Stranger Pirates

Im Kino habe ich „Fluch der Karibik – Fremde Gezeiten“ leider verpasst. Nach dem Debakel von „Fluch der Karibik 3“ hatte ich allerdings auch nicht mehr so wirklich Lust auf einen weiteren Teil der Reihe – auch wenn der Trailer in mir die Hoffnung hatte aufkeimen lassen, dass es doch wieder besser werden könnte. Ein Comic beschreibt sehr schön, wie ich mich beim dritten Teil gefühlt habe und wieso ich vor dem vierten ein wenig Angst hatte.

Der vierte Teil der Piraten-Saga um Jack Sparrow macht viele Fehler des zweiten und vor allen Dingen des dritten Teils nicht mehr. Schon allein, dass die Charaktere von Keira Knightley und Orlanda Bloom nicht mehr dabei sind, ist ein großer Gewinn. Auch ist der Film nicht mehr ganz so verliebt in seine Galleonsfigur Jack Sparrow, was im dritten Teil in dieser unsäglich dämlichen und viel zu langen Wahnsinnsszene mit den tausend Jack Sparrows gipfelte.

„Fluch der Karibik – Fremde Gezeiten“ hat ein paar sehr, sehr coole Szenen, hat einen neuen interessanten weiblichen Charakter eingebracht, Blackbeard ist cool, Barbossa ist ein wenig überflüssig und hätte auch irgendein anderer Ex-Pirat sein können, und die Meerjungfrauen! Insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn es an mancher Stelle deutlich mehr Potenzial hätte haben können.

So gibt es zwar diese überaus coole Sache mit den Meerjungfrauen, aber das bleibt auch die einzige so richtig übernatürliche Sache – neben dem Jungbrunnen halt. Da hätte ich mir am Ende noch einmal einen mystischen Höhepunkt gewünscht im „Indiana Jones“-Stil, wie einen legendären Wächter, ein geheimnisvolles Rätsel oder ähnliches. So ist das Ende gegenüber der Mitte doch deutlich unterlegen und der Kniff mit den zwei Bechern ist einfach nur vorhersehbar und langweilig. Da wäre mehr drin gewesen.

Die Fecht- und Kampfszenen waren auch schon einmal spannender und kreativer. Bei einem Film, der deutlich Inspirationen und Elemente aus dem „Mantel & Degen“-Genre nimmt, hätte es auch hier durchaus mehr sein können und da wäre auch mehr drin gewesen. Da sind manche ältere „D’artagnan“-Filme sogar dynamischer und pfiffiger, als die Kampfszenen jetzt im vierten Teil. Aber sei es drum, denn weh getan hat es wiederum auch nicht. Es war nur enttäuschend, wenn man sich an die herausragenden Choreographien des ersten „Fluch der Karibik“-Films erinnert.

Er ist aber auf jeden Fall sehbar und keine solche Entgleistung wie der dritte Teil. Wenn sie von dem Kaliber noch weitere Filme drehen, dann würde ich mir die sogar wieder im Kino ansehen, auch wenn der vierte Teil bei weitem nicht an den ersten heranreicht, aber dafür die beiden Nachfolger absolut im Schatten stehen lässt. Ansehen lohnt sich also – hätte es vermutlich auch bei der Kinofassung.