Jamas Tipp: I am Legend

Ja, ich meine die Neuverfilmung mit Wil Smith! Dieser Film ist meiner Ansicht nach zu unrecht ein wenig untergegangen. Viele haben sich über die Special-Effects beschwert, dass die Infected so merkwürdig aussahen. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Aber wenn man sich nur an diesem Punkt aufhängt, verpasst man einen verdammt guten und spannenden Thriller.

Die Prämisse des Films ist einfach erklärt und ohne etwas wirklich zu spoilern: Es gab eine Katastrophe. Die Geschichte wird aus Sicht des einzigen Menschen erzählt, der sie überlebt hat. Doch er ist trotzdem nicht alleine – auf mehreren Ebenen. Mehr braucht man nicht zu wissen über den Film am Anfang. Was ist es? Ein Horrorfilm? Sieht danach aus, ist er aber nicht. Ein Zombiefilm? Jein, sind schließlich angeblich Vampire, auch wenn sie in dieser Neuverfilmungen mehr etwas von Zombies haben. Ein Actionfilm? Nein, da täuscht einen der Trailer. Es ist ein subtiler und stiller Thriller.

Ich kenne auch die alten Verfilmungen. Die sind auch gut – aber anders. Gerade der „Omega-Mann“ hat mich damals als Jugendlicher extrem beeindruckt und verstört – und bis heute inspiriert. Aber diese Neuverfilmung hat mir gezeigt, was für ein verdammt guter Schauspieler Wil Smith ist. Denn ich mochte ihn ursprünglich nicht. So richtig gar nicht.

Mit „I, Robot“ war ich zum ersten Mal erstaunt, denn da hat er mir auch gut gefallen – auch ein zu unrecht unterschätzter Film. Aber mit diesem Film habe ich richtigen Respekt vor ihm bekommen. Ich habe wirklich im Kino gesessen und mit seinem Charakter gelitten und bin zusammengeschreckt. Das war so glaubwürdig von ihm rübergebracht – und alles im Kino war mucksmäuschenstill. Der Film ist so ungeheuer spannend, auch wenn man es sich kaum vorstellen kann, da dieser Mensch eben wirklich nahezu allein ist. Was kann da schon passieren?

Ich habe mal im Deutsch-Unterricht ein ganz fürchterliches Buch lesen müssen: „Die Wand“ von Marlen Haushofe. Ähnliche Prämisse, aber das war langweilig! Doch „I am Legend“? Großartige Charaktermomente! Das ist kein Film, der knallt und explodiert, das ist ein Film, der einem ganz leise und unheimlich unter die Haut geht, um dann richtig großartig zu werden.

Es gibt übrigens zwei Enden: einmal die Fassung, die man im Kino gesehen hat und dann ein alternatives Ende, das der Film wohl ursprünglich hat. Auch das ist sehr spannend, denn mir gefallen beide. Das Ende vom Kino hat mich umgehauen und beeindruckt. Das alternative Ende hingegen hat verdammt viel Sinn ergeben und ein paar Gedanken von mir aufgegriffen, die ich während des Films hatte. Denn an manchen Stellen wunderte ich mich, weil ich das Gefühl hatte, der Film wollte mir etwas anderes sagen oder dass da noch etwas anderes wäre. Genau diese Punkte greift das alternative Ende auf!

Beide Enden sind damit komplett unterschiedliche Interpretationen, aber in sich absolut schlüssig. Selbst wenn der Charakter einen logischen Fehler gemacht hat, entwickelt sich alles ganz logisch aus diesem Fehler weiter. Toll!

Also zwei großartige Enden! Es gibt dann natürlich wieder viele, die entweder das eine Ende oder das andere Ende doof finden oder so viel besser. In diesem Fall gibt es aber kein „doof“ oder „besser“, sondern nur „anders großartig“.

Meine Empfehlung: Zuerst die ganz normale Kinofassung schauen, danach dann das alternative Ende und sich über beide freuen und sich der Pluralität der Interpretationen ergötzen. Das macht richtig Spaß. Ich verlinke mal beide Enden nach dem Spoiler-Cut. Also daran denken: Diesmal ist der Spoiler-Cut nicht nur ein Spoiler-Cut, sondern ein SPOILER-Cut!

„I am Legend“? Oh ja! Die literarische Vorlage liegt auch immer noch ungelesen bei mir zu Hause auf dem Nachttisch. Es gibt einfach zu viele Dinge, die ich lesen will. Aber vielleicht gibt mir dieser Blog-Beitrag den Tritt in den Hintern, das endlich mal demnächst nachzuholen.

Ihr mögt also stille Thriller? Dann diesen Film anschauen – mein Tipp. Großartige Schauspieler, großartige Musik, großartiger Film!

SPOILER-Cut!

Ich warne noch einmal! Das hier ist das jeweilige Ende des Films! Einmal die Kinofassung und einmal das alternative Ende. Beide sind großartig und ich bin so froh darüber, dass es beide gibt.

Es gab ein paar Stellen, an denen der Hauptcharakter etwas behauptet hat und ich habe im Kino gesessen und mir gedacht „Nein, das stimmt doch nicht, das ist nicht logisch und ein Trugschluss“. Denn der Hauptcharakter behauptet etwas in der Richtung, dass die De-Evolution abgeschlossen ist und keine menschlichen Muster mehr bei den Infected vorhanden sind. Dabei beruft er sich auf eine Szene, die für mich aber genau das Gegenteil bewiesen hat.

Das fand ich toll, dass es nicht aufgelöst wurde, denn der Film hat ganz eindeutig gezeigt in der Kinofassung, dass der Hauptcharakter falsch liegt. Löst es aber nicht auf. Das alternative Ende zeigt, dass ich mit dieser Vermutung genau richtig gelegen habe.

Kinofassung

Alternatives Ende

Einmal mit der Prämisse: „Light up the darkness!“ und einmal „Keep listening, you are not alone!“. Die Kinofassung ist episch, heroisch, aber auch leicht bitter und zwiespältig, gewürzt mit falscher Moral. Das alternative Ende ist eine Mischung aus Hoffnung, Hoffnungslosigkeit, Philosophie, Gewissen und einer grundsätzlichen Frage über Menschlichkeit.

Es sind also zwei unterschiedliche Filme. Wie geil ist das? Na? Nur durch das Ende? Aber der Rest passt und ist so unglaublich stimmig. Ich kann gar nicht oft genug wiederholen, wie sehr diese Vielzahl der Interpretationen mein Post-Strukturalistenherz erfreut…

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