Wenn du doch geschwiegen hättest…

Letztens fuhr jemand bei mir im Auto mit und entdeckte im Fußraum des Beifahrersitzes mein Hörbuch zu Tribute von Panem. Wir unterhielten uns kurz ein wenig und dann fragte er mich: „Wusstest du eigentlich, dass das die gekürzte Fassung ist?“

Nein, wusste ich nicht und ich war mir eigentlich auch ziemlich sicher, dass sie es nicht wäre. Aber dabei habe ich mich wohl getäuscht. Das war sehr ärgerlich, denn ich war bisher extrem zufrieden mit dem Hörbuch und hatte damit wirklich viel Spaß. Aber diese Erkenntnis trübte diesen Spaß doch leicht. Hätte er doch bloß nichts gesagt! Mir wäre es wohl nicht aufgefallen.

So höre ich jetzt zwar weiter, aber hin und wieder frage ich mich: „Welche Dinge wurden denn gekürzt? Was wurde übersprungen? Was bekomme ich nicht mit?“ Und das ist schade, denn mir gefällt das Hörbuch – sehr sogar. Es gefällt mir sogar so gut, dass ich mir bereits Teil 2 und 3 bestellt habe, um direkt am Ende von Teil 1 auch zur Not auf der Autobahn wechseln zu können. Na gut, ich würde dafür auf einen Parkplatz rausfahren, aber immerhin habe ich dann die beiden nächsten Teile bereits im Auto.

Leider habe ich ansonsten keine ungekürzte Fassung gefunden und auf irgendwelchen Online-Börsen oder gar illegal will ich mich gar nicht erst umschauen. Wirklich schade, dass die offizielle Version dann auch noch gekürzt ist. Nein, es ist nicht nur schade, sondern sehr, sehr ärgerlich. Aber ändern kann ich es auch nicht.

13 thoughts on “Wenn du doch geschwiegen hättest…

  1. Dummerweise sind, soweit mir bekannt ist, fast alle deutschen Hörbücher gekürzt :( . Eine Sache die ich sehr ärgerlich finde und auch nicht ganz verstehe. Wenn ich ein Hörbuch anhöre, will ich doch das ganze Buch hören, ich hab da immer Angst, ich verpasse sonst etwas.
    Scheint auch typisch deutsch zu sein, wenn du dir englische Hörbücher anhörst, dann sind die nie gekürzt :( .
    Ist genau so eine Unsitte, wie das in Deutschland – wo die Bücher eh schon teurer sind – ganz viele englische Bücher in zwei Teile geteilt werden, damit man doppelt abkassieren kann. Das regt mich echt auf >.< .

    • Ja, das stimmt. Wobei ich das mit dem Aufteilen in zwei Teile noch einigermaßen akzeptieren kann. Schön ist es allerdings nicht, aber da habe ich wenigstens noch das komplette Buch.

      Bei den Hörbuchern ist es einfach schade, dass man die ungekürzte Fassung häufig nur auf Englisch bekommt. Das sagen mir manche Leute dann auch immer wieder, dass ich ja dann einfach die englischen Hörbücher holen könnte. Ich will die Hörbücher aber auf Deutsch hören.

      Natürlich kann ich zwar Englisch, aber ich muss mich auf der Autobahn zu sehr dann auf das Hörbuch konzentrieren, weil das mit dem Motorenlärm sowieso schon nicht schön ist und daher habe ich das lieber in der Muttersprache. Das ist wesentlich entspannender.

      Sehr schade einfach.

      • Zu dem Aufsplitten gibt es übrigens einen sehr lesenswerten Artikel von Patrick Rothfuss, der halt auch von deutschen Lesern ob der Aufteilung seiner Bücher angesprochen wurde:
        http://blog.patrickrothfuss.com/2011/11/fanmail-faq-why-are-they-breaking-up-your-book/

        Darin verlinkt ist auch noch ein deutscher Artikel, der das weiter ausführt.
        Sicher ist es frustrierend, wenn ein englisches Taschenbuch so aufgeteilt wird, dass der letzte Teil mehr ein Heft zu sein scheint – etwa der sechste Band der „Legenden der Drachenlaze“ (also die 2. Hälfte vom dritten Band der englischen Trilogie), der halt 159 Seiten hatte.
        Aber in vielen Fällen ist das halt letztlich doch nicht die Abzocke, die man immer erwartet.

        Darum verlinke ich den auch so gerne, den Artikel.
        Sorry, wenn ich mich damit wiederholen sollte ;)

        Viele Grüße,
        Thomas

        • Sehr interessanter Link. Danke dafür.

          Ich sehe da durchaus auch den Punkt mit zu langen Büchern. Andererseits, das Gegenbeispiel hast du ja bereits genannt und ist mir noch aus meiner Jugendzeit besonders präsent: Die Drachenlanzebücher „mussten“ nicht aufgeteilt werden, denn so lang waren die teilweise wirklich nicht.

          Andererseits ist die Frage, ob das nicht doch auch wieder mit der Übersetzungszeit zu tun hatte, denn ich weiß noch, wie ich ungeduldig auf den nächsten deutschen Band damals gewartet habe und immer in den Buchladen gerannt bin. Wenn man in der Hälfte einen Schnitt macht und das dann veröffentlicht, hat der Leser immerhin schon einmal etwas zum Lesen und muss nicht auf das komplette Werk warten.

          Sicherlich kann man dann auch sagen, dass man lieber länger wartet, aber dafür alles hat. Ist sicherlich immer auch eine Geschmacksfrage.

          • Man muss umgekehrt halt auch sehen, dass sich die Zeiten auch ändern, auch beispielsweise was Übersetzungsstile anbelangt. Und so absurd dünn mir damals schon einige der Drachenlanze-Bände erschienen – wenn man sie mal neben die damals ja auch noch angesagteren Moewig-SciFI-Bände legt, so als Beispiel, liegen die voll im Trend.

            In den 70ern, 80ern und 90ern war es halt auch in den Phantastik-Feldern noch nicht unüblich oder verpönt, mal ein Buch mit unter 200 Seiten zu bringen; insofern erschienen die Drachenlanze-Bücher ursprünglich vielleicht gar nicht mal so fernab der Norm.
            Das ist auch noch immer die Zeit gewesen, wo es gar nicht mal ungewöhnlich oder fragwürdig war, dass eine Übersetzung nur gekürzt oder gar umgeschrieben erschien.

            Heute, wo das generische Fantasy-Buch ja nicht mehr unter 500 Seiten haben kann, ist das natürlich was anderes, da wirken sie mehr wie Heftchen.

            Vielleicht hat es auch einfach damit zu tun.
            Wobei ich das auch nicht weiß, nur vermuten kann.

            Viele Grüße,
            Thomas

        • Also ich weiß nicht, gerade der verlinkte deutsche Artikel relativiert das, was Patrick Rothfussschreibt ja schon wieder… Liegt eben anscheinend schon am Geld, und wenn es nur das ist, dass zwei dünnere Bände billiger in der Herstellung sind, als ein Buch mit 1500 Seiten. Wobei ich das bei richtig dicken Büchern noch eher einsehen kann, als bei „meinen“ Vampirbüchern, wo eben oft auch Bücher mit 300 Seiten auf zwei Bücher aufgeteilt werden -.- .

          Ich bin ganz froh, dass ich die Bücher im englischen Original lesen kann – spart mir jede Menge Geld, Wartezeit und die deutschen Übersetzungen sind ja leider auch oft nicht so gelungen.

          • Hallo Tina,
            ist zwar schon ein paar Tage her, aber um das noch kurz nachzureichen – natürlich geht es ums Geld.
            Verlage sind Wirtschaftsunternehmen. Das wird sich auch nie ändern.

            Aber wenn zwei dünnere Bücher günstiger in der Herstellung sind, dann sind sie das (potentiell) auch im Verkauf und davon wiederum profitiert dann nicht nur der Verlag, sondern auch der Kunde (weil er weniger zahlen muss) und der Autor (weil er dadurch vermutlich eine höhere Verbreitung erlangt).

            Dass es Gegenbeispiele gibt, bei denen es rein um Abzocke geht, freilich; es geht mir ja nur darum, dass ich das nicht pauschalisiert sehen möchte.

            Viele Grüße,
            Thomas

    • Danke für den Link. Allerdigs sieht das wirklich sehr nach meiner „Hardware“-Variante der Hörbuchs aus – gleiches Cover und sogar gleiche Sprecherin. Wenn das also wirklich ungekürzt ist, dann hat audible da anscheinend einen Exklusivertrag. Müsste ich mir mal genauer ansehen.

      Ist zudem allerdings leider noch zusätzlich schade, weil ich die Hörbücher gerne als CD-Version habe. Zwar habe ich auch einen Anschluss für USB-Sticks im Auto, allerdings müsste ich dann erstmal wieder einen neuen holen, da ich meinen alten mit Musik nicht löschen will – und das dann immer jeweils wechseln.

      Wäre allerdings vielleicht wirklich eine Möglichkeit. Muss ich mal schauen. Trotzdem schade, dass scheinbar die ungekürzte Fassung nur auf diesem Weg zu geben scheint.

      • Audible bietet öfter mal Bücher in ganzer Länge an – höre gerade die Millenium Trilogie ungekürzt :) . Audible ist eh empfehlenswert, mein Mann hat sich dieses Flexi Abo geholt, das rentiert sich auf jeden Fall, wenn man öfter Hörbücher hört http://www.audible.de/membershipDetail?asin=B004RIOIFE .

        • Ja, theoretisch schon. Ich habe mir den Link jetzt auch schon genauer angesehen, das Problem ist: Ich würde nie mehr als ein Hörbuch pro Monat schaffen, weil ich das nur auf den langen Strecken höre. Daher lohnt sich vermutlich das Abo nicht so ganz, weil da einiges verpuffen würde.

          Außerdem gibt es auch mal Phasen, in denen ich dann auf den langen Strecken gar kein Hörbuch einlege, sondern nur Musk höre. Daher zögere ich da noch, ob sich das wirklich für mich lohnt – zusätzlich zu dem Aufwand, das dann noch auf CD zu brennen oder auf einen USB-Stick zu ziehen. Ist zwar auch nicht der größte Aufwand, aber doch immer noch mehr, als wenn ich die CDs direkt bekomme.

          Hmmm…

  2. Gerade bei den Discworld-Hörbüchern fällt mir das immer wieder auch auf, denn die Romane selber kenn ich beinahe auswendig. Hörbücher sind generell sehr oft, und in Deutschland fast immer, gekürzt. Das ärgert mich auch, aber es ist leider nicht zu ändern.

    Besonders ärgert mich daran das die Kürzungen oft die entsprechende Handlung verfälschen. Man bekommt gar nicht mit warum ein Charakter etwas Bestimmtes macht, Bezüge wirken plötzlich aus der Luft gegriffen, da eine der Kürzungen eine für die Haupthandlung zwar unwichtige Nebensache beschrieben hat, vor deren Hintergrund bestimmte andere, wichtigere Aspekte, jedoch erst Sinn ergeben oder gerade besonders genial wirken.

    Die ganze Praxis ist einfach hinten und vorne meh.

    • Jetzt machst du mir Angst, dass ich da doch wichtige Teile verpasst habe.

      To audible or not to audible… *sfz*

      Egal, ich ziehe jetzt die CDs durch, die ich mir schon gekauft habe und versuche, die trotzdem noch zu genießen.

      Trotzdem: sehr ärgerlich irgendwie…

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