag und es einfach frustig ist, darüber nachzudenken, was daraus geworden ist und die Befürchtung, dass sich nichts ändern, sondern alles nur verschlimmern wird.

One thought on “The abomination it has become

  1. Schönes Zitat – das trifft es doch ziemlich genau auf den Punkt.

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