Harry Potter und die Spoiler des Todes

Trotz des Beitragstitels spoile ich erst nach dem Spoiler-Cut – also keine Sorge. Wer also nicht gespoilt werden will, bitte nicht weiter lesen, denn ich will mir beim Tippen jetzt keine Gedanken machen, was wen irgendwie überraschen könnte.

Spoiler-Cut! 

Wir waren jetzt im letzten Harry Potter. Wie war er? Deutlich besser als der erste Teil der „Heiligtümer des Todes“. Es gab einige sehr großartige Szenen. So hat mich beispielsweise der gesamte Kampf in Hogwartz sehr fasziniert. Für mich waren es aber eher die kleinen Szenen, die mir richtig gut gefallen haben und in denen auch die Nebencharaktere endlich einmal wieder Spotlight bekommen haben.

Natürlich waren die Szenen mit Neville toll, aber mein persönlicher Favorit war der Auftritt von McGonagall. Aber gerade hier offenbaren sich schon ein paar der Problemchen, die ich mit dem Film hatte: Wieso hörte er bei diesen kleinen Szenen auf und machte nur bei den großen weiter? Einmal wieder sollte sich der Film eigentlich weniger um Harry Potter drehen, als vielmehr um die ganzen Nebencharaktere und hier beging der Film den gleichen Fehler wie auch sein erster Teil: Er konzentrierte sich vorrangig auf Harry, Ron und Hermione.

Ja, die sind natürlich wichtig. Aber so schön ich die Neville-Szenen fand, er tauchte nur auf, um heroisch zu sein und das machte das Ganze zwar im ersten Moment toll, aber irgendwann nervte es auch ein wenig. Es gab dem Charakter endlich mal die Szenen, die er verdient hat, aber dadurch, dass im Gegenzug andere Szenen fehlten, die den Charakter vertieften, wirkte das eher wie ein Disney-Held. Das war sehr schade. Denn gerade Neville hätte man auch charakterlich vertiefen können. Und wieso erzählt der Film nicht weiter, wenn er andeutet, dass etwas zwischen ihm und Luna ist? Ja, da gibt es dann diese Szene auf der Treppe und ich bin großer Fan von ungesagten Sachen und Szenen, die still sind. Aber das war dann wiederum zu still und zu wenig.

Man kann das Problem auch deutlich an dem – trotzdem schönen – Schluss sehen, wenn es 19 Jahre später weiter geht. Die Kamera hält hauptsächlich auf Harry, Hermione und Ron. Mal kurz ist Draco zu sehen – dabei hätte ich mir hier so viel mehr noch erhofft, denn da waren noch einige offene Sachen, die man schon allein mit einem stillen Blickkontakt zwischen ihm und Harry hätte klären können. Auch Ginny wirkt eher nebenbei. Wo war zum Schluss Neville? Wo Luna? Hagrid? Es gab so viele Fragen zu den ganzen Nebencharakteren, aber im Vollbild gab es wieder nur Harry, Hermione und Ron.

Man muss fairerweise sagen, dass der Film natürlich lang war, aber der Plot auch viel. Somit ist es wirklich schwer, das alles zu erzählen. Andererseits hatte der erste Teil so einige (unnötige) Längen und wenn der Film schon so ein klein wenig mogelt, dass er sich in zwei Teile aufteilt, dann hätte man es auch richtig (lang) machen können und auch solche Aspekte aufgreifen. Es hätte ja nicht wirklich viel sein müssen – aber ein wenig mehr hätte ich mir schon gewünscht.

Auch war der Endkampf ein wenig enttäuschend. Der Endkampf an sich nicht, aber das Ende schon. Das war ein wirklich furioses Finale zuerst: Harry gegen Voldemort. Das hat mich gefesselt. Und dann standen sie da auf dem zerstörten Schulhof – tolle Szenerie! Sie beschossen sich mit… bunten Strahlen. Patt. Na gut, Drama! Spannung!

Aber das ging viel zu lange so! Sie standen einfach auf dem kargen Hof und es war fast immer die gleiche Einstellung und die gleichen bunten Strahlen, mit denen sie sich beschossenen – mehrfach. Nicht nur einmal, nicht nur zweimal. Ich glaube, erst beim dritten Mal, wenn Neville die Schlange köpft, ändert sich etwas. Aber selbst dann ist es eigentlich nur der kaputte Schulhof und bunte Strahlen. Fand ich enttäuschend und antiklimaktisch.

Natürlich kann man auch einen schönen Antiklimax basteln – aber das war für mich keiner. Das war ein Ende, aus dem man einfach mehr hätte machen können. Vielleicht mal ein wenig die Kameraeinstellungen ändern, vielleicht auch die Kamera mal wackliger oder verwaschener machen können – wie zuvor!

Aber so wirkte es ruhig – zu ruhig für das Finale der gesamten Reihe! Wenn die ewigen Kontrahenten Harry und Voldemort sich gegenüberstehen! Was passiert dann? Bunte Strahlen am Ende. Da wäre doch mehr gegangen, oder nicht?

Es ging doch sogar schon in die richtige Richtung mit diesem großartigen Spruch von Harry „Lass es uns zu Ende bringen, so wie immer: Zusammen“ und dann reißt er Voldemort mit sich die Brüstung herunter und dann rasen sie durch die Luft. Großartig! Aber wie endet die Szene? Karger Schulhof und bunte Strahlen. Nein, nein, nein. Mich hat das enttäuscht. Leider.

Der Film hatte so großartige Momente! Gerade das Aufbauen der Kuppel, der Kampf gegen die Todesser und die Riesen, das Stürmen der Schule, die Rückeroberung durch McGonagall… oh ja, ich habe da echt gebannt teilweise im Kino gesessen. Und manchmal aber eben auch ein wenig enttäuscht – was ich nicht wollte. Vielleicht kann ich daher an einem zweiten Mal sehen mehr Spaß haben.

Ich bin übrigens in der Pause des Films massiv von links von einem blöden HP-Fangirl (jenseits der 30) gespoilt worden. Während ich da so saß und mir nichts dachte, hörte ich plötzlich von links: „Aber die Schlange ist doch gar nicht der letzte Hokrux. Das ist doch Harry selbst!“

Ich sagte nichts, auch wenn mir danach gewesen wäre, die dumme Kuh anzupampen, was das soll. Denn am Ende wäre sie trotzig geworden und hätte mir noch mehr vom Film verraten. All zu schlimm war es auch nicht, denn ich hatte bereits früher darüber nachgedacht, dass das ein möglicher Twist wäre. Immerhin kannte ich genau diesen Twist bereits aus dem „Hexer von Salem – die Sieben Siegel der Macht“ – gleiche Grundsituation, gleicher Twist, ähnliche Lösung. Von daher überraschte es mich nicht. Aber es ist trotzdem was Anderes, wenn man im Kino sitzt, sich Gedanken macht und überlegt „vielleicht könnte ja…“, im Vergleich dazu, wenn man von so einem Trampel von links das in der Pause des Films mithören darf. Da war ich mächtig sauer. Wie blöd kann man eigentlich sein?

Ging es eigentlich noch mehr so, die Harry Potter im Kino vor dem Lesen des Buches gesehen haben, dass sie den Film so verstanden haben, dass Snape Harrys Vater ist? Ist nicht so. Aber im Kino verstand ich einige der Szenen in der Richtung und ich bin heilfroh, dass es nicht stimme, denn das hätte ich einfach blöd und hahnebüchen gefunden. Aber gerade die Rückblende mit Snapes Träne wirkte dann so. Vielleicht bin ich auch nur der Einzige, dem das so ging, aber ich fand das leicht… verstörend als Idee.

Abseits von diesen Wehwehchen, die mich wirklich störten, hatte ich mich gut unterhalten gefühlt. Könnte man kaum meinen, wenn ich so meckere, aber das waren eben Sachen, die mich wirklich störten, denn ich sehe dadurch so viel tolles Potenzial ungenutzt. Es wäre so viel möglich gewesen und der Film hat auch im zweiten Teil endlich viel richtig gemacht, aber auch immer noch leider einiges falsch.

Immerhin habe ich jetzt die Schlachten und Kämpfe bekommen, die ich seit dem „Orden des Phönix“-Trailer eigentlich erhofft und erwartet hatte. Denn ich muss gestehen, dass genau diese Kämpfe und die Belagerung der Schule für mich bereits im fünften Teil hätten kommen sollen – jedenfalls gaukelte mir der Trailer das damals vor.

2 thoughts on “Harry Potter und die Spoiler des Todes

  1. Gibt es wirklich Leute, die in den Film gehen, ohne das Buch zu kennen?
    o_O

    Aber erstaunlicher Weise hast Du einige Punkte genannt, die auch ich zu bemängeln hatte. Es fehlten etliche gute Momente der Schlacht, in denen Rowling den Leser Abschied nehmen lässt von Nebenfiguren, etwa Nevilles Oma oder Prof. Trelawny. Der finale Kampf war mir zu langgezogen und an der eigentlichen Intention vorbei, aber Yates musste wohl unbedingt Action bringen. Es gab einige gute Szenen, insgesamt aber bin ich enttäuscht worden.

    • Ich habe bisher jeden Harry-Potter-Film vor dem Buch gesehen, da ich leider kaum dazu komme, die Bücher zu lesen und so viel anderes noch auf meiner Leseliste habe. Da ich erst später in die Harry-Potter-Bücher eingestiegen bin, habe ich mir daher das System zu eigen gemacht, dass ich immer ein Buch im Rückstand bin.

      So viel zu lesen, so wenig Zeit… *sfz*

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