Das Kassandra-Syndrom

Es ist frustrierend, Recht zu haben. Es ist fürchterlich, immer wieder Leute die gleichen Fehler machen zu sehen, auch wenn man versucht, ihnen zu helfen und sie zu warnen. Aber wird auf mich gehört? Nein.

Ich liege sicherlich auch nicht immer richtig und habe auch schon falsche Vermutungen gehabt. Aber zum Großteil eben nicht. Woran das liegt? Ich weiß es nicht. Vielleicht beobachte ich einfach nur genauer als andere Leute. Vielleicht kann ich mich besser in andere Menschen hineinversetzen – das traurige Los eines Empathen.

Natürlich denkt jetzt wieder jeder, dass etwas Spezielles passiert ist; vermutlich ausgerechnet heute. Nein, ist es nicht wirklich. Eigentlich passiert schon seit Wochen so einiges um mich herum an ganz verschiedenen Schauplätzen, sei es virtuell oder nicht-virtuell. Und überall wird nicht auf mich gehört, auch wenn ich ganz klar eigentlich immer sage, wie dies oder jenes laufen wird.

Ich wünschte, ich würde nicht Recht behalten – ehrlich. Es schmerzt mich dann immer, wenn die Sachen wirklich genau so eintreffen, wie ich sie prophezeit habe. Mir bleibt ein gehässiges Lachen dann jedes Mal im Hals stecken, denn ich will nicht, dass es so ausgeht und ich könnte dann sagen: „Ich habe es doch gesagt.“ Aber wie Alfred in „The Dark Knight“ will ich es dann nicht – mehr.

Häufig werden meine Voraussagen belächelt. Ich sei zu empfindlich, ich reagiere über, ich überinterpretiere maßlos. Mag sein, dass alle diese Punkte zutreffen, aber trotzdem führen sie dazu, dass ich diese Sachen erkenne, für die andere Menschen anscheinend blind sind.

Da es momentan an verschiedenen Orten in der letzten Zeit gipfelte in genau solchen Entwicklungen, wie ich sie vermutet oder sogar prophezeit habe, schleicht sich bei mir eine ungeheure Müdigkeit gerade ein. Die wird bestimmt wieder vergehen. Ein Kind von Traurigkeit bin ich schließlich auch nicht, auch wenn ich gerne mal jammere. Wobei dieses Blog sowieso nur einen Teilausschnitt meiner täglichen Gedanken abbildet.

Trotzdem ist es so frustrierend, zu sehen, wie Leute in ihr Verderben laufen – häufig mit Ansage. Ebenso frustrierend ist dieses Bewusstsein: „Wenn ich nicht mehr da bin, dann wird es genau so laufen, wie ich es befürchte, denn niemand ist da, der dagegen steuern kann – denn niemand sieht es.“ Ich will nicht, dass es von mir abhängt. Ich habe keine Lust mehr dazu. Ich will nicht immer den Karren aus dem Dreck fahren müssen; nicht allein. Ich will, dass man mir einfach einmal zuhört – und glaubt.

„The hardest thing in this world is to live in it.“ (Buffy)