Show, don’t tell!

Der Film „die Tribute von Panem“ ist toll, Erklärbären im Kino dafür aber scheiße. Wenn die Kameraführung des Films nicht so gewesen wäre, wie sie ist, dann wäre der Film sogar großartig. So hat es mich mehr irritiert, weil ich mich zwischendurch immer wieder fragte, wer auf die idiotische Idee kam, das als (in meinen Augen) unnötiges und äußerst nerviges Stilmittel zu benutzen.

Ja, die Kameraführung ändert sich und wird angenehmer, sobald man aus Distrikt 12 draußen ist. Ja, ich verstehe, warum man auf so eine Idee kommen kann. Ja, es macht sogar Sinn. Aber es hat mir trotzdem beim Anschauen keinen Spaß bereitet und ich habe häufiger da gesessen und mir gedacht: „Verdammt! Jetzt haltet mal die Kamera still, ich will den tollen Film sehen!“ Versteht mich nicht falsch, denn ich mag „Blair Witch Project“ und „Cloverfield“ finde ich einen ganz hervorragenden Film – wegen dieser Kamera. Aber in „Tribute von Panem“ habe ich das echt nicht gebraucht und empfand ich als störend.

Mindestens genauso störend, wie die Erklärbären hinter mir, wegen denen ich häufig mal eine Minute vorher wusste, was gleich passieren wird. „Gleich passiert…“ und „Jetzt kommt…“ und „Das ist der…“ Wenn ich nicht eine Diskussion hätte vermeiden wollen, wäre ich echt kurz davor gewesen, mich umzudrehen und die Kinder da mal zusammenzupfeiffen. So dachte ich mir, ich will den Film mitbekommen und die Diskussion und der mögliche Trotz der Jugendlichen wären dafür sehr gefährlich gewesen. So habe ich sie versucht, durch pure Willenskraft auszublenden. Ging wenigstens größtenteils – war trotzdem nervig. Vor allen Dingen, da einer davon mir ein „Force Feedback“ in den Rücken meines Sessels ständig gab, was am Anfang bei der verwackelten Kamera zu einem merkwürdigen Synergieeffekt führte.

Das waren aber auch die einzigen beiden Mängel des Kinoabends gestern, denn der Film war echt ansonsten verdammt gut. Das Setting war spannend und stimmig, die Charaktere waren gut skizziert und die Atmosphäre hat mich mitgerissen. Mich hat das echt bewegt und auch nachdenklich gemacht. Meiner Ansicht nach war das sehr intelligente Jugendunterhaltung, die moralisch gesehen wirklich nicht ohne war, aber genau dadurch dann auch wieder schön zum Nachdenken anregete.

Schon allein, dass der Film nicht mit dem Holzhammer durch die Szenen ging, um Dinge zu erklären oder festzulegen – es wurde einfach gemacht. Es wurde gezeigt, nicht erzählt. Vieles lief auch zwischen den Zeilen ab und manches mag vielleicht in Büchern, die ich nicht gelesen habe, deutlicher rauskommen, aber gerade die Beziehung zwischen Peeta und Katniss war hervorragend kompliziert dargestellt! Natürlich kann man sich da oberflächlich festlegen, wie man denkt, dass sie ist. Aber ich fand, dass die Probleme da sehr deutlich gezeigt wurden und man nicht wusste: Ist es jetzt Fake? Ist es nie ein Fake gewesen? Ist es ein Fake, aus dem doch mehr wurde? Oder ist es Fake, dass daraus mehr wurde? Das hält einen durchaus nachdenklich und reißt mit, wenn man da mitdenken will. Ungeheuer spannend von der Charakterdarstellung.

Mir hat der Film ungeheuer viel Lust auf die Bücher gemacht, die vermutlich durch die Ich-Perspektive und die Jetztzeit-Erzählung auch interessante Probleme beleuchten und keine deutliche oder eindeutige Welt wiederspiegeln.

Insgesamt ein echt rundrum gelungener Film, auf dessen Fortsetzung ich mich wirklich sehr, sehr freue und hoffe, dass sie geschieht. Selbst wenn sie nicht geschieht, haben sie ein zwar recht offenes Ende, aber der Film kann auch durchaus für sich stehen. Auch wenn sie sehr deutlich gezeigt haben: „Das sind übrigens die Themen, die noch dran kommen werden, wenn wir weiter machen und dort und dort wollen wir noch hin – freut euch drauf!“ Das war Charakterdrama pur, das wird noch viel mehr Charakterdrama werden – da bin ich mir sicher und das ist genau mein Ding.

Wenn nur nicht diese verdammte Kameraführung gewesen wäre… sehr intelligenter und bewegender Jugendfilm! Ich hatte zwar einen guten Film erwartet, aber er hat meine Erwartungen doch deutlich übertroffen sogar.