Dramadora!

Ja, ich habe „Toradora!“ am Wochenende zu Ende gesehen. Was soll ich sagen? Geniale Serie! Sie dreht sich um eine Clique von jungen Erwachsenen (um die 18 herum), die zusammen in eine Klasse gehen. Die Hauptfiguren sind dabei die cholerische Taiga und der gutherzige Ryuji. Taiga ist an der Schule als „Handtaschentiger“ (palm-top tiger) auf Grund ihres Temperaments bekannt und gefürchtet. Ryuji hingegen ist trotz seines guten Wesens ebenso gefürchtet, weil seine Augen ihn immer aussehen lassen, als ob er jemandem etwas Schlimmes will. Taiga ist in Ryujis besten Freund Kitamura verliebt, Ryuji in Taigas beste Freundin Minorin und beide schließen einen sehr merkwürdigen und eigenen Pakt, dem Anderen dabei zu helfen. Doch alles kommt ganz anders und wird immer verwickelter.

Die Serie begleitet dieses Grüppchen auf dem Weg zum Erwachsen werden. Anfangs dreht es sich um die üblichen unreifen Liebeleien, doch jeder der Charaktere wächst mit der Serie immer mehr. Wenn man die Serie aufmerksam verfolgt, ist die Richtung nicht sonderlich überraschend, in die es dann irgendwann geht. Wer aufpasst, der kann es sich sogar direkt denken. Aber das tut der Serie keinen Abbruch, denn der Weg dorthin ist so unglaublich gut und mitreißend erzählt, dass es einfach Spaß macht – und einen in die Verzweiflung treibt.

Es geht um Freundschaft, es geht um Masken, es geht natürlich um Liebe, es geht um Loyalität, es geht um Reife, es geht darum, was es ausmacht, erwachsen zu sein und was, es zu werden, es geht um Angst, um Zweifel, um Versagensängste, es geht um das Leben an sich und das wunderschön erzählt. Wer Animes mag, wer mit romantischen Dramen etwas anfangen kann, dem möchte ich wirklich diese Serie wärmstens ans Herz legen. Es gibt auch comic-relief-Momente in der Serie, aber vorrangig ist „Toradora!“ eine ernste, ruhige Serie, die aber in Sachen Charakterbeziehungen und Verwicklungen ungeheuer dynamisch ist und mit fortschreitender Dauer immer mehr an Fahrt gewinnt.

Eine einfach wunderschöne, wenn auch leider kurze Anime-Serie, die mich bewegt. Ich bin überaus traurig, dass ich sie jetzt wirklich zu Ende geschaut habe, aber es ging gegen Schluss nicht mehr anders – ich musste alles am Stück sehen, weil mich jede Folge immer mehr aufgewühlt hat und ich wissen wollte, wie es ausgeht. Aber ich bin mir sicher, dass ich sie mir demnächst noch einmal ansehen werde, denn das war einfach zu gut!

Selbst jetzt noch, zwei Tage, nachdem ich die letzte Folge gesehen habe, muss ich an die Serie denken und spüre so einen inneren Seufzer, der sich auch manchmal ein wenig lauter bemerkbar macht. Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein, wie ich Samstag morgen auf unserem Sofa gesessen habe und scheinbar vollkommen gebannt und verzweifelt die letzten Folgen gesehen habe. Als meine Frau nämlich am Wohnzimmer vorbei kam, sah sie mich eine ganze Weile an und schmunzelte, denn ich muss wirklich leidend dort gesessen haben.

Das war aber auch eine schlimme Szene in dem Moment! Wer wissen will, welche Szene mich so mitgenommen hat, der kann sie sich hier ansehen – aber Achtung: Massiver Spoiler, da die Szene ziemlich am Ende der Serie ist! Vermutlich ist die Szene sowieso kaum zu verstehen, ohne dass ich mit dem Kontext spoile.

Nur so viel (Achtung, Spoiler): Taiga war bewusstlos und hat etwas erzählt, was ihr peinlich ist und was nicht ganz unproblematisch für alle ist – Taiga will die Augen davor verschließen, weil sie Angst hat, dass das ihre beste Freundin Minorin verletzt und sowieso alles kaputt macht, was sie gerade hat. Ryuji hat daher beschlossen, dass sie so tun, als ob Taiga das nur geträumt hätte und es nicht passiert wäre. Nur hatte er es nicht allen gesagt – ausgerechnet Minorin nicht. So eine tolle, aber mitnehmende Szene! Es fängt so harmonisch und schön an und dann… ach, Taiga…

Die Serie ist Charakterdrama pur. Wer Joss-Whedon-Serien wegen der Charakterbeziehungen mochte, der wird auch hier jede einzelne Folge auch lieben. Wer Spaß an „Melancholy of Haruhi Suzumiya“ oder „Love Hina“ hatte und auch ohne abgefahrene Plots und übermäßigen Slapstick leben kann, dem wird diese Serie auch gefallen. Denn im Gegensatz zu all diesen Serien ist „Toradora!“ bodenständig und ruhig. Es gibt keinen übernatürlichen Plot und keine bizarren komödiantischen Einlagen. Aber dafür gibt es so großartige authentische Szenen. Die Serie besticht nämlich durch einfache Momente, die aber unglaublich mächtig im Zusammenhang sind, so dass ich staunend manchmal da gesessen habe. Es wird sich wirklich simpler Mittel bedient, es wird nicht viel gezeigt, nicht viel gemacht, aber um so kräftiger wird das alles dann.

Vieles wird sogar nur off-screen gezeigt – was sehr schade ist, denn es gibt so viele Sachen, die ich wenigstens im Nachhinein gerne gesehen hätte. Bitte nicht falsch verstehen, denn die Serie hat es unglaublich gut gemacht, gewisse Dinge nicht dem Zuschauer direkt zu zeigen, manche Sachen offen zu lassen, so dass man nur darüber spekulieren kann; denn gerade das macht viele Momente so unglaublich toll! Trotzdem bin ich neugierig und würde gerne so viel mehr wissen, wie dies oder das tatsächlich abgelaufen ist, denn ich habe wirklich mit jedem einzelnen Charakter mitgelitten.

Und noch ein Rat: Seht die Serie wirklich auch bis nach dem Abspann an. Ich hätte es der Serie zugetraut, durchaus auf dieser „Moll-Note“ aufzuhören, die zu viele Sachen noch offen lässt – es hätte sogar gepasst. Aber das Ende… ach, das Ende… einfach schön. Ja, ich seufze gerade wieder, denn die Serie ist einfach schön.

Die Serie ist es echt wert, gesehen zu werden und ich würde mich freuen, wenn ich euch neugierig gemacht habe und ihr der Serie eine Chance gebt. Wie gesagt, es ein romantisches Drama – das liegt sicherlich nicht jedem vom Genre her. Aber wer sowas mag, der wird diese Serie lieben! Das verspreche ich!

Jetzt kommt der Spoiler-Cut, denn natürlich will ich ein paar der besten Szenen kurz erwähnen:

Spoiler-Cut!

Eine der ersten „Wow“-Szenen ist für mich das Wettrennen im Swimming-Pool, wenn Taiga für Ryuji kämpft, obwohl sie eigentlich gar nicht schwimmen kann. Taiga und Ryuji hatten bis dahin ein freundschaftliches Bruder-Schwester-Verhältnis, doch ab diesem Moment merkt man, dass da mehr ist und das ist einfach so überaus großartig, auch wenn die Szene gleichzeitig schockierend ist.

Ich liebe den Moment, wenn Taiga Ryuji rettet und dann später über ihm kniet und alle beschimpft und dann… ach, seht es euch selbst an. Wobei man dafür die Serie gesehen haben sollte, damit die Szene wirklich ihre volle Kraft gewinnt:

Auch wunderbar ist der Moment, in dem Kitamura gesteht, dass er Kanou liebt und abgewiesen wird. Ein schrecklicher Moment für Taiga, die in Kitamura verliebt ist, aber deswegen Kanou herausfordert, weil sie Kitamura verletzt hat und sie das so nicht stehen lassen kann. Auf ihre eigene, bizarre Art ist Taiga immer so herzerwärmend mitdenkend und selbstlos – und dann natürlich die tolle Wendung, wenn Kanou gesteht, warum sie Kitamura abgewiesen hat… ein typischer Toradora-Moment.

Mein persönliches High-Light der Serie sind aber die Weihnachtsfolgen, bei der sich all die Dramatik zuspitzt und es dann in einer wunderschönen Szene gipfelt, die mich echt fertig gemacht hat, weil sie schön, aber auch so traurig ist. Taiga will wenigstens an Weihnachten nicht so cholerisch sein, wie sonst immer und will ein „Engel der Liebe“ sein und daher auch Ryuji helfen, das Herz seiner Angeteten Minorin zu gewinnen.

Sie arrangiert alles perfekt und selbstlos, doch Ryuji geht schließlich nicht zu Minorin, da Taiga sich zurückzieht aus Gründen, die ihr zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht bewusst sind. Nein, Ryuji will Taiga einen Gefallen tun, denn er bringt es nicht übers Herz, nach allem, was sie für ihn gemacht hat, dass sie einsam und allein bei der Weihnachtsparty zu Hause sitzt. Daher gewährt er ihr den Wunsch, dass Santa Claus sie wieder besucht, weil sie ein wirklich gutes Mädchen war.

Aus Dankbarkeit schickt Taiga ihn aber fort – zu Minorin. Denn sie will, dass er glücklich ist und seine Chance bei Minorin nicht verhaut. Doch dann… ein ganz großer Moment der Anime-Geschichte, wie ich finde. Zuerst eine so fröhliche Szene, bei der man sich als Zuschauer einfach für beide freut und danach geht es in das schlimmste Gefühlstief, weil man merkt, dass es eben doch alles andere als prima läuft:

So schön! Das Problem: Minorin bekommt das mit und bekommt dadurch ein schlechtes Gewissen, denn Taiga ist ihre beste Freundin, der sie nie Leid zufügen will. Ab da wird es immer tragischer und tragischer und das war der Moment, ab dem ich an einem Stück schauen musste, denn ich hätte es nicht ertragen, nicht alles am Stück zu sehen.

Auch wieder eine wunderbar stille Szene ist, wenn Taiga wieder etwas für Ryuji machen will und dadurch einen Abhang im Schnee herunterfällt. Ryuji und Minorin gehen später auf die Suche, Ryuji findet Taiga und trägt sie nach Hause – doch Taiga denkt, dass jemand anders sie nach Hause trägt und gesteht Ryuji etwas, das er eigentlich nicht hören sollte.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von ein paar Szenen – die Serie hat aber so viel mehr richtig tolle Szenen. Das waren für mich allerdings die persönlichen Highlights. Dabei gäbe es noch so viel mehr: Wenn Minorin den Weihnachtsstern von Taiga aus Versehen zerstört, das Gespräch zwischen Ryuji und Minorin auf der Veranda, die Szene, wenn Taiga ihre Liebe zu Kitamura gesteht und abgewiesen wird, noch mehr als eine Szene mit Ami und so viele mehr.

Auch einfach schön, wenn vollkommen überraschend und unerwartet die „Erzfeindinnen“ Taiga und Ami sich zusammentun, um einen Auftritt für die Weihnachtsfeier zu machen. Aber – wie schon erwähnt – sind die Weihnachtsfolgen sowieso einfach toll!

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