Es ist jetzt wissenschaftlich bewiesen, dass deine Mutter dich ausgesetzt hat

Wie vor kurzem versprochen nun mein bisheriges Spielerlebnis mit „Portal 2“ – ich möchte aber gleich vorausschicken, dass ich zwar zu dem Urteil „ein gutes Spiel“ komme, aber manche der folgenden Aussagen als Frevel und Ketzerei betrachtet werden könnten. Aber gerade bei diesem Spiel war mir etwas wichtig, was der Thomas letztens auch mal wieder im Hinblick auf Rezensionen und Meinungen gesagt hat: Das Mittelmaß finden.

Spoiler-Cut!

Starten wir also mal mit meinem ersten Gefühl zum Spiel: Es ist nicht das Spiel des Jahres. Ganz davon ab, dass es noch früh ist, wir noch viel zu erwarten haben, aber das Spiel hat mich jetzt nicht umgeworfen. Ich habe es eingelegt, weil ich es „mal“ anspielen wollte und bin hängen geblieben – sehr lange… mehrere Stunden. Ich schalte aktiv Rift aus, um rüber ins Wohnzimmer zu gehen und ein wenig „Portal 2“ zu spielen. Es macht also definitiv Spaß, es fesselt, es ist gut – aber nicht der Knaller für mich.

Ich kenne den ersten Teil nicht. Mag für manche ein Fehler sein, vielleicht würde es mich dann mehr reißen – ich glaube es aber kaum, denn Portal 2 ist ein sehr rundes Spiel, das selbständig für sich stehen kann. Da ich von allen möglichen Seiten zum ersten Teil mehr oder weniger gewollt informiert wurde, fallen mir sogar Referenzen zum ersten Teil auf; was aber ein sehr merkwürdiges Gefühl ist, wenn man den ersten Teil nicht gespielt hat, ihn aber wiedererkennt.

Die Synchronisation im Deutschen ist verdammt gut gelungen. Ich kenne die englischen Stimmen nicht, wobei Marc von der geschwärmt hat, kann aber ähnlich Positives zu der deutschen Synchronisation sagen. Ich schimpfe gerne und viel über Übersetzungen und falsche Stimmenbesetzung – Portal 2 hat aber dabei alles richtig gemacht! Ich habe jedes Mal grinsend vor der Konsole gehockt, wenn Wheatley aufgetaucht ist, den ich einfach liebe. „Ick sprecke in einem Achzent, damit che mick nick chersteht…“ Großartig!

Der Humor des Spiels ist herrlich! Merkt man natürlich in erster Linie in den Dialogen, aber auch in Kleinigkeiten, die man am Rande so schön beobachten kann, wenn man länger an manchen Orten stehen bleibt. Die Bewegungen mancher Roboterarme, die Videosequenzen auf manchen Wänden, die Ausstellungsobjekte und und und… das ist ungeheuer liebevoll und gut gemacht.

Womit habe ich dann aber meine Probleme? Vermutlich ist es einfach nicht mein Genre. Aber eigentlich mag ich solche Puzzle. Ich hatte ungeheuer viel Spaß in der Testanlage von Glados bisher und auch die späteren Tests mit Cave Johnson haben mir Spaß gemacht. Aber ganz ehrlich, was ich vollkommen fürchterlich fand und bei mir zu einer längeren „Portal 2“-Pause geführt hat: Die Sequenzen zwischendurch.

Es war so schön, wie Puzzle um Puzzle gebaut wurde, direkt hintereinander auftauchte und das auch noch glaubwürdig vermittelt und erzählt wurde. Das ging dann ungefähr bis zu der Stelle für mich, bis kurz vor dem „Kampf“ mit Glados. Der Weg dorthin war… mühsam. Nicht, dass ich dort gehangen habe, aber er machte mir einfach keinen Spaß. Da gab es zu viele Stellen, bei denen man eine klitzekleine Stelle für das Portal finden musste und ich übersah sie konsequent. Hat für mich wenig mit dem Logik-Puzzle zu tun, das ich die Stunden zuvor mit Begeisterung gespielt hatte – das war mehr „suche die Maus in diesem Bild“ und das hat mir noch nie Spaß gemacht.

Das gleiche Problem findet sich dann danach, wenn man kurz vor Cave Johnson über ewig lange Stege läuft, riesige Hallen vor sich hat und es sich einfach nur gestreckt anfühlt. Ganz davon abgesehen, dass mir der Teil optisch gar nicht gefallen hat, ich habe mich im Spiel nicht wohl gefühlt. Die Gebiete wirkten einfach still und tot – ja, durchaus passend zur Geschichte. Sowas kann gut sein, wenn es stimmungsvoll und atmosphärisch gemacht ist. Mir hat es einfach die Laune auf das Weiterspielen verhagelt, so dass ich da „gehangen“ habe – aber in erster Linie aus Motivation auf das Spiel. Da hätte man auch ein wenig verspielter sein können mit den Robotern oder Greifarmen, wie an mancher Stelle. So wirkten einige Level für mich aber einfach nur steril – ja, ja, passt ja an sich, aber nur weil es passt, heißt es nicht, dass es Spaß macht… mir zumindest nicht.

Ich kann mich außerdem nicht mit Szenarien anfreunden, in denen ich eine riesige Strecke zurückzulegen habe, riesige Möglichkeiten habe, wo was sein könnte, es aber nur ein Fitzelchen gibt, bei dem man seine Portale setzen muss – und die ist versteckt. Mag sein, dass ich zu ungeduldig geworden bin, um an solchen Sachen Spaß zu haben. Das ging vor fünfzehn Jahren für mich bei einem „Indiana Jones – and the Fate of Atlantis“ oder bei einem „Monkey Island“. Heute macht es mir aber keinen Spaß mehr. Wobei ich da noch nicht einmal sagen würde, ich bin im falschen Genre, denn die Logik-Puzzle haben mir alle sehr viel Spaß gemacht. Nur diese Momente dazwischen kamen mir wie zelebrierte Zeitverschwendung vor.

Noch bin ich nicht am Ende des Spiels angekommen. Ich freue mich trotz allem durchaus auf das Weiterspielen und sicherlich ist das nur ein kleiner Wermutstropfen, aber das ist ein Punkt, der bei mir so viel Unlust auf das Spiel erzeugt hat, dass es für mich zumindest nicht „Spiel des Jahres“ ist, wie es an vielen Stellen meiner Ansicht nach unverdientermaßen gehyped wird. Meiner Ansicht nach ist es weit davon ab.

Gutes Spiel? Ja, definitiv. Den Neupreis wert? Jop! Aber kein „flawless victory“ und damit zumindest für mich definitiv nicht das beste Spiel, das ich dieses Jahr bisher gespielt habe und ich habe die Vermutung, nach dem, was da noch so kommt, es wird auch hinter dem ein oder anderen kommenden Spiel zurückbleiben.

2 thoughts on “Es ist jetzt wissenschaftlich bewiesen, dass deine Mutter dich ausgesetzt hat

  1. Das ist ein interessanter Punkt, der mir auch erst beim zweiten Spielen aufgefallen ist (und der es deshalb nicht in meinen Artikel geschafft hat): wo man in Portal noch so gut wie überall Portale (wenn auch oft sinnlos) setzen konnte, ist man in Portal 2 tatsächlich sehr eingeschränkt, was die Platzierung angeht. Und ja, oft genug verkommt das Rätsel so zu einer Pixelsuche. Aber ich habe dennoch auch (wie im ertsen Teil schon) ein paar Rätesl gefunden, die man auf verschiedene Art und Weise lösen konnte.

    Apropos „flawless victory“: das neue Mortal Kombat wird dir zwar nicht unbedingt gefallen, aber für mich ist das der Prügler des Jahres. Gefällt mir definitiv besser als Marvel vs. Capcom 3.

    • Ja, die Rätsel an sich gefallen mir ja auch sehr gut. Daher haben mir die reinen „Testkapseln“ extrem gut gefallen – anfangs von Glados, später dann von Wheatley. Anfangs fand ich die etwas anderen Rätsel mit Cave Johnson auch nett, aber das war mir dann insgesamt eben doch zu karg.

      Rätsel: Super.
      Pixselsuche: Hat meinen Spielspaß durchaus massiv getrübt.

      Zwischendurch war das sogar so schlimm, so dass ich auch mal eine Zeit lang gar keine Lust mehr hatte, zu spielen. Sobald ich dann aber so eine Stelle endlich wieder überwunden hatte, hat mich das Spiel wieder gefesselt.

      Ganz durch bin ich noch nicht, aber ich vermute, dieses Wochenende knacke ich die letzten vermutlich 1-2 Spielstunden.

      Und ja: Ich glaube, Mortal Kombat ist wirklich einfach nichts für mich. Aber ich bin zur Zeit sowieso nicht so in Beat’em-up-Stimmung. Das einzige Beat’em-up, auf das ich gerade Lust hätte, wäre DoA-Dimensions – aber das gibt es ja nur für das Nintendo 3DS. *sfz*

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