Der Spieleraster

Ein wenig Angst habe ich schon vor dem neuen „Tron“, denn ich befürchte, dass ich ihm keine faire Chance geben kann. Dessen bin ich mir bewusst und wenn ich alle um mich herum höre, wie sehr sie sich auf diesen Film freuen, bekomme ich ein riesig schlechtes Gewissen, dass ich einmal wieder die Cassandra spiele und das nicht ganz so euphorisch sehen kann. Wieso?

Mir ist es am Samstag einmal wieder aufgefallen, als ich den Trailer gesehen habe: Tron war damals ein toller Film für mich, den ich immer wieder und wieder gesehen habe. Er hat auf amüsante Weise das in einen Film gebracht, was ich in meiner C64-Zeit geliebt habe. Er hat sehr liebevoll diese Klötzchengraphik genommen und daraus Spezial-Effekte gemacht, er hat kleinere Anspielungen wie den Diskus gemacht. Das alles hat Tron ungeheuer nahe an die Zocker-Szene gebracht.

Viele Zocker sehen in ihm genau das, was Tron damals war, aber ich bezweifle, dass ihm das gelingen wird. Warum? Die Graphik hat sich weiter entwickelt. Es mag zwar sein, dass es jetzt super imposant aussieht, wenn dieses Fliegegerät da entlang kommt, aber der Charme der Parallele zur aktuellen Spiele-Graphik ist verloren gegangen. An sich ist das kein Problem, denn dann ist die Spielewelt eben einfach die alte, immerhin gelangt der Charakter anscheinend auch den alten verlassenen Spiele-Salon. Natürlich kann man es so sehen, aber für mich fühlt es sich dadurch eher wie ein lauer Aufguss an.

Was ich cool gefunden hätte und was ich vermutlich nicht bekommen werde, ist eine aktuelle Adaption an die Zocker-Welt – so etwas wie der .hack-Anime. Dass einfach die aktuellen Spiele einbezogen werden, dass es bunt ist und knallt und schnell ist. Aber nach all dem sieht es nicht aus. Man hätte es wunderbar modernisieren können, aber so wie es aussieht, wird einfach weiter der Diskus benutzt, obwohl die Diskette schon längst gestorben ist.

Natürlich kann ich mich täuschen, denn – und das ist wichtig – ich habe den Film nicht gesehen. Vielleicht ist auch alles ganz anders und vielleicht haut mich der Film weg. Das sind aber die Gedanken, die mir jedes Mal durch den Kopf gehen, wenn ich einen Tron-Trailer sehe und mir vergeht die Lust ein wenig, ihn zu sehen, denn ich will es echt niemandem madig machen – aber diese Gedanken kann ich auch nicht einfach tilgen. Sie sind da, sie müssen raus – wenigstens hier ins Blog.

Vielleicht tu ich dem Film unrecht – das hoffe ich sogar sehr. Aber ich befürchte, dass der Film einfach nicht das werden kann, was ich gerne sehen würde, egal wie sehr ich versuche, mir zu sagen, dass ich dann eben keine Erwartungen haben sollte. Aber ich habe sie – leider.

Ich wünsche echt jedem, der in diesen Film geht, dass er Spaß haben wird. Mir ja auch! Denn mir macht es auch mehr Spaß, Spaß zu haben. Ich denke sogar, dass ich durchaus unterhalten werden könnte, aber ich gehe bis jetzt davon aus, dass ich eher so das typisch flaue Disney-Gefühl danach in der Magengrube habe, dass ich irgendetwas mit viel Vorhersehbarkeit gesehen habe. Ich wäre aber echt nicht böse, wenn Disney mich mal überrascht – ausnahmsweise.