World of Mythbusters: D2 hat individuellere Skillmöglichkeiten

Da muss ich jetzt echt einmal eine Lanze für brechen: Ihr erinnert euch, dass ich Befürchtungen hatte, weil die Talentbäume in Diablo 3 verschwinden und durch ein recht statisches Fertigkeitensystem ersetzt wird? Falls nicht: Ich fand es blöd und das war einer der Punkte, die mir die Vorfreude an D3 genommen haben. Allerdings habe ich dann D3 gespielt und habe echt viel Spaß mit dem Spiel. Ich war verwundert, denn das Skillsystem war genau so, wie ich es befürchtet habe. Aber trotzdem machte es mir Spaß. Wieso?

Manchmal findet man Perlen in den offiziellen Foren. Manchmal findet man auch richtig ärgerliche Sachen, wie den Spoiler-Bär letztens, der mir die Story in einem Wartungsarbeitsthread gespoilt hat. Aber dafür fand ich auch ein anderes Posting, das mir die Augen öffnete, was an dem jetzigen D3-Skillsystem überraschend besser ist.

Wenn man es sich im direkten Vergleich anschaut, dann scheinen die Vorteile der Skillbäume größer. Man verteilt Punkte ganz individuell, kann seinen Schwerpunkt selbst setze und hat dadurch zwar vielleicht keinen einzigartigen Charakter, aber man hat ziemliche Entscheidungsfreiheit. Man kann einen Skill auf die linke Maustaste legen und einen Skill auf die rechte Maustaste – ebenso kann man mit den F-Tasten zwischen Skills wechseln, wenn das schnell gehen soll.

Im direkten Vergleich besteht das jetzige System aus keinerlei Skillpunkten. Erreicht man ein bestimmtes Level, so schaltet man manche Fähigkeiten frei. Manchmal kann man auch die sogenannten „Runen“ freischalten, die einen bisherigen Skill verändern – manche stärker, manche weniger stark. Man hat eine Skilleiste von sechs Fähigkeiten, die man aus diesem festen Pool auswählen kann.

Das sieht wirklich erst einmal nach keiner Individualität aus für das neue D3-System. Aber wenn ich mir mal mein Spielerlebnis der beiden Spiele anschaue, dann schneidet D3 bei den Skills besser ab. Wieso?

Bei D2 hatte ich mehrere Klassen gespielt. Am meisten jedoch Paladin, Amazone und Druide. Daher bleibe ich einmal bei den Beispielen dabei, da ansonsten das einfach zu lange her ist, als dass ich mich gut daran erinnern könnte.

Beim Druiden hatte ich meine Companions, die ich immer am Anfang beschworen habe, aber ansonsten hatte ich nur meine Werwolfsverwandlung und so einen Mehrfachschlag. Diesen habe ich durchgespammt das gesamte Spiel über. Mehr habe ich nicht gemacht. Wenn man es also wirklich reduziert, habe ich zwei Skills richtig benutzt. Mehr nicht.

Bei der Amazone war es nicht anders. Ich hatte später die Valkyre, die ich immer beschworen habe, aber ansonsten hatte ich immer einen Elementarpfeil (fragt mich nicht mehr, welcher) mit der Bogenamazone und später dann mit der Wurfspeer-Amazone einen Elementarspeer. So stand ich da und ballerte um mich. Streng genommen sogar mit nur einem Skill.

Beim Paladin war es auch nicht anders. Da hatte ich die unterschiedlichen Auren. Ja, geschenkt. Da hatte ich meist eine durchgängig an, in späteren Schwierigkeitsgraden habe ich die auch mal passend gewechselt. Aber da die alle unterschiedlich stark waren, weil ich sie ja leveln musste, hatte ich den Fokus auf einer Aura. Ansonsten benutzte ich Ansturm und auch so einen Mehrfachschlag. Fertig war der Schnetzelpaladin.

Zwei Skills also quasi bei jeder Klasse! Mehr habe ich nicht gemacht. Es funktionierte. Mag sein, dass die ganzen „Profis“ da mehr mit den F-Tasten gewechselt haben, aber so war mein Spielgefühl damals mit D2. Die einzige Individualität, die mir da passierte war, dass ich auf mancher Stelle im Baum dann sowas skillen konnte wie: „Erhöht kritische Trefferchance um 1%“ oder so solche Scherze. Auch musste ich meine Skills selbst immer wieder erhöhen und wenn ich mich an einem Skill festgebissen hatte, gingen natürlich alle Punkte dort rein. Wieso sollte ich auch nicht den Skill erhöhen, den ich fast ausschließlich benutze?

Im direkten Vergleich benutze ich bei D3 sechs Skills! Immer! Ja, wirklich. Ich wähle mir je nach Situation die passenden Skills aus und dann benutze ich nicht nur die zwei Maustasten, sondern auch die Hotkeys. Sei es, dass ich mit der Demon Hunter Salto um die Monster herumschlage und immer wieder stehen bleibe und schieße, sei es, dass ich mich kurz unsichtbar mache, oder ein Todessiegel setze ode oder oder.

Auch bei meiner Witch Doctor sieht das nicht anders aus. Ja, da habe ich auch meine beschworenen Monster auf den Keys, aber ebenso habe ich neben meinen Angriffen auch noch eine Geistwanderung, ich habe diverse Buffs, die ich immer einmal wieder anwerfe und solche Dinge.

Allein vom Spielgefühl her ist es also komplett anders, weil ich nicht einfach nur stumpf meine Skills durchklicke, sondern wirklich mehr Sachen mache, außer stumpf meinen Angriff durchspammen. Klar, mache ich auch. Vielleicht hat sich mein Spielstil auch verändert, aber so, wie ich D3 jetzt spiele, hätte ich D2 nicht spielen können. Ich fühle mich wirklich individueller. Meine Demon Hunter ist beispielsweise vom Spielstil her anders als die meiner Frau. Bei D2 hatten wir beide ziemlich identische Amazonen.

Woran liegt das? An diesem anderen Skillsystem, das mich vielmehr an „Guild Wars“ erinnert, denn ich suche mir außerhalb des Kampfes eine Kombination an Skills aus und mit denen spiele ich dann. Das ist eine Kombination aus sechs Skills, die ich gleichzeitig anwählen kann. Dafür habe ich dann den Pool an Fertigkeiten, der größer wird, je höher ich im Level werde. Das ist mir mittlerweile deutlich lieber als pro Skillpunkt ein „erhöht deine Trefferchance um 0,5%“.

Ich muss also sagen, ganz davon ab, dass mir D3 sowieso ziemlich viel Spaß macht, dass sich dieses Skillsystem – zumindest für mich – individueller anfühlt. Auch wenn ich also anfangs skeptisch war, so musste ich meine Meinung doch revidieren, als ich dann das Spiel wirklich spielte.

Daher kann ich viele da draußen nicht mehr verstehen, die sich über genau dieses Skillsystem beschweren. Natürlich kann es einem nicht gefallen, aber ich denke, mit diesem Unterschied und diesem Argument, das ich hier anbringe, sollte man sich mal auseinandersetzen. Wenn es einem dann immer noch nicht gefällt? Ja, bin ich der letzte, der einen davon abhalten will. Aber auf mich macht es den Eindruck, als ob einmal der Flame über das neue System im Vorfeld entstand und viele das dann nachplappern oder nicht mehr darüber nachdenken.

Dabei sollte man noch einmal darüber nachdenken. Denn vielleicht macht man sich da das Spielgefühl selbst kaputt, indem man nur glaubt, dass das Skillsystem keine Individualität zulässt, es aber doch letzten Endes individuellere Möglichkeiten bietet als D2.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.