Arac Attack

Es war Montag morgen, als ich in der Tiefgarage in mein Auto stieg, in meiner üblichen Routine herausfuhr und plötzlich einen riesigen Schreck bekam, als ich mein Navi programmieren wollte: Denn an der Decke hockte eine richtig dicke, fette Jagdspinne – daumengroß!

Was für ein Glück hatte ich zum Programmieren des Navis gehalten, sonst hätte ich diese Entdeckung vielleicht auf der Autobahn gemacht. Also stieg ich aus und versuchte, das eigentlich kleine und harmlose Vieh, vor dem ich trotzdem eine riesige Angst hatte, aus dem Auto zu scheuchen.

Doch es ließ sich mit all meinen improvisierten Schubsgeräten weder auf etwas fallen, auf dem ich es raustragen konnte, noch ließ es sich treiben. Es blieb unbeirrt immer an der gleichen Stelle. Ein wenig konnte ich es bewegen, doch da: Es fiel herunter – in den Beifahrerfußraum.

Schock! Panik! Erst einmal meinen Rucksack in Sicherheit geschafft, der dort war. Doch ich fand die Spinne nicht mehr. Ich suchte und suchte, fand sie aber zuerst nicht.

Doch dann sah ich etwas unter dem Sitz. Ich konnte es nicht genau erkennen, aber es hätte gut eine Spinne mit eingefahrenen Beinen sein können. Also nahm ich wieder den Eiskratzer, der mir genug Sicherheit gab, um es anzuschubsen und versuchte, es dort wieder herauszuholen. Ich schob es ein wenig und – plöttzlich war es wieder weg! Diesmal für immer… zumindest an diesem Tag.

Ihr könnt euch sicher sein, dass ich die ganze Zeit Angst hatte, dass ich auf der Autobahn plötzlich diese Spinnenbeine aus den Augenwinkeln sah und dadurch einen Unfall verursachen würde. Doch soweit kam es nicht – zum Glück. Außerdem hatte ich mich mental darauf eingestellt und mir die ganze Zeit während der Fahrt gesagt: „Es ist nur eine Spinne – nur eine Spinne. Wenn die nochmal auftaucht, bleibst du einfach ruhig und fährst weiter.“

Dann kam der Dienstag morgen und ich stieg in mein Auto ein. Auf halber Strecke klappte ich die Sonnenblende herunter, weil mich die Sonne störte und ich zuckte zusammen: Da saß sie! Ganz ruhig und friedlich. Es hätte nur noch gefehlt, dass sie mich fragte: „Ah, schönen guten Morgen. Was machen Sie denn auch hier?“ Diesmal war die Spinne sogar näher dadurch, dass sie unter der Sonnenblende saß – direkt über meinem Kopf.

Ich war unschlüssig, ob ich nebenran fahren sollte, denn ich merkte bald, dass mich das doch so sehr irritierte, so dass ich mich wirklich konzentrieren musste, keinen Müll zusammenzufahren. Doch ich dachte mir: „Lange musst du ja nicht mehr fahren und dann wirfst du sie ein für alle Mal raus!“

Endlich bog ich in die letzte Straße ein und was machte sie? Sie begann zu krabbeln – als ob sie es geahnt hätte! Sie krabbelte höher und hinter die Sonnenblende. Da dachte ich mir noch nichts dabei, denn ich hatte schließlich genau gesehen, wo sie hingewandert war. Da würde ich sie schon wieder erwischen. Doch es kam natürlich anders.

Ich hielt an, klappte vorsichtig und mit ein wenig Beklemmung die Sonnenblende wieder ein und – da war keine Spinne mehr. Das konnte doch gar nicht sein! Wo war die Spinne hin? Ich beugte mich vorsichtig vor, denn ich hatte keine Lust darauf, direkt in Spinnenaugen zu starren und mich dann zu erschrecken. Doch auch weiter vorne war nichts. Nirgendwo war irgendetwas! Zumindest keine Spinne…

Ich suchte und suchte wieder, ich drückte an die Decke, in der Hoffnung, dass sie aus irgendeiner Ritze dann rausgekrabbelt kommen würde, doch sie kam nicht. Seitdem habe ich die Spinne nicht mehr gesehen. Heute morgen nicht und auch heute Abend nicht.

Keine Ahnung, ob sie noch irgendwo im Auto ist, ob sie schon rausgekrabbelt ist, ob sie einen Hitzeschlag bei dem Wetter abbekommen hat oder sowieso schon verhungert ist. Aber es ist ein bescheuertes Gefühl, sich ins Auto zu setzen, erst einmal überall umzuschauen, ob nicht doch so ein achtbeiniger Knopf irgendwo sitzt und einem zuzwinkert: „Na, auch hier?“