Bloggen oder nicht bloggen

Meine Frau und ich waren letztens im Theater – streng genommen im Kabarett. An sich hatten wir uns darauf gefreut, wurden aber leider doch schwer enttäuscht. So sehr, dass ich bemerkte, dass mein Höflichkeitsklatschen war sogar vor ihrem kam und das muss schon was heißen. Denn an sich taue ich sehr viel schwieriger bei sowas auf.

In der Pause raunte sie dann zu mir: „Und? Wie gefällt es dir?“ Ich antwortete, dass es durchwachsen sei, ich mich langweile, aber es ein paar wenige gute Momente gab. Sie nickte daraufhin. Ich ahnte das immerhin schon durch ihre Reaktionen im ersten Teil, war aber dennoch leicht überrascht. Wir saßen es aber bis zum bitteren Ende durch; der zweite Teil war zum Glück deutlich kürzer und sehr viel schneller vorbei.

Die Reaktionen im Publikum waren ebenso durchwachsen. Wir hatten hinter uns ein paar Kinder/Jugendliche, die hatten recht viel Spaß und irgendwo vor uns wurde auch gelacht. Ich glaube, wir waren da wirklich eine Minderheit im Publikum. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass einige doch recht rasch aus dem Raum flohen, als es zu Ende war und sogar noch kurz angenervt waren, als es noch eine kurze Ansage zu DVD und Programm gab.

Warum schreibe ich das alles und überhaupt so vage? Ich wollte eigentlich schon am Freitag darüber bloggen. Dann wiederum dachte ich mir aber: „Nee, das kannst du nicht machen. Dieser Mensch verdient sein Geld damit und es war ja an sich nicht schlecht.“ Ich fragte mich nur häufiger: „Was soll das eigentlich?“ Und: „Das könnte sogar ich – und sogar besser.“

Der Mensch da vorne war keineswegs unsympathisch und gerade, wenn er was improvisierte, weil was nicht so lief wie geplant … das waren Lacher! Das war auch gut. Nur der Rest? Der war – zumindest für mich – sehr määäääääh. Aber muss ich das dann hier schreiben? Einen weiteren unseligen Verriss ins Internet setzen?

Die Amazonkritiken sind schon übel und was manche da auch noch ins Netz an Unnettigkeiten blasen, passt auf keine Kuhhaut mehr. Man muss einen Künstler nicht zerreißen und auch nicht beleidigen. Das hatte ich auch nicht vor. Andererseits … bei bekannteren Künstlern, bei Filmen oder renomierteren Autoren, da habe ich keine Berührungsängste und ich denke, ich weiß jetzt auch warum: Es schadet ihnen nicht. Und ich will diesen Leuten schließlich nicht schaden. Auch den „Großen“.

Im Gegenzug kann aber schon eine fiese Kritik dazu führen, dass jemand doch weniger verkauft. Das mag noch nicht einmal gerecht sein, weil sich vielleicht manche Leute abschrecken lassen, denen es doch gefallen hätte. Viele solche Kritiken sind schließlich im Brustton der Überzeugung und im Gallenton der Beleidigung geschrieben.

Also haderte ich mit mir, ob ich wirklich was darüber schreiben sollte. Denn Schreiben an sich, das wollte ich! Nur ihm nicht schaden. Doch wie darüber bloggen, wenn ich es nicht wirklich erkennbar machen und ihm nicht schaden will? Geht wohl nicht. Aber dann fiel mir auf, dass das Thema an sich eigentlich schon schreibenswert ist. Denn viel zu wenigen ist bewusst, was sie mit ihren Äußerungen gerade auch im Internet für solche Leute anstellen.

Da ist jemand – der lebt davon. Der macht seine Sache vielleicht nicht schlecht, aber es gefällt einem nicht. So richtig gar nicht sogar. Das wird dann hinaus geplärrt und mit vielleicht sogar ein paar Kraftausdrücken garniert. Das lesen manche und das verbreitet sich. Das kann wirklich schon ziemlich stark um sich schlagen.

Habe ich auch schon am eigenen Leib erlebt und ganz davon abgesehen, dass Kritik natürlich nie gut tut, fragt man sich da häufig: Ist das fair? Ist es sicherlich, denn es ist die Meinung desjenigen. Aber dennoch kommt man manchmal und vor allen Dingen bei manchen Leuten nicht umhin zu denken, dass das einfach Stimmungsmache ist und leider viele da sich mitziehen lassen.

Was man dagegen machen kann? Nichts – außer es einfach selbst nicht zu machen. Gelingt natürlich nicht immer; auch mir nicht. Keiner ist da perfekt. Aber man kann sich bemühen. Daher bleibe ich lieber bei meiner sonstigen Linie: Wer gesund auf festen und großen Beinen steht, der kann Kritik sicherlich vertragen und da ist es sogar auch eine gewisse Werbung. Aber bei kleineren Leuten? Muss nicht sein. Man kann auch einfach mal höflich schweigen. Ich will da immerhin durch keine Kritik eine finanzielle Existenz auf dem Gewissen haben.

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