Cheese and Wine

Eine Sache würde ich gerne so vielen Starcraft2-Spielern sagen, aber meist loggen die dann schon aus dem Spiel aus und ich denke, es hätte sowieso keinen Sinn: Nur weil ihr verliert, bedeutet es nicht, dass man „cheese“ spielt! Jetzt fragen sich vielleicht einige, die kein Starcraft spielen, was „cheese“ ist. Da gehen interessanterweise die Meinungen auch ziemlich auseinander, was das ganze Thema sowieso noch einmal schwerer macht, aber an sich ist „cheese“ eine Taktik, die darauf setzt, den Gegner zu überraschen, aber an sich minderwertig ist – „cheese“ gewinnt, wenn er nicht erkannt wird, „cheese“ verliert, wenn er rechtzeitig erkundet wird.

Es gibt ganz klassischen „cheese“ wie den sogenannten „6Pool“, bei dem ein Zerg keine Drohnen baut, sondern nur schnell den Spawning Pool baut, um rasch Zerglinge zu pumpen. Damit hat man eine ungeheure Schwäche in seiner eigenen Wirtschaft und daher ist es auch keine gesunde Strategie, die nur darauf aus ist, die schnellsten Kampfeinheiten zu produzieren, ehe der Gegner das machen kann und ihn auf dem falschen Fuß zu erwischen. Misslingt das, ist man dank des Wirtschaftsnachteils so hoffnungslos unterlegen, dass man normalerweise gleich aufgeben kann.

Allerdings hat es sich in der SC2-Community eingebürgert, so ziemlich alles als „cheese“ zu bezeichnen. „Cheese“ ist eine Hatchery in die gegnerische Basis oder seine natürliche Expansion zu setzen, Cheese ist es, Barracks in die gegnerische Basis zu setzen oder ohne jegliche anderen Einheiten oder Technologien auf Dark Templar zu gehen, um dann den Gegner mit unsichtbaren Einheiten zu überraschen.

Das ist „cheese“ – und es ist in Ordnung, wenn man in anwendet, denn er gehört zum Spiel. Allerdings sollte man sich dann nicht arschig verhalten, was leider viele „cheeser“ machen. Ich persönlich „cheese“ selten. Ich spiele einfach lieber einen Makrostil, habe aber auch schon einmal „cheese“-Taktiken aus Interesse angewendet, denn häufig verlangt „cheese“ ein hohes Maß an Mikromanagement, denn man muss mit möglichst wenig möglichst viel erreichen. Um das eigene Mikromanagement zu verbessern, finde ich sowas also gar nicht verkehrt.

Schnelle Angriffe („rushes“) sind allerdings kein cheese. Das merke ich, wenn mein recht früher 7RR (7 Roach Rush) beschimpft wird. Es ist noch nicht einmal ein All-in, denn ich kann in genau dem Moment, in dem ich angreife, meine zweite Basis nehmen. Wenn ich allerdings merke, dass der Gegner zu wenig Einheiten hat oder unglückliche Gebäudeplätze ausgewählt hat, dann pumpe ich natürlich noch mehr Roaches – klar. Aber an sich ist es kein „cheese“ und noch nicht einmal zwingend ein „All-in“, selbst wenn ich nur Roaches noch pumpe. „All-in“ wird es, wenn ich noch meine Queen oder sogar die Drohnen dazu nehme, denn dann muss der Angriff funktionieren.

Ein „cheese“ ist immer ein „All-in“, ein „All-in“ aber nicht immer „cheese“ und ein „rush“ außerdem nicht immer ein „All-in“.

Merkt das euch doch einmal bitte. Aber das ist sowieso vermutlich hoffnungslos. Aber verliert doch dann wenigstens wie Männer. Mache ich auch, wenn ich mich verkalkuliert habe. Sportsgeist zeigen! Sich nett verabschieden und auch aufrechten Hauptes und mit Anstand vom Spielfeld gehen. Irgendwie können das leider wohl nur wenige Hobby-E-Sportler. Sehr traurig und mir als altem Mannschaftssportspieler tut das echt in der Seele weh…