Simplicissimus

Mittlerweile bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob mir vorletztes Jahr wirklich die Kapitelüberschriften so sehr geholfen haben. Denn gestern hatte ich ein spannendes Telefonat mit einem Kumpel, der auch am NaNoWriMo teilnimmt und der brachte mich auf eine neue Möglichkeit: Das Genre.

Eventuell liegt es einfach daran, denn dieses Jahr schreibe wieder einen „Roadmovie“. Dafür bietet es sich natürlich an, dass man Stationen hat und diese mit entsprechenden Kapitel versieht. „Die Zitadelle der verlorenen Träume“ vorletztes Jahr war immerhin auch eher ein „Roadmovie“.

Vielleicht ist es auch einfach eine Mischung aus beidem, dass diese Kapitelüberschriften und Zwischenstationen, die ich ansteuern kann, eine Strukturierung fördern. Letztes Jahr hingegen hatte ich zwar auch Zwischenstationen im Kopf, aber mein Hauptcharakter ist nicht wirklich gereist. Sie war die ganze Zeit in der gleichen Stadt.

Bei der Diskussion ist mir übrigens aufgefallen, dass ich Schwierigkeiten hatte, „Roadmovie“ in eine entsprechende literarische Gattung einzuordnen. Stehe ich da einfach nur auf dem Schlauch? Sowas muss es immerhin auch geben. Bisher war mir nur der pikareske Roman eingefallen, aber das ist wiederum leicht anders und nicht das literarische Äquivalent zu einem „Roadmovie“. Ein Reiseroman? Vermutlich auch nicht, denn das klingt mehr nach einem netten Urlaub auf Hawaii. Es muss doch dieses Genre bereits vor dem „Roadmovie“ auch im literarischen Bereich gegeben haben.

Ich merke, dass mein Literaturstudium doch langsam ein wenig länger zurückliegt, dass ich da doch ziemlich auf dem Schlauch stehe.

5 thoughts on “Simplicissimus

  1. Heldenreise, eventuell. http://de.wikipedia.org/wiki/Heldenreise

    Wobei das wahrscheinlich wieder zu einschränkend ist. Und in englischsprachigen Klassifizierung trifft die Bezeichnung picaresque novel den road movie schon besser. als in der deutschen Definition.

    Aber im Endeffekt würde ich wahrscheinlich „Reiseroman“ wählen. Beste Beispiele dafür sind zwei herausragende Werke der Beat-Bewegung, „On The Road“ von Jack Kerouac und „Fear And Loathing in Las Vegas“ von Hunter S. Thompson. Das sind road movies schwarz auf weiss. Und „On The Road“ war ja auch die spirituelle Vorlage für Easy Rider, den Protoklassiker unter den Road Movies.

    • Nachschub: ich wollte das Folgende eigentlich schon zu deinem Überschriftenbeitrag schreiben.

      Ich habe mich diesmal dazu entschlossen eine Mischung aus den Kapitelüberschriften in der Art von George R.R. Martins „Song of Ice and Fire“, in denen er den point of view-Charakter nennt und dem Kerninhalt des Kapitels zu nutzen. Charles Stross nutzt diese Art in „Halting State“ sehr effektiv.

      Ausserdem sind Kapitelüberschriften eh top, gibt mehr Wörter für den bösen Zähler. :)

      • Kapitelüberschriften sind großartig! Momentan benutze ich die sogar für meine Ideen, die mir beim Schreiben kommen, indem ich jetzt zig unterschiedliche mögliche Kapitelüberschriften habe, die sich auf ein zentrales Element des noch zu schreibenden Kapitels beziehen.

        Beispielsweise: „15. Keine Hoffnung / Tod / Die letzten Überlebenden / Kampf ums Überleben / Abusai stirbt“ – dabei muss ich mich noch nicht einmal daran halten, aber ich habe trotzdem so ein paar Richtungen, in die ich gehen kann und Ideen, die festgehalten werden. Finde ich gerade ungeheuer praktisch und habe ich zu jedem Kapitel. Je mehr ich schreibe, desto mehr steht dann in diesen späteren Kapitelüberschriften drin, denn während die Geschichte voranschreitet, bekomme ich ja auch immer mehr Ideen, wo ich letzten Endes hin will. Ich bin jedenfalls von dieser Kapitelüberschriften-Sache momentan absolut begeistert und werde das vermutlich in Zukunft immer so machen.

        Ungeheuer hilfreich!

    • Naja, „Reiseroman“ erwähnte ich ja auch oben und irgendwie mag das für mich nicht passen. Klar, „On the road“ ist da ein klassisches Beispiel. Für mich ist das aber irgendwie was Anderes, als wenn ein Fantasyroman eine Reise behandelt. Viele Fantasyromane haben schließlich eine Reise („Herr der Ringe“ ja auch – nur um mal einen zu nennen) und da passt es nahezu gar nicht.

      „Heldenreise“ scheint da schon eher zu passen, aber irgendwie wirkt das für mich auch nicht wirklich, als ob man da die richtige Bezeichnung gefunden hat. Mir kommt es dauernd so vor, als ob es mir auf der Zunge liegt, welches Genre das dann genau ist oder wie man es nennt, ich aber trotzdem einfach nicht drauf komme.

      Verflixt.

      • Wobei mir gerade auffällt, dass mein bisheriger Roman durchaus einige Stufen der „Heldenreise nach Vogler“ abklappert. Nicht alle und nicht im Detail, aber ich könnte es trotzdem darauf abbilden bisher. Spannend. Vielleicht passt es ja doch…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.