Because they need you, because they love you

Es wird vermutlich bald eine Version von FF7 auf Steam geben – so die Gerüchte. Alle sind aus dem Häuschen und Scharen von Final-Fantasy-Fans jubeln. Wer mich kennt weiß, dass ich auch ein großer Final-Fantasy-Fan bin und hinzu kommt, dass FF7 mein persönlicher Lieblingsteil ist. Aber ich jubele nicht. Mir ist es relativ egal.

Versteht mich nicht falsch, denn ich halte FF7 immer noch für einen großartigen Teil. Es war mein erstes „Final Fantasy“, es war damals noch bei meiner (jetzigen) Frau in ihrer alten Wohnung in Esslingen, wo sie es mir gezeigt hat und ich denn bis spät in die Nacht an dem provisorisch dort aufgestellten PC verbracht habe.

Damals war der Titel schon ein wenig veraltet, aber er zog mich in seinen Bann mit all den kleinen und großen Kniffen und Wendungen, die FF7 so hat und die ich sicherlich niemandem erzählen muss – denn wir kennen diese Momente, die schon fast Computerspielgeschichte geschrieben haben.

Spoiler-Cut! (FF7)

Ich fange noch heute (!) fast an zu heulen, wenn ich das Aerith-Thema in der Orchesterversion höre. Auch wenn das hier im Spoiler-Cut ist, werde ich nicht sagen, warum genau. Manche werden es sich zwar dennoch denken können, aber alle, die es wissen, werden lediglich zustimmend nicken. Wer es dennoch wissen will, folge diesem SPOILER-Link, auch wenn es einfach nicht das gleiche ist, wenn man es nicht gespielt hat.

Einer der bewegensten und rührensten Momente der Computerspielgeschichte. Wenn die Stelle bei ungefähr 2:00 kommt, ist mir normalerweise nicht mehr zu helfen – wie ein trauriges Aufseufzen, das nach Befreiung sucht.

Ich liebe immer noch das Tifa-Thema. Man hat es so häufig gehört. Anfangs in der Bar, wenn ich mich richtig erinnere, und an so vielen Stellen später, wenn sich Tifa und Cloud unterhalten – und ich mochte diese Momente so sehr, weil das so sympathisch war. Das war das, was den doch eher kratzbürstigen Cloud mehr in mein Herz gerückt hat, weil ich merkte, dass da doch mehr in dem anfänglichen Stinkstiefel war. Das Thema war eine so wunderschöne Bodenständigkeit und Verspieltheit neben dem großen Weltuntergang, der Epik und dem Werfen mit Planeten und Kometen.

Wenn das Cosmo-Canyon-Thema gespielt wird, läuft es mir eiskalt den Rücken runter und ich sehe meinen damaligen Lieblingscharakter Nanaki jaulend vor der großen Statue. Das war so bewegend – die gesamte Geschichte dort mit seinem Vater und hatte ein so schönes Ende.

Das bewegt mich alles – bis heute noch.

Trotzdem ist es mir egal, dass dieser Teil nun wiederkommt. Denn ich muss ihn nicht noch einmal spielen. Ich zumindest brauche eigentlich nur diese herausragende Musik, um mich daran zu erinnern und dann ist es wieder bei mir. So richtig „spielen“ brauche ich es aber nicht mehr. Zumal es einfach in meiner Erinnerung sicherlich schöner ist, als es wirklich war. Denn die Grafik war damals altbacken, manche Levelphase auch ein wenig nervig, manche Dialoge lang… Final Fantasy eben.

Klar, ich werde ihn mir holen, einfach um ihn noch einmal zu haben, auch wenn die alte PC-Version noch bei uns im Regal steht. Ich werde es vermutlich aber nicht mehr spielen. Denn es gibt zu viele andere, echt geniale Spiele da draußen und ich muss daher das nicht noch einmal durchspielen. Vielleicht werde ich es mal anspielen, aber das einzige Spielziel von mir wäre eventuell, mal die Ultimate Weapons zu probieren. Aber will ich wirklich bis dahin durchspielen und leveln? Nein, ich glaube nicht. Da verwende ich lieber die Zeit in aktuellere Spiele.

Wenn sie das Spiel rundum erneuert hätten, dann würde das vermutlich anders aussehen. Aber genau das gleiche? Jetzt noch einmal? Nein. Und selbst wenn sie es noch einmal aufgemotzt hätten mit neuer Grafik und Pipapo, hätte ich trotzdem gesagt: „Wieso?“ Diese Entwicklungszeit hätten sie lieber in ein neues FF stecken sollen und finde ich da wirklich vergeudet.

Allerdings gehöre ich auch zu der Ausnahme an FF-Spielern, die auch an späteren Teilen stets Spaß haben konnten. Die meisten FF-Spieler finden „ihr“ Spiel und alles, was danach kommt, ist dann in ihren Augen Schrott und entweiht die tolle Spielreihe. Das ist nicht verwunderlich, denn jedes Final Fantasy hat eine eigene Welt, eine eigene Story – na gut, nicht jedes, aber jedes mit einer neuen Nummer.

Aber mir konnte jedes weitere Final Fantasy auch nach dem siebten Teil noch Spaß bringen – auf die eine oder andere Weise. Das Eine mal mehr, das Andere mal weniger. Jetzt freuen sich also alle, die FF7 zu ihrem heiligen Gral erhoben haben und das will ich ihnen auch nicht nehmen. Aber ich stehe irgendwie ein wenig unbeteiligt nebendran, zucke mit den Schulter und denke mir: „Hätten sie die Mühen doch lieber anderweitig benutzt“.

Es ist nicht schlimm, aber obwohl FF7 eines der Spiele ist, die mich bis heute stark beeinflusst und geprägt haben, kann mir schwerlich etwas egaler sein und das wollte ich zwischen all den Jubelrufen auch einmal zumindest sagen. Mich hat „Final Fantasy 7“ nie verlassen und daher brauche ich das nicht so wirklich.

Aber um wenigstens mit einer positiveren Note zu schließen, möchte ich all jene, die bis hier durchgehalten haben, auf den großartigen Channel von Kate Covington aufmerksam machen, die viele Computerspielstücke vertont hat mit teilweise großartigen auch eigenen Lyrics. Hier das Thema von Aerith – gesungen:

Weil ich das im Verlauf der Videokommentare häufiger gelesen habe: Auch heutzutage können Spiele einen noch zu Tränen rühren. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal von „Final Fantasy 7“ oder der „guten, alten Zeit“. Wann ich das letzte Mal wirklich so richtig fertig vor meiner Konsole gesessen habe? Valkyria Chronicles (Achtung: Spoiler). Sowas gibt es also auch heute noch. Dieser Moment ist für mich auf einer Stufe mit der Aerith-Szene von FF7.

Es gibt diese Spieler – immer noch. Man muss sie nur spielen und sich darauf einlassen. Es gibt auch heute noch diese Spiele mit starker Geschichte, mit fesselnden Charakteren und einfühlsamen Momenten. Die findet man nicht in jedem Spiel – hat man „damals“ aber auch nicht.

Wenn ihr solche Spiele noch einmal sucht? Das genannte „Valkyria Chronicles“ ist mein persönlicher Geheimtipp in dieser Richtung weiterhin. Ebenso „Final Fantasy 13„, auch wenn das leider von vielen FF-Fans abgelehnt wird, weil die Charaktere angeblich lahm sind – empfinde ich genau das Gegenteil. „Atelier Totori“ hat mich auch sehr gerührt und bewegt und ja, am Ende musste ich auch eine kleine Träne wegdrücken.

Das wären so meine Tipps an aktuelleren Spielen, die genau das bedienen, was FF7 so großartig gemacht hat. Jedes Spiel auf seine eigene Weise.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.