Sie verschwanden von allen Straßen vor langer Zeit

Vor langer Zeit (damals vor’m Kriesch) habe ich mich sehr für die Kenderdarstellung im LARP eingesetzt. Denn das Bild der Kender bei anderen Spielern war fürchterlich. Alle vermuteten hinter jedem Charakter einen pappnasigen Spieler, der nur darauf aus war, andere zu nerven. Leider war das sogar zu einem großen Teil so und was ich da auch teilweise miterleben durfte – fürchterlich. Häufig wurden Kender mit Kobolden in einen Topf geworfen, dabei haben diese beiden Typen nicht viel miteinander gemein, außer dass sie comic-relief-Charaktere sind.

Ich denke, mir ist es damals sogar gut gelungen, das Kenderbild ein wenig zu rehabilitieren. Unter anderem habe ich immerhin auch eine eigene Seite zur Kenderdarstellung gemacht, die allerdings mittlerweile leider mit Werbung vollkommen überladen ist, auch nicht mehr wirklich meinen stilistischen Ansprüchen genügt und ich nicht so recht weiß, was ich damit machen soll. Aber sie ist immerhin besser als nichts.

Dank dieser Seite und auch noch ein wenig vergänglichem Ruhm in der LARP-Szene allgemein bekomme ich hin und wieder auch E-Mails von Spielern, die Tipps wollen. Da bemühe ich mich natürlich zu helfen, auch wenn zwischen heute und meinem letzten LARP doch einiges an Zeit liegt. Es ist sogar noch länger her, dass ich meinen Kender gespielt habe, denn gegen Ende habe ich hauptsächlich andere Charaktere gespielt.

Aber auf Grund einer aktuelleren Mail habe ich mich einmal wieder im Internet so umgeschaut und habe mit Schrecken feststellen müssen, dass das Kenderbild wieder ungeheuer negativ geworden ist. Es ist so fürchterlich! Da kämpft man Jahre lang, versucht Aufklärungsarbeit zu machen, wie ein vernünftiger Kender gespielt wird, der auch anderen Spielern Spaß bringt und dann, wenn ich nach einigen Jahren wieder reinschaue, sehe ich zumindest im Internet nur einen Trümmerhaufen.

Da bin ich natürlich am Überlegen, ob ich nicht meine alte Seite wieder aufleben lassen sollte – denn das, was da noch im Netz ist, das kann ich nur mit leichter Scham als „mal von mir geschrieben“ bezeichnen. Aber ich bezweifle, dass ich die Zeit dazu finde, das noch einmal zu erneuern. Außerdem ist die Frage: Wofür? Ich spiele kein LARP mehr, auch wenn ich es immer wieder gerne mal machen würde. Aber selbst wenn, würde ich wohl auch keinen Kender mehr spielen. Also wäre nur noch Idealismus ein Grund, der bei mir nicht all zu weit hergeholt ist. Aber trotzdem… wieso muss ich eigentlich solche Karren immer aus dem Dreck ziehen? Wieso können das nicht mal Andere machen? Wieso fühlt sich das immer so an, als ob man allein auf weiter Flur kämpft

Ja, so komme ich mir sowieso schon immer vor. Sei dies in der Cthulhu-Szene, sei dies jetzt im Online-Rollenspiel, damals bei LARPs oder von mir aus auch noch in meiner aktiven Schachzeit. Wo sind die anderen Idealisten hin? Wo sind all die letzten Einhörner? Es ist traurig – sehr traurig. Und da wird man natürlich verbittert.

Was kann man nur machen? Damit leben? Will ich nicht – kann ich nicht. Es wird unruhiger in mir. Ich will so gerne die Welt verbessern, ich will so gerne so viel geben, aber irgendwie scheint nichts zu bleiben – oder nur sehr wenig.

Schmetterling, auf all deinen Reisen, hast du noch andere wie mich gesehen? Auch wenn es viele vermutlich als vollkommen überinterpretiert finden, aber die verlinkte Szene ist eine so gute Einsicht in Idealismus und uns Idealisten – denn um nichts anderes geht es an sich im „letzten Einhorn“… jede einzelne Szene. Vermutlich kommt daher auch meine Faszination mit Einhörnern, denn ich fühle mich ihnen ganz einfach so ähnlich. Ich denke, ich muss mir diesen großartigen Film demnächst wieder einmal ansehen – einer meiner Lieblingsfilme, wenn nicht sogar mein absoluter Lieblingsfilm.

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