The Frighteners

Am Freitag hatte ich ein Erlebnis, der vorhersehbaren Art: Ich bin auf der Autobahn und hinter mir drängelt jemand mit Lichthupe und links und rechts fahren – wie man es so kennt. Der Witz war, dass es zähflüssiger Verkehr war, ich also nicht wirklich viel schneller fahren konnte, ohne meinem Vordermann in den Kofferraum zu kriechen. Aber da mir der weiße Wagen hinter mir auf den Keks bin, wechselte ich die Spur und ließ ihn vor mich.

Da war er dann auch sicherlich geschlagene zehn Minuten – er kam also ähnlich wenig an den Autos vor mir vorbei wie ich. Aber das Drängeln musste ja sein und er führte es auch schön konsequent weiter: Fuhr auf die rechte Spur, versuchte zu überholen, klappte nicht, dann die linke Spur, klappte auch nicht, auf der gleichen Spur immer mal wieder links und rechts. Irgendwann verlor ich ihn dann wirklich aus den Augen, denn irgendwie gelang es ihm dadurch, sich vorzudrängeln. Ich hätte ihm am liebsten noch ein: „Das wird noch böse enden“ mit auf den Weg gegeben.

Ungefähr eine halbe Stunde später kam es zum Stau. Also richtig „Stau“ – so mit „es geht nichts mehr voran für fünf Minuten“. Mein Navi zeigte mir an: „2 km, stehender Verkehr – Spuren gesperrt“. In der Mitte fuhren dann auch irgendwann ein ADAC-Wagen vorbei und später dann ein Abschleppwagen. Ich stand eine geschlagene dreiviertel Stunde in diesem Stau und als ich an das Ende kam, ratet mal, was ich da sah: Ein Kleintransporter lag im Graben, lauter Kleidungsstücke, die er geladen hatte, im Gras daneben und auf dem Abschleppwagen stand ein weißer Wagen, vollkommen ramponiert.

Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es wirklich genau das Auto war, aber Farbe und Größe und Fahrweise könnten erschreckend zusammenpassen. Die Feuerwehr stand noch drumherum, nur ein wenig irritierte mich, dass bei dem Zustand des ramponierten Wagens kein Krankenwagen da war. Entweder der war von der anderen Seite gekommen und schon weg oder es war sowieso hoffnungslos.

Eigentlich sollte ich in diesem Moment schadenfroh sein und ich muss gestehen, als dieser Depp hinter mir drängelte und sich vorschlängelte, dachte ich mir noch: „Na, hoffentlich wirst du geblitzt und von der Polizei rausgezogen!“ Aber das? Nein, so richtig schadenfroh kann ich da nicht sein. Ich bin nur erschüttert und traurig über die Dummheit der Menschen und dass sowas Auto fahren darf – oder durfte.