So ist der Mensch

Die Tribute von Panem sind meiner Ansicht nach ein ganz hervorragendes Stück Literatur – unterhaltend und dennoch tief. Anscheinend kam der dritte Band nicht ganz so gut an, weil er doch Dinge anders macht, aber gerade so einige Dinge im dritten Band haben mich zwar anfangs auch irritiert, aber bereits nach wenigen Momenten dachte ich mir: „Ja, genau so!“

Spoiler-Cut

Da ist die Reihe für mich irgendwie anders gewesen als His Dark Materials, bei bem ich mir eher ständig dachte: „Och nö, bitte nicht so.“ Nicht, weil ich zu sehr mit Figuren gelitten habe, sondern weil ich die Entwicklungen einfach nicht gelungen fand. Aber das ist vermutlich auch Geschmacksfrage und auch wenn mir da His Dark Materials nicht gefallen hat, will ich damit nicht sagen, dass es schlechte Bücher sind. Nur irgendwie waren sie nicht meins; was sehr schade fand, da ich den ersten Band immer noch recht gelungen fand, wenn ich mal von den letzten 20 (oder so) Seiten absehe.

Tribute von Panem hat mich aber durchgehend gefesselt. Gerade auch der Schluss. Ich kann mir vorstellen, dass das für viele nicht passt, denn es ist antiklimaktisch auf eine gewisse Weise. Aber das war genau richtig, genau so. Außerdem gefallen mir die offenen Fäden und auch den mangelnden Überblick, den man durch die limitierte Erzählsicht erhält. Das ist so großartig, dass man eben kein abschließendes und objektives Gesamtbild bekommt und vieles offen bleibt. Das ist einfach nur großartig, dass da konsequent bis zum Schluss die Erzählweise beibehalten wird. Meinen absoluten Respekt an die Autorin.

Was mich aber fast noch am meisten beeindruckt hat, war die tiefe Einsicht in die conditio humana – in das, was uns Menschen ausmacht. Es gab wohl Kritik am Setting, dass es vollkommen unrealistisch sei, dass sich irgendwann eine solche Gesellschaft entwickeln könnte mit den Distrikten, aber das ist nicht der Punkt, in dem Tribute von Panem realistisch sein will. All das ist nur allegorisch und will weder realistisch noch authentisch sein. Wo es allerdings absolut realistisch und authentisch ist, ist in den Charakteren.

Auch das mögen manche vielleicht anders sehen, aber ich finde das glaubwürdig bis in die Haarspitze hinein. Sicherlich ist das auch nur möglich, weil die Erzählweise sehr subjektiv ist, aber allein Katniss finde ich als Charakter so glaubwürdig, mit Stärken, aber auch so vielen Schwächen, dass all das einfach viel authentischer wirkt. Der Charakter ist nicht makellos, auch wenn es auf manche so wirken mag, aber ähnlich wie Buffy ist das nur eine Fassade und wer denkt, der Charakter sei perfekt und auch so gedacht, der versteht weder Buffy noch Katniss – denn ich denke, dass beide Charaktere sich sehr, sehr ähnlich sind auf ihre eigenen Weisen, auch wenn sie unterschiedlich sind.

Insgesamt sind die Tribute von Panem eine ungeheuer glaubwürdige charakterzentrierte Dystopie, die ich nur jedem empfehlen kann, der sowas mag. Erwartet keinen realistischen Science-Fiction, erwartet kein Feuerwerk an besonderen Einfällen oder ähnliches. Aber was man erwarten kann, ist eine Allegorie über Moral, über das Menschsein, denn meiner Ansicht nach stellen diese Bücher die Menschheit sehr gut dar.

Ich freue mich jedenfalls sehr auf die weiteren Kinofilme und bin sehr gespannt, wie es umgesetzt wird. Auch wenn ich hoffe, dass sie das Ende nicht so übernehmen werden. Denn obwohl ich das sehr gelungen finde, ist das nichts, was im Film funktionieren würde – denke ich. Da muss man sich dem Medium entsprechend anpassen. Was in den Büchern super wirkt und funktioniert, könnte zu sehr viel Unmut im Publikum führen, wenn genau dieses Erzähltempo und die Erzählweise beibehalten wird.

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