My soul bears the burden of my misjudgment

Alle Welt spielt nun wieder das WoW-Addon – nur ich nicht. Ich denke nicht, dass es mir keinen Spaß machen würde. Ich kann mir sogar sehr gut vorstellen, wie viel Laune mir das Questen in den neuen Gebieten machen würde, wie viel Spaß ich an den neuen Rassen hätte und so weiter. Wieso spiele ich dann aber nicht?

Ich habe Angst. Natürlich glaube ich allen Leuten, wie toll die neuen Gebiete geworden sind, wie abwechslungsreich die Questen, wie toll es sich spielt. Aber ich bin skeptisch, denn WotLK fing für mich genauso an. Ich hatte einen so unglaublichen Spaß und war vollkommen geflasht von Northrend. Das Leveln hat mir so viel Freude gemacht, dass ich (normalerweise Main-Spieler) plötzlich sechs Charaktere auf 80 hatte und noch einige kurz davor standen.

Doch dann passierte etwas, das ich so nicht kommen sah: Irgendwas veränderte sich im Spiel und brachte mich dazu, nach so langer Zeit (immerhin seit Release) meinen Account zu kündigen. Selbst als ich damals meine Magisterarbeit geschrieben hatte, habe ich meinen Account nicht gekündigt, obwohl ich über ein Jahr nicht eingeloggt bin und nicht sicher war, ob ich jemals wieder spielen würde. Aber hier war plötzlich eine Grenze für mich erreicht, an der es auf einmal keinen Spaß mehr machte und die zog ich – und das schockierte mich. Dieses Addon, das mir am Anfang so ungeheuer viel Spaß gemacht hatte, hatte plötzlich zu meiner Account-Kündigung geführt.

Ich war überrascht, denn mit all dem hatte ich nicht gerechnet. Wer meine Blog-Einträge aus der Zeit kennt weiß, wie Feuer und Flamme ich war; und mit einem Mal war sie erloschen – erstickt. Das ist der Grund, warum ich zur Zeit nicht – wie anscheinend die halbe MMO-Welt – WoW wieder anfange. Ich sitze da und lese die Berichte und ein wenig neidisch bin ich schon – und auch neugierig. Aber dennoch zögere ich, denn diese Angst, dass sich all das aus WotLK wiederholt, kann ich irgendwie nicht überwinden.

Aber bringt es das wirklich, sich von der Angst beherrschen zu lassen und diesen Teil auszulassen, der mir bestimmt Freude machen? Denn, wie schon erwähnt, das Questen wäre sicherlich genau mein Ding. Nein, das ist sicher keine Lösung und ich werde bestimmt auch Cataclysm spielen, denn ich will es mir ansehen; aber nicht jetzt. Momentan ist bestimmt alles überfüllt und bei jeglichen euphorischen Aufschreien zucke ich zusammen, denn ich fühle mich an WotLK erinnert – und irgendwie hat WotLK so einige Narben in meinem Spielerherzen hinterlassen, die so schnell nicht verheilen werden.

Mal schauen, vielleicht hole ich mir irgendwann im Januar eine Game-Time-Card – auch wenn ich überrascht feststellen musste, dass es bei Amazon anscheinend nur 60-Tage-Karten gibt. Dabei würde ich am liebsten nur 30 Tage spielen, denn das ist ein abgegrenzter Bereich und ich denke, dadurch könnte ich meine Angst minimieren.

Bitte versteht es nicht falsch, denn ich möchte WoW und das neue Addon wirklich keinem schlecht reden – sondern mir nur diese merkwürdigen Gefühle von der Seele tippen. Denn so recht weiß ich auch nicht, was ich damit anfangen soll, wie ich damit umgehen soll und woher das genau kommt. Ich könnte noch nicht einmal genau den Finger darauf legen, was es genau ist, was in WotLK zu meiner Account-Kündigung geführt hat.

Als erstes fällt mir da natürlich die fehlende Wertigkeit von so ziemlich allem ein, dann natürlich der Niedergang der Community – aber ob es das wirklich ist, was mich momentan vor Cataclysm zurückschrecken lässt, wie ein gebranntes Kind das Feuer? Ich habe einfach mein Vertrauen verloren, die Unbeschwertheit, mit der ich spielen konnte. Das wurde mir von Blizzard einfach unter den Füßen weggezogen und so schnell kommt das nicht mehr wieder – glaube ich.

Vermutlich spielt auch mit rein, dass WoW mir eigentlich immer noch so einiges bedeutet. Aber: „I prefer to remember the temple as it used to be, not the abomination it has become.“ (Akama im „Black Temple“-Trailer) Ich kann nicht häufig genug betonen, was für eine wunderbare Allegorie der „Black Temple“-Trailer ist.

Ich fühle mich wirklich wie Akama in diesem Trailer und WoW ist der Tempel, der überrannt wird, korrumpiert wird, zerstört wird und egal, was man macht, man tauscht nur einen dunklen Herrscher gegen den nächsten. Wie Gul’dan mit ungeheuerlichen Mächten spielt und damit die Welt zerstört (die Entwertung von allem) und Akamas Leute zu heimatlosen Nomaden werden (die MMO-Nomaden, die sich auf jedes neue MMO stürzen, in der Hoffnung eine neue Heimat zu finden), die wieder nach ihrem Glück suchen und noch so viel mehr passt in diesem Trailer zur wirklichen Entwicklung WoWs. Es ist traurig, so viele Parallelen darin zu sehen. Aber genau wie Akama werde ich warten. Nur bezweifle ich, dass es das Happy End aus dem Spiel geben wird.

8 thoughts on “My soul bears the burden of my misjudgment

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Der Reiz, das Addon anzuschauen, ist da. Aber dann erinnere ich mich an das Loch im April 2009, das da plötzlich aufklaffte, denke an den notwendigen Battlenet-Account und dann schluck ich die ganze trarige Erinnerung hinunter.

    • Der Battlenet-Account ist es bei mir sogar weniger, denn durch mein SC2-Spielen habe ich den immerhin schon. Auch die Angst vor der Sache mit der Real-ID ist es irgendwie weniger, als vielmehr, was mit der Community gemacht wurde und was im Spiel passierte.

      Übrigens, Montbron: Nicht wundern, wenn deine Kommentare manchmal nicht direkt da sind. Ich habe dich zwar jetzt schon mehrfach freigeschalten, dass ich dich nicht mehr freischalten muss, aber aus irgendeinem Grund meint mein Blog immer, deine Kommentare als Spam zu kennzeichnen. Ich sehe im Spam-Ordner zwar regelmäßig nach und schaufele falsch markierte Sachen raus, aber manchmal dauert es eben bis ich da reinschaue. Keine Ahnung, warum mein blödes Blog deine Kommentare falsch markiert.

  2. BTW: im Blizz Shop selbst gibt es Spielzeit auch für nur 30 Tage zu kaufen.

    • Ah, gut zu wissen. Denn 60 Tage wäre mir wohl doch für den Anfang zu viel gewesen. Aber so wäre das doch eine Möglichkeit. Abo will ich jedenfalls (vorerst) nicht noch einmal machen – schon allein aus Protest.

  3. Wenn man lange Zeit nicht mehr aktiv war, bekommt man meines Wissens nach auch eine 7 Tage Option für eine Wiederkehr, kostenlos. Bei dem Account meiner Tochter war das schon zweimal der Fall bisher.

    Und zum Thema: ich kann vieles aus deinen Gedanken mittlerweile (leider) nachvollziehen. Ich habe zwar das AddOn und ich hoffe immer noch auf künftige gute Spielzeiten, aber es drückt etwas auf meine Spieler WoW-Seele. Wie auch immer du dich entscheiden wirst Holger, ich wünsche dir dabei den Spaß, den du finden möchtest und den man zum Spielen braucht.

    LG Petra

    • Ich hoffe auch immer noch auf gute Spielzeiten – ich glaube, diese Hoffnung werde ich unverbesserlicher Idealist niemals aufgeben; auch nicht in WoW. Den Spaß wünsche ich uns allen, also auch dir und Andy und den Anderen. Auch wenn ich weiß, dass ich ja am Ende auch nicht immer der Einfachste bei uns im Grüppchen war. ;)

      Würde mich jedenfalls freuen, wenn ich mal wieder reinschaue, egal ob bei meinem Brüderchen auf Destro oder bei euch auf Gilneas, dass wir dann einfach Spaß haben – zusammen. :)

      Also nicht wundern, falls dann irgendwann mal wieder der „Cung“ anklopft, auch wenn ich vermute, dass es noch eine Weile dauern wird, denn genug zu tun habe ich natürlich noch – mittlerweile ja auch sogar eine ganze Rp-Legion in Aion und nur wenn ich die nicht vernachlässige und ein wenig Zeit über habe, würde ich wohl auch wieder mal den ein oder anderen Schritt in WoW machen – wenn auch vermutlich nicht mehr. Aber vielleicht langt das ja schon, um mal wieder was zusammen zu machen. Würde mich freuen.

  4. Ja, ich kann Dich verstehen. Wir sind ja gerade bei WoW sehr oft einer Meinung. Ich hatte auch Angst. Vor der Welt-zerstörung, vor Zerstörung von Erinnerungen, vor was weiß ich. Dann kommt natürlich noch auf Destromath die angespannte Level-Situation für Allianzler dazu.

    Aber es hat sich etwas erstaunliches herauskristalisiert: Nochmal die letzte Chance mitgenommen vor Patch 4.0.3a, nach Zul’Gurub zu gehen. Dort verabschieden. Dann noch einen Ritt in den Sonnenuntergang im alten Brachland, und letztendlich ausgelogt bei Koiter, wo mein Paladin das Shattering erleben sollte (ich denke Du kennst die Bedeutung von Koiter). Ich habe mir fest vorgenommen: Wenn mein Paladin wieder aufwacht, äh, ich einlogge, und Koiter ist nicht mehr vor mir, dann breche ich endgültig mit dem Spiel.

    Aber Koiter war noch da. Und ich ritt durch das neue Azeroth, und ich hatte wieder diesen „Aha! Wie geil! Was ist das?“-Effekt, wie ich ihn vor über 5 Jahren hatte. In der Zeit von Patch 4.0.3a bis Release habe ich die Welt erkundet mit dem Pala, die Desolace-Questreihen gemacht (sehr geile Story!), und bin wieder angefixt. Keinen Gedanken an Zul’Gurub verschwendet, und aber auch nicht das Gefühl gehabt, ein neues mir völlig unbekanntes Spiel oder Welt vor mir zu haben.

    Leider ist es wirklich verdammt gut geworden, was sie da gemacht haben, auch und gerade von der Dimensionierung der Änderungen her. Wirklich „leider“, denn ich hatte gehofft, ich könnte weiterhin in das Horn blasen, was ich in WotLK oft genug benutzt habe.

    Dann war gestern Release, und für Allianz auf Destromath nicht wirklich an Leveln zu denken. Also dachte ich mir, ich mache mal einen Worgen. Spiel mal ein paar Level, bis die Kinder ins Bett müssen, um dann mit dem Pala die neuen Gebiete zu erkunden. Und der Worg hat soooo viel Spaß gemacht. Das Anfangsgebiet ist Hammer, es wird nicht mit Story, Effekten und NPC/Terrain-Phasing gegeizt. Ich bin hin und weg :) Das Ende vom Lied war: Der Worg ist Level 16, und mein Paladin hockt immer noch in IF *hust*

    Ich hab ja Zeit. Viel Zeit für Spaß, und es fühlt sich so an, als ob es Spaß machen wird. Die epische Levelerfahrung von WotLK wird es glaube ich nicht geben, auch wenn ich selbst noch nicht in den neuen Gebieten außer Gilneas natürlich war. Denn viele sind schon Level 85, das scheint also lange nicht so eine umfangreiche Erfahrung zu sein, wie beim letzten Addon. Sprich: Das Leveln ist nicht im Vordergrund. Aber was ich in Gilneas und Desolace festgestellt habe: Es sind wieder die kleinen Geschichten, die kleinen Storys, schön ausgemalt, die so richtig Spaß machen.

    Irgendwann im Bäld mache ich auch mal einen längeren Blogpost dazu, aber das schonmal vorab meine ersten Eindrücke für Dich :)

    • Ich bezweifle ja auch nicht, dass es mir ganz genauso gehen wird wie dir. Du weißt, dass ich jemand bin, der nicht an der Hand geführt werden muss, um seinen Spaß zu finden. Ich bin da eigentlich schon sehr genügsam.

      Das Problem für mich ist eben nur: All die Euphorie, die in deinem Kommentar steckt, erinnert mich so sehr an meine Euphorie anfangs bei WotLK. Wo das dann endete… naja, wissen wir alle.

      Ich will gar nicht bestreiten, dass es mir genauso gehen wird wie dir. Ich will nur nicht wieder Euphorie und Spaß verspüren und dann wieder in dieses elend tiefe Loch am Ende fallen wie bei WotLK – zumal ich mir nicht sicher bin, ob die Community nicht mittlerweile „totgepatcht“ wurde.

      Das sind alles so Sachen, die mich sehr zögern lassen. Allerdings werde ich bestimmt reinschauen – irgendwann. Ganz bewusst nicht am Anfang, damit ich gar nicht in die Versuchung gerate, wieder „groß ins Raiden“ einzusteigen, an dem ich jederzeit wieder Spaß haben würde. Ich erhoffe mir dadurch den Abstand zu behalten, um besser beurteilen zu können, ob es mir dauerhaft Spaß machen könnte, bevor ich plötzlich wieder in ein elendiges „Tagesgeschäft“ abrutsche und fast schon zu spät merke, dass WoW mir keinen Spaß mehr macht.

      Ach, das ist irgendwie alles schwer zu erklären, aber ich hoffe, es klingt nicht zu wirr und zu möppelnd. Wie ich schon schrieb: ich bin einfach… hin und hergerissen in der ganzen Sache.

      Denn was gibt mir die Sicherheit, dass es nicht einfach genau das gleiche wird wie zu WotLK? Anfang: „Hui!“ Ende: „Pfui!“ – oder so ähnlich. ICC ging ja dann sogar teilweise wieder, aber ich denke, ihr versteht, was ich meine.

      Mal im Januar oder Februar schauen und dann ganz gechillt sich das Addon und die Community anschauen. Denn bei allem Schimpfen über die Aion-Community wünsche ich mir den Trümmerhaufen, den ich noch aus dem Ende von WotLK kenne nicht mehr zurück und irgendwie bin ich skeptisch, ob es wirklich so ein Umdenken in den Werten und Idealen der Community gegeben hat, dass ich und sie wieder zusammenpassen könnten. Und wenn ich nicht in die Community eines MMOs passe… was soll ich dann da?

      Ach… es ist einfach doof.

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