Insane in the membrane

Walter Bishop ist einfach ein großartig geschriebener und gespielter Charakter bei „Fringe“. Eben haben wir wieder zwei Folgen gesehen, in denen mir das bewusst wurde. Er ist wahnsinnig und genial, er ist verstörend und dennoch der Comic-Relief. Gerade durch diese witzigen Momente wird er aber um so beängstigender, wenn er auf einer bizarren Spur ist, wenn er wieder Visionen hat, wenn er von vollkommen absurden Theorien erzählt.

Zwar hat der Charakter unglaublich schlimme Dinge gemacht, aber dennoch wird er im Laufe der Serie so sympathisch, dass man einfach Mitleid mit ihm hat und ihm auch abkauft, dass er all das bereut. Ich liebe diese zwischenmenschlichen Momente in der Serie zwischen Walter und all den anderen Charakteren, denn es gibt die natürlich nicht nur zwischen seinem Sohn Peter und ihm, sondern natürlich auch mit Astrid und Olivia. Da sind so wunderschöne kleine Szenen, die nichts zur Handlung beitragen, aber den Charakteren Profil geben und mir mit am meisten Spaß machen bei der Serie.

Auch die schauspielerische Leistung ist hervorragend. Allerdings wurde uns auch bewusst, wie schlecht doch die deutsche Synchro an dieser Stelle ist. Wir haben bei der Folge mit dem parasitären Wurm die Stelle uns mal auf Deutsch angesehen, bei der sich Walter in Chinatown  verirrt und dann vollkommen aufgelöst ist. Auf Englisch ist das absolut glaubwürdig, denn man merkt die Verstörtheit und da der Schauspieler sowohl in Gestik, Mimik als auch besonders der Stimme den Wahnsinn perfekt rüberbringt, kauft man ihm das einfach ab.

Auf Deutsch fehlen einfach diese Momente in der Sprachmelodie, wenn Walter zu stottern beginnt, wenn er das „t“ am Ende eines Wortes so massiv betont, wenn seine Stimme sich überschlägt, wenn er mitten in einer Theorie mit genau dem selben Eifer über Erdbeer-Shakes spricht, wie kurz zuvor noch über seine Begeisterung, Leichen zu sezieren. Auf Deutsch ist er einfach nur ein genialer, merkwürdiger Wissenschaftler und dieser Wahnsinns-Aspekt fehlt.

In wie weit wir uns an die englische Stimme einfach nur gewöhnt haben und deswegen der deutschen Stimme all das nicht mehr abkaufen, weiß ich nicht. Das könnte durchaus sein, denn sowas spielt bei der Wahrnehmung einer Synchronstimme auch mit. Dennoch wage ich zu behaupten, dass da dennoch ein qualitativ deutlicher Unterschied ist.

„Fringe“ sollte man daher gerade wegen dem genialen Spiel Walters auf Englisch sehen. Doch nicht nur Walter ist auf Englisch so viel besser, auch Peter kommt viel schlagfertiger und gewitzter rüber, denn immerhin ist das eine Paraderolle für Joshua Jackson, der vielleicht nicht viele Charaktere spielen kann, den ich aber sehr mag, weil er eben diesen „Pacey Whitter“-Typ perfekt spielt. Auch die Stimme von Broyles ist auf Deutsch farblos, während sie im Englischen dem Charakter so viel mehr Profil gibt. Bei Olivia würde ich das sogar auch sagen, auch wenn es bei ihr noch am wenigsten ist, auch wenn ich den Charakter ungeheuer mag und finde, dass er sehr gut besetzt ist.

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