Scripture

Ich habe lange nicht mehr mit der Hand geschrieben. Hin und wieder natürlich schon bei kleineren Notizen oder ähnlichem. Aber wirklich länger in Essay-Größe? Nein, seit meinem Studium nicht mehr und das ist auch schon ein paar Jährchen her. Um so erstaunter war ich, wie viel Schwierigkeiten es mir machte, als ich mal wieder mit der Hand schreiben musste.

Irgendwann im Studium hatte ich mir die Eigenart meines Profs angeeignet, in Großbuchstaben mitzuschreiben – das war zwar einen Tick langsamer als normal, aber dafür konnte ich meine Vorlesungsaufzeichnungen danach einwandfrei lesen und musste sie nicht mehr unnötig abschreiben. Aber wirklich voran kommt man da nicht und man kann schon gar keine Kurzgeschichte so schreiben, denn da wird man ja bekloppt!

Aber meine normale Schrift ist wirklich fürchterlich geworden. Ich habe da rätselratend danach davor gesessen und kam mir wie ein Archäologe vor, der eine uralte Hieroglyphen-Inschrift gefunden hatte. Ich übertreibe hier durchaus ein wenig – aber nicht viel.

Hinzu kommt, dass ich gemerkt habe, wie sehr ich es schätze, dass ich am Computer so schnell tippen kann, dass ich meinen Gedanken besser hinterherkomme. Da erinnere ich mich noch an eine Passage, die – glaube ich – im alten DeProfundis-Regelwerk gestanden hatte, dass Briefe schreiben eine ganz eigene Mentalität ist, denn man lässt sich viel  mehr Zeit. Ja, das stimmt. Aber ist das wirklich so gut? An sich schon, aber ich habe das Gefühl, dass ich es verlernt habe.

Gerade beim Brainstorming, beim Kurzgeschichte schreiben, müssen meine Finger zu meinen Gedanken aufschließen, müssen das zeitgleich eingeben, was mir durch den Kopf geht. Außerdem wird das ganze Verbessern so viel einfacher! Während jede Änderung bei einem handschriftlichen Text ihn nur noch unleserlicher macht (dazu brauche ich dann meine Handschrift noch nicht einmal mehr), kann ich beim Computer blitzschnell etwas ändern.

So sehr das handschriftliche Schreiben also mal glorifiziert wird, ich kann es nicht mehr so recht nachvollziehen. Ich bin Computerschreiber und Schnelltipper. Ich kann nicht mehr anders und hoffe, dass meine Mitmenschen nicht all zu sehr unter meiner Handschrift leiden müssen – so wie ich gestern.