Don’t spoil the kid

Verjähren Spoiler? Die Frage schoss mir nach einem recht harmlosen, witzig gemeinten Kommentar auf Facebook durch den Kopf, als jemand dieses Bild verlinkte und ich darunter schrieb: „Spoiler!“ und er dann meinte: „Wenn es 1980 wäre.“ Das stimmt in gewisser Weise und auch wenn ich normalerweise sehr allergisch auf Spoiler reagiere, in diesem Fall meinte ich es nicht ernst und die Sache mit Luke und Darth Vader – da kommt man echt kaum drumherum, gespoilt zu werden. Oder doch nicht?

Wenn ich daran zurückdenke, dass ich die Star Wars-Filme erst so im mittleren Teenie-Alter auf Sat.1 am Wochenende gesehen habe und bis dahin weder die Geschichte kannte, noch die ganzen familiären Verwicklungen, dann ist es doch irgendwie möglich. Das Problem ist also wohl doch nicht ganz so trivial, wie man meinen könnte.

Einerseits kann man durchaus erwarten, dass etwas, das es schon lange gibt, auch nicht mehr gespoilt werden kann. Aber trotzdem finde ich nicht, dass Spoiler verjähren. Trotzdem kann man immer noch ein wenig darauf achten, was und wie man es sagt – vielleicht nicht in dem Luke/Vader-Ding, aber auch wenn der Filme schon älter ist, muss ich trotzdem niemandem die Auflösung von den „Üblichen Verdächtigen“ unter die Nase reiben, ich muss niemandem den Twist bei „Sixth Sense“ vorher erklären oder auf diverse Sachen bei „Fight Club“ hinweisen. Obwohl die Bücher schon älter sind, muss ich nicht das Ende von „Harry Potter and the half-blood Prince“ verraten, was dort passiert und ich muss nicht verraten, wer am Ende von „Hamlet“ alles noch lebt.

Sowas kann einem mal rausrutschen, man kann auch mal unachtsam sein und dann gibt es auch solche Sachen, die sogar ich nicht schlimm finde, wie das Vader/Luke-Bild, das einfach nur witzig ist und man versteht es sowieso erst so richtig, wenn man es bereits weiß. Von daher keine Gefahr bei dem Bild, aber dennoch ein netter Gedankenanstoß, ob Jahre wirklich etwas ausmachen oder Spoiler nicht einfach Spoiler bleibt.

Es ist zumindest nicht zu viel gefragt, kurz bevor man etwas essenziell Wichtiges ausplaudert oder eine Pointe verrät, kurz vorher einfach nachzufragen: „Würde ich dich spoilen, wenn ich jetzt weiter erzähle?“ oder „Würde es dich stören…?“ Das sind gerade maximal zehn Sekunden, wenn man sich Zeit lässt, aber zeugt von Respekt gegenüber seinem Mitmenschen. Ich denke, das sollte im täglichen Umgang miteinander drin sein, wenn einem seine Mitmenschen etwas wert sind, oder nicht? Egal, ob der Film nun schon ein paar Jahre älter ist (wie Star Wars) oder das Stück schon länger bekannt (wie Hamlet).

Man beraubt jemandem einfach seines ersten Seh-Erlebnisses. Mir ist sowas wichtig, denn ich will dieses unbefangene, dieses unwissende Gefühl beim ersten Sehen haben, denn das kommt nie wieder. Mag sein, dass es Menschen gibt, für die sowas nicht wichtig ist, für mich und einige andere Menschen schon.

So wirklich kann man also nicht sagen, ob Spoiler verjähren – es kommt immer auf die Menschen an, bei denen man sie macht. Aber nachfragen sollte eigentlich nicht schaden und ein wenig aufpassen, oder?