Twinkle, twinkle, little star…

Ich traue es mich wieder: „Dead Space 2“! Nach dem Ende von „Atelier Totori“ habe ich zum kompletten Kontrast aufgerufen. Während es vorher ein beschauliches, fast kindliches Asia-RPG war, sitze ich jetzt wieder zusammengekauert und äußerst schreckhaft im Wohnzimmer vor der PS3. Das geht sogar so weit, dass ich wie ein kleines Kind vor Schreck aufschreie, wenn meine Frau im Computerzimmer irgendwas fallen lässt. Na gut, ganz so extrem ist es nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass es auf manchen so wirken könnte.

„Dead Space“… das ist wirklich ein Kapitel für sich. Das Spiel fasziniert mich ungeheuer – hat bereits der erste Teil. Und trotzdem fühle ich mich so, als ob ich das nicht sagen dürfte, denn es hat seine FSK18 so absolut zu recht. Aber ich habe selten ein so stimmiges und verdammt gut gemachtes Spiel erlebt. Da sitze ich wirklich vor der PS3 mit einer Mischung aus Angst, Faszination und Bewunderung. Nein, nicht wegen der Brutalität, die vorhanden ist. Sondern wegen den Details im Spiel.

Die Macher von „Dead Space“ haben sowohl im ersten Teil wie auch jetzt im zweiten Teil das Genre des „Space Horror“ (Stichwort: „Alien“, „Event Horizon“) absolut perfekt auf die Konsole umgesetzt. Sie spielen auf den Konventionen des Genres wie ein Klaviervirtuose einen Mozart. Jeder Ton sitzt perfekt und man glaubt es kaum, wie einfach es von der Hand geht und wie ideal das Ergebnis aussieht. Da kennt jemand definitiv das Genre in und auswendig und liebt es.

Denn nicht nur spielen sie mit den Klischees, sie brechen sie auch immer wieder – an den genau richtigen Stellen! „Dead Space“ ist brutal, ohne Zweifel. Immerhin muss man die Monster durch taktisches Zerstückeln besiegen. Doch das ist nicht, was mich fasziniert. Der tolle Horror des Spiels wird nämlich nicht über die Splatter-Elemente für mich erzeugt. Viele mögen das Spiel vermutlich gerade wegen dieser Ekeleffekte. Story, Sounds, Musik… alles passt perfekt ineinander.

Gerade die Sounds! Was ich nämlich viel gruseliger und schlimmer finde als der übliche Splatterfaktor bei „Dead Space“ sind die Geräusche. Man steht vor einer Tür, man öffnet sie und dann hat man einen Raum vor sich. Man sieht nur einen leeren Raum. Keine Monster zu sehen. Aber man hört sie! Also geht man langsam und vorsichtig hinein. Häufig ist es eine Falle, häufig spielt das Spiel auch mit einem und ärgert und es passiert in dem Raum gar nichts – außer Geräuschen und Cat-Scare. Das ist es, was „Dead Space“ für mich so gut macht.

Der zweite Teil macht bereits einiges besser als der erste. Ein paar Sachen aus dem ersten Teil vermisse ich aber. Was macht es besser? Während Isaac im ersten Teil ein recht gesichtsloser Techniker ist, den man steuert und der ähnlich einem Link aus „Zelda“ nur das Medium für den Spieler ist, bekommt Isaac im zweiten Teil Stimme und Charakter. Denn er spricht, er interagiert. Man interagiert nicht selbst mit anderen Figuren. Das läuft von selbst. Aber allein, dass der arme Kerl jetzt endlich einmal redet, erhöht die Identifikation mit dem Charakter um ein Vielfaches. Sehr gut gemacht! Das war einer meiner großen Kritikpunkte am ersten Teil – eigentlich  nahezu der einzige. Der wurde jetzt ausgebügelt.

Auch wirkt es insgesamt abwechslungsreicher und unvorhersehbarer. Während man im ersten Teil doch größtenteils wusste, was auf einen zukommt und wie die Level ablaufen, hat man jetzt keine so genaue Vorstellung im Kopf. Denn im ersten Teil war man meist auf dem Schiff „Ishimura“ unterwegs, jetzt ist man auf einer großen Kolonie und läuft durch die Gebäude, die wirklich absolut unterschiedlich sind. Wobei man zur Ehrenrettung des ersten Teils sagen muss, dass die einzelnen Level der „Ishimura“ sehr schön abwechslungsreich gemacht waren. Die Abwechslung gibt es auch im zweiten Teil, nur unvorhersehbarer. Das erhöht auf eine gewisse Weise auch die Spannung.

Auf eine gewisse Weise senkt es sie aber auch, denn im ersten Teil gab es mehr als eine Stelle, bei der ich wusste: „Oh, nein! Da willst du nicht rein!“ Klar, das denkt man sich bei dem Spiel nahezu immer, aber gerade dadurch, dass der erste Teil vorhersehbarer war, war der Grusel auch zu einem großen Teil über die Unvermeidbarkeit mancher Szenen erreicht. Das gibt es in dem Ausmaß im zweiten Teil nicht. Dafür finde ich die Immersion im zweiten Teil um ein Vielfaches besser gelungen.

Es kommt mir vor, als ob es bisher weniger und sogar einfachere Rätsel gibt. Wobei „Dead Space“ noch nie von den Rätseln gelebt hat. Zwar bin ich auch schon auf manches übergroße Nekromorph getroffen, aber da hatten sie bisher im ersten Teil auch ein paar schönere Spezialkämpfe gehabt. Sehr schade, denn die erste Begegnung mit einem Riesennekromorph war im zweiten Teil ungeheuer beeindruckend. Sowas hätte ich mir mehr gewünscht. Habe ich aber bisher kaum bekommen und ich bin schon in Kapitel 9 und ich vermute, so langsam steuert es auf das Ende zu. Allerdings bin ich mir da nicht so ganz sicher, denn der zweite Teil wirkt insgesamt einfach größer.

Wer also dem Genre „Space Horror“ etwas abgewinnen kann, wem die „Alien“-Teile gefallen haben, wer solche Filme wie „Event Horizon“ mag, dem möchte ich diesen Third-Person-Horror-Shooter sehr ans Herz legen. Gibt es sogar nicht nur für die PS3, auch wenn ich glaube, dass die Konsolensteuerung schon mehr Spaß machen dürfte als am PC. Nichtsdestotrotz: Tolles Spiel!

Oh, und für mich als alten Lovecraft-Fan gab es auch ein kleines Schmankerl: eine Homage an Lovecraft. Denn natürlich schwingt der Cthulhu-Mythos überall bei dem Spiel mit. Jetzt haben sie aber sogar einen NPC reingepackt, dessen Überreste man findet und dessen Namen „Howard Phillips“ ist. Ich glaube zumindest, dass das kein Zufall ist und auch wenn der Name „Lovecraft“ nicht genannt wird, diese beiden ersten Namen deutlich genug zeigen sollten, dass die Macher wirklich ihr Genre in und auswendig kennen. Ich kann nur zum wiederholten Male mein Haupt in Respekt vor den Machern der beiden Teile senken. Ich mag es, wenn man so viel Liebe zum Detail und so viel Liebe zum Genre sieht.

Beide „Dead Space“-Teile sind das, was man wohl als „flawless victory“ bezeichnen dürfte. Zumindest glaube ich es auch vom zweiten Teil, selbst wenn ich noch nicht ganz durch bin.

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