Mach uns wieder ganz, Isaac!

Es ist vollbracht: Ich habe den Albtraum von „Dead Space“ geschafft! Das klingt zunächst negativ, aber an sich beschreibt es das wirklich gut. Denn ich habe selten ein so atmosphärisch dichtes Spiel erlebt. Die FSK18 hat es allerdings zu Recht. Trotzdem ist es ungeheuer rund als Spiel und hervorragend gemacht. Es ist wie eine interaktive Geisterbahn.

„Dead Space“ bedient sich an allen Ecken und Enden dem weiten Genre des Sci-Fi-Horrors – von den unterschiedlichen „Alien“-Teilen bis hin zu „Event Horizon“. Wer sich in diesem Genre wohl fühlt, der wird mit „Dead Space“ ungeheuer viel Spaß haben, denn dort darf man genau solche Sachen erleben: Schwerelosigkeit, Schwindel, Atemnot, Hilflosigkeit, Intrigen, Übernatürliches, Maschinen, die nie das tun, was sie sollten, Räume, bei denen man genau weiß, warum man nicht rein will und natürlich – Monster!

Sicherlich werden viele sich an der taktischen Zerstückelung der Monster aufhängen, aber für mich war das definitiv nicht das Kernelement des Spiels. Viel mehr war es der meisterhafte Umgang mit den Klischees, mit Erwartungen, mit klassischen Cat-Scare-Effekten. Zwar wird man selten von der Handlung überrascht, aber das braucht sie auch nicht. So ist es fast schon viel bösartiger, denn man weiß ziemlich genau, was auf einen wartet und man sagt sich vor dem Bildschirm: „Och nö! Ich bleib mal einfach hier stehen und tu nix, ok? Vielleicht geht es dann von selbst weg.“

Irgendwann hat man das Gefühl für das Spiel heraus und weiß ziemlich genau, wo ein Überfall statt findet, welche Räume prädestiniert sind, dass plötzlich Monster aus den Ventilator-Schächten gekrochen kommen, wo man sich am besten hinstellt – und das Spiel macht auch keinen Hehl darum. Es wirkt an vielen Stellen, als ob es einen hämisch angrinst und sagt: „He, he, ja, ich weiß, dass du weißt, dass ich dich gleich überraschen will. Komm doch trotzdem, wenn du dich traust!“ Und obwohl man innerlich vorbereitet ist, zuckt man zusammen, wenn dann genau das passiert, was man sowieso vermutet hat.

Ich kann da wirklich nur meinen Respekt zollen für ein so gelungenes und rundes Spiel. Es hat mich ungeheuer gefesselt und fasziniert, auch wenn ich zwischendurch manchmal echt dachte: „Nee, geht nicht mehr“ – und ich mehr als einmal dann Pause machte, denn es geht wirklich an die Substanz.

Also: Wer das Genre (Sci-Fi-Monster-Horror) mag, wer keine Angst vor einem Titel hat, der FSK18 zu Recht hat, wer kein Problem mit einem 3rd-Person-Shooter hat, spielt „Dead Space“! Es lohnt sich ungemein und ich freue mich schon auf den zweiten Teil, der auch schon seit einiger Zeit hier rumliegt. Allerdings werde ich mich jetzt erst wieder mit einem ruhigeren und nervenschonenderen PS3-Spiel begnügen. Das brauche ich, bevor ich bereit für den zweiten Teil des Albtraums bin.