The Reason

Früher waren Items einmal Mittel zum Zweck – zumindest für mich. Auch für mein Umfeld und auch für das, was ich an Randoms so mitbekam und ich war früher häufiger in Random-Instanzen. Klar, man wollte sicherlich auch Items haben, weil sie schick aussahen. Da erinnere ich mich gut an mein T2 aus BWL, das ich von der Optik immer noch eines der schönsten Priester-Sets finde.

Warum aber wollte ich Items haben? Um mit meinen Leuten in Instanzen zu gehen, denn manche Instanzen waren nicht machbar. Wenn man aber heute fragt, was die Leute wollen: „Ich will meinen Charakter ausstatten.“ Wozu? „Um besser zu werden.“ Aber wofür besser? Um das Spiel zu sehen und Abenteuer zu erleben, um in die Dungeons zu gehen und einen netten Abend zu bringen.

Mittlerweile sind Items zum Selbstzweck geworden. Kaum jemand interessiert sich noch für die Instanzen. Es gibt kaum Berichte, wie dieses oder jenes Dungeon aussieht, wie sich dieser oder jener Raid anzuspielen fühlt- Loot-Tables, Loot-Tables, Loot-Tables! Da wird rumgerechnet und auf die Addon-Kasten gestarrt, um dann wieder ein paar Pünktchen in der Heilleistung oder im Schadens-Output vorne zu liegen. Aber wer schaut noch auf die Bosse? Wer schaut noch auf die Umgebung?

Mir ist das bewusst geworden, als ich mal wieder ein paar Runden Starcraft 2 gespielt habe. Wieso spiele ich SC2? Weil es Spaß macht. Will ich besser werden? Klar! Aber wie sieht die Wahrscheinlichkeit aus, dass ich mal ganz oben mitspiele? Vernichtend gering. Ich habe noch nicht einmal die Aussicht auf irgendwelche Preisgelder von kleineren Turnieren. Ich würde vermutlich auch in Turnieren ohne Preisgeld vom Platz gefegt werden. Ich spiele immerhin „nur“ Silber-Liga – wenn dort auch unter den TOP20 bisher.

Aber wenn doch keine Aussicht darauf besteht, wirklich vorne mitzuspielen, wieso mache ich das dann? Um das Spiel zu spielen, um eine nette Zeit zu haben. Denn bei SC2 bleibt mir nach einem Match noch weniger als nach einem MMO-Raid. Was habe ich da? Noch nicht einmal Items! Also spiele ich, um des Spielens willen. Ähnlich ist es, wenn man einen Shooter spielt.

Doch das ist nicht nur im Computerspielebereich so. Wieso habe ich jahrelang Schach gespielt? Das sogar richtig erfolgreich und besser als SC2. Aber was blieb mir am Ende? Sogar mehr als bei MMOs – Pokale und Titel. Aber auch dort war ich nur einer unter vielen und ich habe gespielt, weil ich das Spiel spielen wollte. Wenn mich jemand gefragt hätte, warum ich Schach spiele, hätte ich gesagt: „Weil es Spaß macht.“

Wenn mich jemand fragt, warum ich SC2 spiele, dann sage ich: „Weil es Spaß macht.“ Wenn mich jemand fragt, warum ich MMOs spiele… na? Weil es Spaß macht! Weswegen macht es Spaß? Nicht wegen der Items und weil ich besser werde, sondern weil ich eine nette Zeit habe mit anderen Menschen. Klar, manchmal auch nicht so nett – so ist das eben.

Der Wandel von „ich will in die Dungeons, also brauche ich Items“ zu „ich will die Items, daher muss ich in die Dungeons“ passierte – irgendwann. Wie häufig ich doch immer höre, dass man dahin oder dahin „muss“! Wieso? Für Items! Nee, ist klar. Und was machen diese Leute dann, wenn sie die Items haben? Blöd rumstehen und nichts mit sich anzufangen wissen. Die Klügeren darunter beehren dann die Foren, flamen rum, rufen nach Content und zücken den 13-Euro-Joker.

Ich weiß nicht genau wann, ich weiß nicht genau wieso, aber wir spüren ihn immer noch heute, denn die MMOs richten sich danach aus. Es ist aber ein fürchterlicher Wandel gewesen und er macht vieles kaputt. Denn dadurch wird das Hauptaugenmerk eben auf die Items gelegt und nicht mehr auf das Spielerlebnis.

Wenn ich mich in Rift umschaue, dann geht dort die Jagd nach Items weiter – nicht bei mir. Klar, ich will auch mal in die Raids. Ich will auch Grünschuppe verhauen, Alsbeth für ihren Verrat büßen lassen, Hammerhall befreien und durch den Riss bei der Güldenen Dingenskirchen. Aber wieso? Weil ich die Encounter sehen will, weil das das Abenteuer meines Charakters ist.

Dadurch, dass wir Rollenspieler sind, sind wir langsamer, denn wir verbringen unsere Zeit nicht nur mit der Item-Hatz und zudem haben wir als arbeitende Bevölkerung auch noch wenig Zeit. Wir haben noch nicht einmal alle Experten-Instanzen durch – noch nicht einmal eine komplett! Aber ist das schlimm? Schmälert das unser Spielerlebnis? Nein! Denn da gibt es noch Herausforderungen, die wir irgendwann angehen.

Dann brauchen wir natürlich auch Items. Aber ich brauche dann die Items nicht, um meinen Charakter auszustatten, damit er besser wird. Ich brauche die Items, damit ich Alsbeth verhauen kann! Merkt ihr den Unterschied? Es ist ein kleiner, sehr feiner, aber wichtiger Unterschied. Denn warum will ich Alsbeth verhauen? Nicht weil die tolle Items hat, ja, vermutlich schon, aber ich weiß noch nicht einmal welche. Also wieso? Weil sie es verdient hat! Und womit? Mit Recht! Genau…

Es wird so viel gejammert über die Generation an Spielern, die von Shootern zu den MMOs gekommen ist. Ich kenne mich in der Shooter-Szene nicht aus, aber ich bezweifle doch sehr, dass man dort spielte, um Items der Items willen zu haben. Diese Denkweise kommt also nicht daher. Wie auch? Dort gibt es zwar auch mittlerweile einige Rollenspielelemente, aber sowas eben nicht.

Kommt es dann von diesen ganzen Spielern, die vorher noch nie ein Spiel angerührt haben, aber auf das Trittbrett „World of Warcraft“ aufgesprungen sind? Auch das kann ich mir kaum so richtig vorstellen. Wieso sollten die auf einmal einen solchen Ehrgeiz entwickeln? Das dürften sowieso die sein, die bei vielen Mechaniken überfordert sein.

Es müssen also eigentlich Zocker sein, die das herbeigeführt haben. Doch woher? Und wieso? Hat WoW wirklich eine ganze Spielergeneration verzogen? Auch das kann und will ich mir nicht vorstellen. Ja, WoW hat die Wertigkeit versaut und das mittlerweile spieleübergreifend, weil die Spieler dies auch anderswo fordern. Aber dieser Wechsel im Denken, der passiert doch bei uns im Kopf! Der kam von irgendwoher! Aus uns Zockern!

Woher kommt also dieser Umschwung? Und geht er auch endlich irgendwann wieder? Wenn ich irgendetwas dafür tun kann, um das herbeizuführen, dann sagt es mir. Denn es gibt zu viele, die MMOs spielen und denken, sie hätten das gleiche Hobby wie ich. Nein, haben sie nicht – noch nicht einmal im Ansatz. Selbst wenn sie das gleiche Spiel auf dem gleichen Server im gleichen Raid mit mir spielen. Selbst dann nicht!

One thought on “The Reason

  1. Nein, kannst Du nicht. Kann niemand. Und das wird auch nicht mehr weggehen. Geb ich Dir Brief und Siegel drauf. Kann höchstens sein das diejenigen irgendwann aussterben und das nicht an die nächste Generation weitergeben, is aber unwahrscheinlich.

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