They speak of liberty and justice! But for who?

Noch immer prügele ich mich als Connor durch das Amerika der Revolution in Assassin’s Creed 3 – kommendes Wochenende werde ich aber den Unabhängigkeitskampf wohl beenden. Denn es bricht die letzte Story-Sequenz an. Trotzdem habe ich erst ca. 50% des Spiels durchgespielt. Doch von was?

Nach wie vor bin ich sehr zwiegespalten, was AC3 betrifft. Es gibt durchaus viele, viele Momente, die richtig genial sind. Es gibt viele Momente, in denen Connor mir fast eine Klippe runterfällt oder von einer Muskete aufgespießt wird, weil ich staunend da sitze, weil es gerade einen genial cineastischen Moment gibt.

Die Geschichte macht mir Spaß, die Charaktere sind in Ordnung und das Setting ist einfach toll. Wunderschön ist das frühe Amerika eingefangen und obwohl man nicht die Häuserschluchten eines Venedigs oder eines Konstaninopels hat, fühle ich mich als Assassine nicht überflüssig und kann über Bäume klettern und spannende Verfolgungsjagden bestehen.

Und dennoch gibt es auch zu viele Momente, in denen mich etwas wurmt. Verbuggt ist es immer noch und das, obwohl ich mittlerweile mir sogar online Patches gezogen habe. Manchmal bricht das Spiel im Ladebildschirm ab oder lädt und lädt und lädt. Manchmal ist die Wegfindung so beknackt, dass ich bei einer Verfolgungsjagd mein Pferd über Steine springen lasse oder durch einen Fluss waten will, und das klappt auch am Anfang, doch dann komme ich nicht mehr weiter – aber auch nicht mehr zurück.

Die Brief-Nebenmissionen sind meiner Ansicht nach schon eine dreiste Frechheit wie minimalistisch und belanglos das ist. Manche Nebenmissionen sind nett, aber glänzen dann dadurch, dass man sie dreimal wiederholen darf – und dreimal auch exakt das gleiche gesagt wird. Da war in allen Teilen vorher wenigstens Variation dabei! Doch hier? Gerade bei den Nebenmissionen in New York ist mir das aufgefallen.

Außerdem fehlen mir einfach die Gräber. Ja, so etwas Ähnliches gibt es auch bei AC3 mit den Schätzen, die man finden kann. Ich hatte auch schon solche Missionen wie die Gräber, aber das ist kein Vergleich zu der Jagd nach der Rüstung Athairs oder diesen Geheimnissen um den Romulus-Kult in Brotherhood. Viel zu schnell war das vorbei, noch nicht einmal knifflig.

In dem Zusammenhang habe ich mir sogar gedacht: „Testest du doch einmal den DLC aus.“ Denn Maya-Tempel klang nett und ich dachte mir, vielleicht ist das ja genau so etwas wie die alten Grab-Missionen. Fast! Leider nur fast! Es fing gut an, gab dann auch eine knifflige Stelle und dann war es vorbei. Und dafür dann knapp 5 Euro bezahlen?

Klar, da waren auch noch ein paar Outfits und Waffen dabei; die brauchte ich aber nicht. Ich wollte ein solches Grab! Was bekam ich? Eine nette Map – optisch war das wirklich gut. Der Tempel an sich war nett und als sich gerade das alte Spielgefühl wieder melden wollte und sagen wollte: „Ja, das fängt gut an!“ – hörte es auch schon wieder auf. Das war enttäuschend. Dabei fand ich das noch nicht einmal schlecht. Vielleicht habe ich auch nur etwas übersehen?

Würde mich nicht wundern, denn bei AC3 kann man so einiges übersehen. Über das Tutorial habe ich ja bereits geschimpft. Ich glaube, das wird bei keinem Assassin’s Creed jemals anders werden. Aber so versteckt wie hier manche Dinge sind, ist das schon fast eine Frechheit – oder ich zu blind. Ich weiß es nicht und möchte den Fehler bei mir nicht ganz ausschließen.

Mir sind Dinge in den Statistiken aufgefallen, von denen ich noch nie was gehört habe. Besondere Missionen von Achilles? Habe ich bisher nicht gesehen. Bestimmte Manöver? Ja, wurden mal kurz erklärt, aber da alles meist mitten in einer Kampf- oder Verfolgungs-Sequenz aufplöppt, hat man nie genug Zeit, das zu lesen.

Viel zu häufig wird was angezeigt, während ich kämpfe oder jemanden verfolge, ich kann nur mit halbem Auge mitlesen und ehe ich mich dann wirklich darauf konzentrieren kann, ist es schon wieder weg – und ich weiß nicht mehr wie oder was. Was ist aus der Methode geworden, in solchen Momenten das Spiel mal anzuhalten? Oder zumindest diese Möglichkeit einzubauen? Mag sein, dass das doch langsam mein Alter ist, dass eine jüngere Generation das schnell aufnehmen kann – ich aber offensichtlich nicht.

Das sind so die Schmerzen, die ich mit dem Spiel habe und leider sind es noch lange nicht alle. Ich hätte wirklich von vornherein nicht so viel entdecken sollen, nicht so viel den Nebenmissionen hinterherjagen sollen. Das verdirbt einem wirklich den Spaß an AC3. Daher kann ich nur jedem empfehlen, der es das erste Mal spielt: Pfeift auf die optionalen Missionsziele, pfeift auf Nebenmissionen – spielt erst die Hauptstory. Das macht Spaß, das macht Laune. Der Rest läuft nicht weg und ist (leider) größtenteils belanglos.

Es wirkt doch insgesamt viel zu früh veröffentlicht – oder, wenn nicht das, dann zumindest so abgespeckt, dass ein Großteil an Geld noch einmal mit DLCs verdient werden sollte. Das war auch bei den vorherigen Teilen so, aber bei AC3 hat es mich tatsächlich zum ersten Mal richtig gestört.

Ich erinnere mich noch, dass es auch hier Leute gab, die beispielsweise bei AC2 sich beschwerten, dass diese oder jene Mission fehlte. Mir fiel da nichts auf, weil das Spiel an sich rund war – die Geschichte war ebenso rund. Hier bei AC3 habe ich aber zum ersten Mal das Gefühl, als ob wichtige Stellen nicht existieren oder nachträglich rausgenommen wurden. Vielleicht täusche ich mich da auch.

Das ist sehr schade, denn das Spiel ist an sich schön! Ich bin da wirklich sehr frustriert, wie wechselhaft doch der Spielspaß bei AC3 ist. Denn ich will mich vor meine PS3 setzen und richtig Spaß haben – und ich habe riesig Bock auf Assassin’s Creed! Auch auf Connor, den sicherlich auch viele nicht mögen! Aber das Spiel behindert mich in so vielen Momenten, dass ich ungewöhnlich lang jetzt zum Durchspielen brauchte bisher.

Das Spiel ist von der Geschichte und dem Umgang mit den geschichtlichen Bezügen herausragend gut! Mir gefällt, wie die Geschichte in kritischem Blick betrachtet wird. Nichts wird glorifiziert, vieles hinterfragt. Gerade vor dem Hintergrund des philosophischen Streits zwischen Templern und Assassinen ist das der perfekte Hintergrund und eine wunderschöne Grundsatzdiskussion entsteht.

Man könnte denken, dass AC3 durch den Bezug zur amerikanischen Revolution unangenehm patriotisch wird. Ist es nicht! Es ist kritisch! Das habe ich mir erhofft und das ist ihm gelungen und das gefällt mir so ungeheuer gut. Es gibt Zwischentöne, die manche vielleicht nicht bemerken, aber da ist viel Kritik auch versteckt – nicht alles ist so glorreich, wie es in den Geschichtsbüchern steht und das Spiel macht dies eigentlich sehr deutlich klar.

Es gibt daher diese Momente, in denen Assassin’s Creed 3 wirklich brilliert und mich nicht enttäuscht – sondern im Gegenteil begeistert und mitreißt. Aber zum ersten Mal seit Assassin’s Creed 1 gibt es auch wieder viele Momente, in denen ich mir denke: „Määääh! Wirklich?! Meint ihr das ernst?!“

Sehr, sehr schade – zumal Assassin’s Creed sich an sich zu einer meiner Lieblingsreihen gemausert hat. Wollen wir hoffen, dass mir ein ähnliches Erlebnis nicht auch mit Dead Space 3 passieren wird. Das steht immerhin auch bald auf dem Plan.

Assassin’s Creed 3 ist ein absolutes Wechselbad der Gefühle – so großartig in vielen Bereichen, so schlecht in anderen. Es ist nicht so schlecht, wie viele es machen. Es ist kein Flopp, es ist kein Totalausfall. Das sicherlich nicht! Im Gegenteil ist es sogar an vielen Stellen richtig gut! Aber dennoch leider alles andere als rund.

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