Jamas Tipp: Contact

Manchmal werden richtig großartige Filme vollkommen falsch angepriesen oder vermarktet: Contact ist ein perfektes Beispiel dafür. Der Trailer ist vollkommen irreführend und man denkt, man bekommt einen gigantischen Science-Fiction-Film über Erstkontakt mit Außerirdischen. Was man aber viel mehr bekommt, ist ein herausragender Film über den ewigen Kampf zwischen Wissenschaft und Religion. Das ist der Film, nicht das, was im Trailer beworben wurde.

Als Ergebnis hatten wir im Kino damals leider sehr unschöne Situationen mit dem Publikum, das für diesen Film weder gewappnet war, noch ihn wirklich sehen wollte. Am Anfang gibt es beispielsweise eine Sequenz, in der es einen langen, wirklich sehr langen Zoom aus dem Weltall auf die Erde gibt. Dabei hört man immer mehr an Funkwellen, die von der Erde ausgestrahlt werden. Das ist eine sehr lange und sehr ruhige Szene – aus der Erinnerung würde ich die wirklich auf 3-5 Minuten schätzen. Kann sein, dass die Erinnerung das aber ungenau verlängert. Am Anfang war es noch ruhig, aber bereits nach einer Minute begann die Unruhe durch das Kino zu schwappen und die Leute fingen an, sich zu unterhalten. Das war sehr schade, denn das hat die Szene einfach zerstört.

Auch später gab es mehrere solche Momente. Aber verständlich, denn viele haben wohl einfach einen krachigen Science-Fiction erwartet. Dabei ist der Film sehr ruhig, sehr langsam, konzentriert sich sehr auf die Charaktere und ihre Beziehungen zu Wissenschaft, Religion und dem Menschen an sich. Dieser Erstkontakt mit Außerirdischen ist nämlich nur die Bühne für ein paar grundlegende Fragen, die auf unterhaltsame Art für die Pop-Kultur aufbereitet werden.

Das Einzige, was man dem Film meiner Ansicht nach vorwerfen könnte, wäre: Lange Zeit sind sowohl Wissenschaft als auch Religion gleichberechtigt und beide Positionen werden mit ihren Vor- und Nachteilen dargestellt und es wird auch geschaut, was eine mögliche Symbiose sein kann und wie man das verbinden kann. Gegen Ende hin weicht sich das leider ein wenig auf und ein ansonsten sehr kritischer und interessanter Film verlagert sich doch arg auf eine Seite, wie ich finde. Das ist für mich nicht schlimm, denn diese Seite ist vermutlich die, der ich mich als Agnostiker auch eher zurechnen kann. Aber trotzdem ist es schade.

Ändert aber nichts daran, dass ich noch genau weiß, wie wir damals nach dem Kinobesuch in unserer Viergruppe noch hinter dem Residenz in Mainz gestanden haben und uns bis um 5 Uhr morgens (!) über Gott, Wissenschaft und die Welt im wahrsten Sinne des Wortes unterhalten haben. Das war sehr spannend, sehr inspirierend und ich bin wirklich beeindruckt, wie wir uns trotz teilweise sehr unterschiedlicher Ansichten so friedlich und interessiert über das alles unterhalten konnten. Denn für mich gehören Religion, Politik und Geschlechterrollen zu den Themen, die man besser meiden sollte – sofern man sich nicht mit Menschen zerstreiten will, die man mag. Denn hier wird meist viel zu verbissen gekämpft und um sich geschlagen.

Aber es geht auch friedlich und ich denke, dieser Film hat das gezeigt und gemacht. Dafür gehört er für mich immer noch in die Reihe der ganz großen Filme. Lasst euch von dem Trailer also nicht in die Irre führen: Es geht nicht um dieses Signal und es geht nicht um Außerirdische. Es geht um solche Fragen wie: Was ist Wissen? Was kann Naturwissenschaft? Was ist Glaube? Was kann Religion? Was kann ich beweisen? Was ist empirisch? Was ist nur meine Gefühlswelt? Darum geht es. Es wird zwar auch im Trailer thematisiert, aber sehr, sehr kurz. Ja, und die Aliens halt im Hintergrund – geschenkt.

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