What a shame

Manchmal ist es komisch, wie man sich mit Leuten verstreiten kann, die einem nahe stehen. Nein, es gibt keinen aktuellen Anlass zu diesem Blogbeitrag, nur habe ich mich einmal wieder daran erinnert, dass ich zu diesem Thema schon länger einen Beitrag posten wollte.

Vor einiger Zeit habe ich einen wirklich guten Kumpel über NWN kennengelernt, mit dem ich wirklich viel gemacht habe, den ich häufiger besucht hatte und eigentlich immer Spaß hatte. Wir haben auf der Hochwaldallianz extrem viel zusammen bewegt und waren ein super Team. Dann mussten wir allerdings von der Hochwaldallianz gehen, weil „unsere“ Gruppe so extrem gemobbt wurde, dass wir das nicht mehr tolerieren konnten. Wie ich es in meinem Abschiesposting dort schrieb: „Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muß die Gegend verlassen, wo sie gelten.“ (Goethe)

Zusammen verließen wir diesen Server und nach einem kleinen Umweg mit unserer kleinen Truppe „Aussätziger“ haben wir einen eigenen Server aufgebaut, der bis heute auch noch läuft und mit zu den großen NWN2-RP-Servern zählt. Leider haben wir uns auf dem Weg zerstritten. Nicht wir miteinander – sondern über andere, denn wir hatten andere Ansichten davon, wie mit diversen Sachen umgegangen werden sollte. Eigentlich wollten wir das gleiche, verstanden uns nur nicht – im Nachhinein waren wir einfach wie Hund und Katze, denn hat der eine etwas gesagt, wurde es anders aufgefasst, als es gemeint war. So redeten wir häufig aneinander vorbei und verzweifelten beide.

Zu meiner Magisterarbeit hatte ich dann eine Auszeit genommen und dadurch einen gewissen Abstand zu „unserem“ Server bekommen. Danach konnte ich dann sagen, dass sich der Server und ich auseinander gelebt hatten, denn das war nicht mehr mit den Idealen und Prinzipien vereinbar, so wie ich sie verstand, wie wir sie damals festgelegt hatten.

Im Nachhinein tut mir vieles leid, was und wie ich es gesagt habe. Denn auch ich war in vielem nicht fair, unverhältnismäßig aggressiv und streitlustig. Wirklich stolz bin ich auch nicht darauf, wie ich mich verhalten habe und da hätte ich so vieles besser machen können. Aber es ging für mich in diesen Momenten einfach nicht mehr, weil das alles emotional doch sehr belastend war – die Momente, wenn Mobbing eben wirklich an die Substanz geht und das Schlimme ist, dass sowas meist schleichend kommt und man das erst merkt, wenn es zu spät ist.

Das Traurige ist: Ich vermisse den Sturkopf und auch wenn ich ihn damals gerne links und rechts eine gewatscht hätte für manches, so habe ich ihm das alles nie wirklich nachgetragen – ihm nicht. Dafür war die Freundschaft zu gut. Anderen habe ich da viel eher was nachgetragen und die sind viel eher der Grund, warum ich nicht mehr zu diesem Server zurück kann. Denn, Wunder, oh Wunder, auch mein Kumpel hat nicht mehr viel mit dem Server zu tun. Was als „unsere“ Idee begann, wurde schleichend korrumpiert, geentert und von genau den Verlogenheit übernommen, vor der wir geflohen waren.

Ich wünschte, man könnte vieles rückgängig machen – denn dazu waren die Treffen zu spaßig und dafür hat man zusammen zu viel aufgebaut. Aber es ist so ungeheuer schwer, wieder an einen solchen Moment zurück zu kommen, an dem man sich nicht gegenseitig Sachen vorwirft, besonders da die Erinnerung viel verklärt.

An all das musste ich bei einer Popstars-Staffel letztens denken (war es letztes Jahr?), als Robbie Williams und Gary Barlow live aufgetreten sind und „Shame“ gesungen haben. Die beiden haben sich auch wohl damals dermaßen zerstritten, dass die Versöhnung in diesem Lied erfolgte und es dreht sich um genau dieses Thema. Es ist wirklich eine Schande, dass man sich nicht zusammenraufen kann, selbst wenn man sich noch mag und wenn man den anderen vermisst. Es ist eine Schande, wenn ein Streit so aus dem Ruder laufen kann, dass man meint, nicht mehr zurückkommen zu können, ohne sein Gesicht zu verlieren.

Ich bin bis heute immer wieder und wieder am Überlegen, was und wie ich es machen könnte. Aber trotzdem gelingt es mir nie, den ersten Schritt zu machen. Denn ich frage mich immer: „Wieso muss ich den ersten Schritt immer machen?“ Aber wenn das jeder immer denkt, dann geht man nie aufeinander zu. Ein Teufelskreis…

Keine Ahnung, wie man mit so etwas umgeht. Sicherlich werden einige sagen, dass man sich dann doch einmal einfach melden sollte. Ja, sicherlich. Doch so „einfach“ ist das auch wieder nicht oder es sieht zumindest einfacher aus – vor allen Dingen, wenn dieses Schweigen und dieser Abstand über Jahre kultiviert und gepflegt wird. Denn wie soll man aufeinander zugehen? Schon allein mit dem Gedanken im Hinterkopf, ob man überhaupt nach all den Jahren miteinander klar kommt, besonders wenn nicht ein solches Projekt eint und ein Gesprächsthema gibt.

Ist das dann überhaupt Freundschaft? Ja, ich denke schon. Es ist nicht schlimm, wenn einen ein Projekt eint. Manchmal lebt man sich vielleicht auch einfach auseinander. Aber sollte man dann überhaupt noch einmal aufeinander zu gehen? Ach, ich weiß es nicht.

Das Lied ist jedenfalls wunderschön und fängt genau das Thema und das Gefühl ein – und es ist angenehm hoffnungsvoll. Vielleicht sollte man auch einfach sich treffen und einen gemeinsam trinken gehen. Doch ist das heutzutage auch nicht mehr so einfach, wenn man nicht in der Nähe wohnt. Ich wünschte, es wäre so einfach.

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